01. August 2007 16:45; Akt: 02.08.2007 11:13 Print

Endlich: Ungetrübtes Idyll an der RütlifeierEndlich: Ungetrübtes Idyll an der Rütlifeier

Ungestörter «Frauengipfel» auf dem Rütli: Für einmal gelang es den Glatzköpfen nicht, sich mediengerecht in Szene zu setzen. Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey konnte ihre Rede ungestört halten. Ein massives Sicherheitsaufgebot war der Preis dafür.

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Bereits am Vorabend zum 1. August wurde in Basel ein prächtiges Feuerwerk gezündet (). Das offizielle Spektakel dauerte rund eine halbe Stunde und zog tausende Basler in den Bann. Auf dem Urnersee lieferten sich ein paar Rechtsextreme eine Wasserschlacht mit der Polizei (). Bundesrat Schmid war in Bleichenberg bei Zuchwil (SO) zu Gast und nahm an einem Gottesdienst teil (). Bundesrat Blocher stellte in mehreren Reden das Volksrecht der Schweiz über die Völkerrechte () mit Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey. Bundesrat Leuenberger hielt im Tessiner Centovalli ein Plädoyer für die Randregionen der Schweiz. (). Bundesrat Couchepin weilte in den Bergen von Gruyère. Wirtschaftsministerin Leuthard beim Gartenfest der Schweizer Botschaft in Berlin (). Pech für Xaver Bossert aus Luzern: Wegen seiner gefährlichen Waffe wurde er nicht aufs Rütli-Schiff gelassen (). Rausgeputzt zum Nationalfeiertag: Zwei Hunde vor dem KKL in Luzern. Auf dem Rütli konnte wieder einmal friedlich und ohne hässliche Szenen gefeiert werden. (Bild: Reuters/Siggi Bucher) Zuschauerinnen auf dem Rütli (). Alphörner und Fahnenschwinger schafften es bis auf den Zürcher Bürkliplatz (). Die Nationalfeier in Genf. Ehemalige Artilleristen liessen es in Genf ordentlich krachen. Feuerwerk in Genf. Älpler begehen den Nationalfeiertag mit einem traditionellen Höhenfeuer auf der Alp Zavagra in Obersaxen. Knisternde Stimmung auch in Stettlen bei Bern. (Bild: Reuters/Pascal Lauener) Ein Mobile-Reporter schickte dieses Bild des Feuerwerks vom Gurten.

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Die «MS Winkelried» liegt an Pier sechs, abseits von den Touristenschiffen. Eine Stunde vor der Abfahrt tröpfeln die ersten Rütligänger ein. Es sind Pärchen, kleine Gruppen, viele Frauen, mit Rucksack und Sonnenbrille, das Billett gezückt. Der Pier ist weiträumig abgesperrt, Securitas-Wächter stehen stramm an den Gittern.

Es ist ein verschlafener Feiertagsmorgen. Die Passagiere auf der «Winkelried» blinzeln in die Sonne und bestellen am Buffet Valser und Kafi Crème. Die ältere Frau aus Kriens ist alleine gekommen, sie sitzt draussen am Schatten, an der Flanke des Schiffs, in einem lachsfarbenen Sommerkleid. Sie sei hier, um ein Zeichen gegen die Rechten zu setzen und die Frauen zu unterstützen. «Bevor ich diese Welt verlasse, will ich aufs Rütli», sagt sie - halb scherzhaft.

Jacques Ella Ella aus Kamerun und Beda Kouassi aus der Elfenbeinküste stehen an der Reeling. Die beiden Asylbewerber sind von einer Ausländerverein eingeladen worden. Unter dem eleganten schwarzen Kittel trägt Ella Ella ein T-Shirt mit Schweizer Kreuz. «Es ist toll, hier zu sein», sagt er. «So lerne ich die Schweiz kennen.» Unweit davon sitzen fünf Burschen der Studentenverbindung Helvetia. «Wenn die Rechtsextremen stören, machen wir das wie bei der Schlacht am Morgarten: Wir gehen mit Baumstämmen auf sie los», sagt einer der Studenten und hebt die Bierflasche.

