Verkehrskollaps

19. Januar 2012 17:26; Akt: 19.01.2012 17:26 Print

Der Pannenstreifen als Stau-KillerDer Pannenstreifen als Stau-Killer

von Adrian Müller - Tempo 80 auf Autobahnen soll das Stau-Chaos eindämmen, der Pannenstreifen zusätzlichen Verkehr schlucken. In Lausanne wurde so das Stauproblem gelöst. Der Faktor Mensch bleibt aber das grösste Problem

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12 000 Stunden pro Jahr stehen Schweizer Autofahrer jedes Jahr im Stau, besonders schlimm ist das Verkehrschaos auf der A1 zwischen Lausanne und Winterthur. Das Bundesamt für Strassen (Astra) will nun auf 400 Autobahnkilometern Verkehrsleitsysteme einbauen lassen, welche die Tempolimite bei Bedarf automatisch auf 80 oder 100 km/h festlegen.

Fahren wir bald mit Tempo 80 von Bern nach Zürich? Astra-Sprecher Thomas Rohrbach winkt ab: «Tempo 80 wird nur an neuralgischen Punkten gelten, und meistens nur zu den Stosszeiten.» Durch die temporäre Geschwindigkeitsreduktion werde die Streckenkapazität lokal um über 10 Prozent oder 700 Fahrzeuge pro Stunde gesteigert. «Das kann über Stau oder nicht Stau entscheiden», ist Rohrbach überzeugt.

Berüchtigter Handorgeleffekt

In den Agglomerationen Bern und Zürich sind bereits seit Jahren solche Verkehrsleitsysteme installiert. Die Praxis zeigt: Staus lassen sich bei hohem Verkehrsaufkommen durch gedrosseltes Tempo bis zu einer halben Stunde hinauszögern, aber nicht verhindern. «Das Problem ist nicht die Geschwindigkeit an sich, sondern der Tempounterschied der Autos», sagt Daniel Baumann, Verkehrsingenieur bei der Swisstraffic AG.

Denn die Autolenker selbst bleiben auch bei tiefer Geschwindigkeit ein zentraler Staufaktor: Unkluge Überholmanöver, Drängeleien, abruptes Bremsen lösen laut Baumann einen Handorgeleffekt aus, der sich kilometerweit nach hinten auswirkt und schliesslich zu einer Kolonne führt. «Häufige Spurwechsel stören den Verkehrsfluss am stärksten», sagt der Verkehrsexperte.

Pannenstreifen als Nothilfe

Tiefere Tempi lösen das Stau-Chaos also nicht. Deshalb will das Astra schon bald zwischen Muri und Kirchberg BE sowie im Raum Winterthur die Pannenstreifen als dritte Fahrbahn öffnen. Ein Pilotprojekt zwischen Ecublens und Morges VD ist laut Rohrbach äusserst erfolgreich verlaufen. «Der Verkehrsfluss hat sich stark verbessert, es gibt selbst zu Stosszeiten keine Staus mehr.» Zudem sei die Unfallrate stark gesunken und durch den flüssigeren Verkehr habe sich die Luftqualität verbessert.

Das System funktioniert wie folgt: Werden etwa zu den Stosszeiten mehr als 35 Fahrzeuge pro Kilometer gezählt, öffnet der Operateur in der 24h-Betriebszentrale die dritte Spur, der Verkehr kann dann auf dem Pannenstreifen rollen. «Der Pannenstreifen wird so zum Mehrzweckstreifen», so Rohrbach.
Damit die Zusatzspur aber überhaupt genutzt werden kann, überwachen Kameras, Ultraschallsysteme und Verkehrszähler die Fahrbahn – der Betrieb ist entsprechend teurer als auf normalen Autobahnabschnitten.

Ausbau nicht unumgänglich

Der Pannenstreifen als dritte Fahrspur könnte auf zahlreichen Autobahnabschnitten die akuten Stauprobleme lösen. «Die Kapazität wird so um bis 30 Prozent erhöht, bricht so die Verkehrsspitzen und macht grosse Ausbauten unnötig», sagt Baumann. Wegen des jährlichen Wachstums des Individualverkehrs von rund 2 Prozent reicht dies aber nicht überall aus.

Für Thomas Rohrbach vom Astra ist deshalb klar: «Langfristig kommen wir um einen Vollausbau der neuralgischen Strecken nicht herum.»

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  • Franziska Vetter am 22.01.2012 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger wäre mehr!

    man könnte natürlich auch ganz einfach dem Problem an die Wurzel gehen und versuchen den Pendelverkehr per Auto einzuschränken: Fahrgemeinschaften fördern, lange Arbeitswege umgehen in dem man vermehrt Leute aus der Region einstellt, etc, etc.....

  • Beni Loedmann am 22.01.2012 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Transpörtler in die Pflicht nehmen

    Ich begreifs nicht!!!! Da baut man 4-6 spurige Autobahnen und schaft dan mit Temporeduktionen künstliche Flaschenhälse. Die Transportunternehmer gehören vermehrt in die Pflicht genommen, die teilen Termindruck auf die Fahrere aus, nicht zuletzt müssen auch die Fahrere selber vermehrt an die Kandarre genommen werden. Ich wurde von eine CH-Sattelschlepper, der eigentlich auf 80 km/h plombiert sein sollte in einer Baustelle mit 110 km/h überholt, das kanns dan auch nicht sein, da sollte ein Hebel angesetzt werden !

  • Michael H am 22.01.2012 02:00 Report Diesen Beitrag melden

    Die Linksfahrer sind ja Schuld?

    Also erstmal, ich möchte keine Partei in Schutz nehmen, aber meines Wissens gilt auch auf der linken Spur 120km/h also kann man sich bestenfalls über einen chronischen Linksfahrer aufregen, wenn er die zulässige Höchsgeschwindigkeit nicht einhält, sonst würde man zeitgleich zugeben zu schnell zu fahren und damit sich Strafbar zu machen. PS: wird chronisches Linksfahren nicht eh gebüsst?