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09. April 2008 12:03; Akt: 09.04.2008 16:01 Print
«Kopulierende Paare sind eine neue Eskalationsstufe»
von Tina Fassbind - Im Minimum einen Zettel drauf. Weil es die Paare der aktuellen Aids-Präventionskampagne zu wild treiben, hat die Junge Evangelische Volkspartei Plakate in Zürich und Basel überklebt. Grund der Übung: Die Gesellschaft sei übersexualisert genug.
Tarzan und Jane schaukeln an der Liane dem Höhepunkt entgegen, ein Taucherpärchen kommt in der Tiefsee auf Hochtouren, Höhlenforscher vertiefen ihre Beziehungen zwischen mächtigen Stalagmiten – sie ist heiss und direkt, die aktuelle Aids-Präventionskampagne des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und der Aids-Hilfe Schweiz.
Die zensierte Fassung der jevp.
Die Junge Evangelische Volkspartei ist Initiantin der im Dezember 2006 mit über 17 500 Unterschriften eingereichten Petition «Freie Sicht! – gegen sexistische Werbung». Sie wollen die neue Aids-Präventionskampagne laut eigenen Angaben «kritisch begleiten.»
Mit dem Kopf bei der Sache sein
Zu heiss, findet die Junge Evangelische Volkspartei (jevp). «Das ist eine neue Eskalationsstufe», sagt Niklaus Hari, Generalsekretär der jevp, zu 20minuten.ch. «Kopulierende Paare hat man auf Schweizer Plakatwänden wirklich noch nie gesehen. Die Kampagne suggeriert mit den Pärchen im sexuellen Akt, dass es in jeder Situation unbedenklich ist, Sex zu haben. Das widerspricht doch genau dem Präventionsgedanken. Man sollte doch auch noch mit dem Kopf bei der Sache sein und an Präservative denken.»
Als Reaktion auf die Kampagne hat die jevp gestern Abend ein paar Plakate in Zürich und Basel mit wieder entfernbaren Warnklebern versehen. Sie weisen darauf hin, dass «Jugendgewalt und Sexualstraftaten unter anderem in der Übersexualisierung unserer Gesellschaft durch solche Bilder wurzeln. So werden Kinder und Jugendliche nicht geschützt, sondern gefährdet!»
Denkanstoss zur Diskussion
Mit der Aktion wolle die Partei auf eine unkonventionelle Art einen Denkanstoss zur Diskussion liefern. «Gerade weil die Kampagne aus öffentlicher Hand finanziert wird, ist sie für uns stossend», sagt Hari, «unser Wunsch wäre einfach, dass man sich die Bildsprache besser überlegt. Ich höre schon die Kinder ihre Eltern fragen: Was machen die da? Das Sujet ist sicher nicht geglückt.»
BAG behält «die Sache» im Auge
Adrian Kammer, Leiter Kampagnen des BAG, glaubt nicht, dass die Bildsprache missverstanden werden könnte. «Die Kampagne spricht Sex in Ausnahmesituationen an – während Geschäfts- oder Ferienreisen, an Partys im Zusammenhang mit Drogen und Alkohol. Um das zu verdeutlichen, ist diese Bildsprache nötig.» Die Stop Aids-Kampagnen des BAG hätten von Beginn weg die Dinge beim Namen genannt. «Wir haben immer in Bild und Wort ausgedrückt, worum es eigentlich geht. Das ist bei der aktuellen Kampagne genau so. Sonst hätten wir sie nicht in dieser Form kreiert und ausgehängt», betont Kammer.
Gegen die Aktion der jevp will das Bundesamt für Gesundheit nicht vorgehen, «aber selbstverständlich verfolgen wir Reaktionen auf unsere Kampagne. Wir werden die Sache allerdings im Auge behalten.»

























