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Prognose
26. August 2009 13:54; Akt: 26.08.2009 14:34 Print
Alarmierender Mangel an Gesundheitspersonal
Der Schweiz droht in den kommenden Jahren laut einer Studie der Stiftung Careum ein riesiger Mangel an Gesundheitsfachleuten. Bis zu 200 000 neue Fachleute müssten ausgebildet werden - so viele, wie heute in der Branche arbeiten.

Die Stiftung Careum warnt vor einem massiven Mangel an Gesundheitsfachleuten in den nächsten Jahren. (Bild: Keystone)
Hauptgründe für den Personalmangel sind die Pensionierung jetziger Arbeitskräfte, viele Berufsaussteiger und immer mehr Betagte in der Gesellschaft. Heute sind laut dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) im gesamten Therapie- und Pflegebereich rund 330 000 Personen beschäftigt. Bereits Anfang Jahr hatte das Obsan für 2020 einen zusätzlichen Personalbedarf bis zu 25 Prozent vorausgesagt.
Die Stiftung Careum hat nun zusammen mit dem Obsan die zu erwartende Entwicklung für die anschliessenden zehn Jahre analysiert. Und sie kam zum alarmierenden Schluss: «Die Schweiz muss in den nächsten 20 Jahren bis zu 190 000 neue Arbeitskräfte im Gesundheitswesen rekrutieren».
Drei Hauptursachen
Das sind so viele, wie heute in den drei wichtigsten Sektoren - Spitäler, Langzeitversorgung und Spitex - insgesamt arbeiten. Der dramatisch ansteigende Bedarf hat laut Studie drei Hauptursachen, wie Stiftungsrat Beat Sottas am Mittwoch vor den Medien ausführte.
Die Zahl Betagter und Hochbetagter wird stark zunehmen. Selbst wenn alte Menschen künftig generell gesünder seien, dürften laut Studie für ihre Pflege zusätzlich 50 000 bis 80 000 Fachleute benötigt werden.
Viele heute Beschäftigte werden pensioniert. Heute sind besonders in der Langzeitversorgung - in Alters- und Pflegeheimen sowie in der Spitex - viele Angestellte über 45 Jahre alt. Sie werden in den nächsten 20 Jahren pensioniert. Laut der Studie geht bis 2030 die Hälfte der heute Beschäftigten in Rente - in Heimen und Spitex sind es gar zwei von drei.
Zahlreiche Angestellte mögen nicht mehr. Gerade im Gesundheitswesen lassen sich viele Beschäftigte frühzeitig pensionieren oder steigen überhaupt nach einigen Jahren aus dem Beruf aus. Dazu kommt auch, dass es immer weniger Schulabgängerinnen und Schulabgänger gibt.
Immigranten lösen das Problem nicht
Verschärft wird laut Sottas die Situation noch dadurch, dass bei öffentlichen Anstellungen der Finanzrahmen für Löhne eng sei, dass immer mehr Leute Teilzeitpensen wünschten sowie durch den generellen Spardruck im Gesundheitswesen.
Den drohenden Arbeitskräftemangel mit Immigranten auszugleichen, werde nicht gehen, sagte Sottas: Andere Länder unternähmen grosse Anstrengungen, um ihre Leute zu behalten. Und die Schweiz sei laut der OECD für Arbeitnehmende im Gesundheitswesen nicht mehr so attraktiv wie auch schon.
«Wir brauchen jedes Talent»
Die grosse Herausforderung sei nun, in der gebotenen Zeit die nötige Anzahl geeigneter Personen für eine Ausbildung zu gewinnen und sie dann auch auszubilden, sagte Sottas. Heute könnten in der Schweiz gerade mal 3300 bis 3500 Personen für das Gesundheitswesen ausgebildet werden. Bis 2030 - mache das also maximal 70 000 - viel zu wenig angesichts des progostizierten Fehlens von 190 000.
Laut Christian Schär, Direktor der Careum Bildungszentrums AG, sind «Leute auf allen Niveaus» nötig, von der Attest-Lehre bis zum Hochschulabschluss: «Wir brauchen jedes Talent». Möglichst rasch müsse nun auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene eine neue gesundheitspolitische Strategie erarbeitet werden.
Finanzielle Anreize
Die Gesundheitsberufe seien als attraktive Berufe mit Zukunft und Entwicklungsmöglichkeiten zu präsentieren. Und auch finanzielle Anreize für die Auszubildenden seien gefragt. So müssten etwa Praktika besser entlöhnt werden, könnten sich doch heute viele Interessierte ein Studium gar nicht leisten.
Allenfalls sei eine Verschiebung von Mitteln nötig, sagte Sottas: Heute würden rund 750 Millionen Franken jährlich in die Aus- und Weiterbildung von Medizinern gesteckt, 200-250 Millionen würden für andere Gesundheitsberufe ausgegeben.
(sda/dapd)


