Als das Schiff am Pier zum Rütli anlegt, winken drei junge Männer den Rechtsextremen zu, die sich auf einem Pedalo dem Steg nähern. Zwei Polizeiboote liefern sich ein Katz- und Mausspiel mit einem Dutzend Vertretern der rechten Szene auf Schlauch- und Ruderbooten. Die Präsidentin der Rütli-Kommission, Judith Stamm, schaut genau hin. «Die haben die Frontisten-Fahne gehisst!» Sie schüttelt den Kopf. «Mit denen mussten wir trotz allem rechnen.»

Als das dritte Schiff ankommt, ist die Rütliwiese voll. Die Besucher breiten Tücher auf der feuchten Wiese aus, packen ihr Pick-Nick aus und schützen sich mit Schirmen und Kopftüchern vor der Sonne. An einer erhöhten Stelle am Wiesenrand legen schwarz gekleidete Jugendliche mit Schweizer Fahnen auf den Boden. Ein blonder Bursche sagt, er käme jedes Jahr hierher. Aus Patriotismus.

Ein beliebtes Foto-Sujet gibt Ruth Genner ab. Die Co-Präsidentin der Grünen schwenkt ein Plakat mit der Aufschrift «Merci, Micheline!» und lacht mit vier Freundinnen, die über und über mit Schweizer Kreuzen behängt sind, in die Kameras. Derweil singt der Kinder- und Jugendchor Luzern und Horw «D'Venus vo Bümpliz» und «Alperose». Auch alt FDP-Nationalrat Ernst Mühlemann ist gekommen. «Mit den Frauen konnte ich immer besser politisieren», meint er und setzt sich an einen der langen Holztische am Rande der Wiese.

Plötzlich bricht Hektik aus - die Bundespräsidentin ist da. Um Micheline Calmy-Rey herum bildet sich ein applaudierender Pulk, aus allen Richtungen rufen die Menschen «Micheline!». «Wie ein Rockstar», flüstert ein Vater seiner Tochter zu. Ganz in weiss steht die Bundespräsidentin am Rednerpult. Mehrmals wird ihre Ansprache von Applaus und Begeisterungsschreien unterbrochen. In den Genuss der Hochstimmung kommt auch Nationalratspräsidentin Christine EgerszegiDas ParlamentChristine Egerszegi
FDP, AG
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. Nach der Nationalhymne drängen die meisten zum Aufbruch. Mild scheint die Sonne zum Abstieg, auf dem Urnersee kreuzen weisse Segelschiffe.

Einen Zusammenfassenden Artikel der politischen Aspekte finden Sie hier. Die Reden der einzelnen Bundesräte und mehr Artikel zum 1. August finden sie in der Rubrik Schweiz oder in der Bildstrecke.

(dapd)

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  • Roger am 03.08.2007 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Frauengipfel

    Lustig, CR paroliert gegen Ausgrenzungen und macht eine Clubparty auf dem Rütli!

  • Capra am 03.08.2007 00:59 Report Diesen Beitrag melden

    SVP Betrug

    Also von der SVP Ausschaffungsinitiative fühle ich mich irregeführt und betrogen... Da geht es ja gar nicht um die Ausschaffung der SVP ... gut immerhin ... Mörgeli kann bleiben, er hat bei der Zürcher Müllabfuhr ein zu ihm passendes auf seine Fähigkeiten zugeschnittenes Tätigkeitsfeld gefunden ..

  • Rodney am 02.08.2007 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    @ Ben

    Eine Rückkehr zu Gott braucht die Schweiz nicht. Oder sollen wir jetzt auch aufhören zu verhüten und nur noch Sex haben, wenn wir ein Kind zeugen wollen? Man created god out of fear and ignorance...