Bund finanziert Projekt

21. Januar 2010 08:03; Akt: 21.01.2010 11:40 Print

Fanarbeiter sollen Hooligans zähmenFanarbeiter sollen Hooligans zähmen

von Lukas Mäder - Der Runde Tisch gegen Gewalt im Sport geht neue Wege: Der Bund unterstützt neu die Fanarbeit mit Geld. Der Fussballverband und die SBB sollen sich ebenfalls finanziell beteiligen.

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Fussball-Krawall auf Zürichs Strassen: Am Sonntag, 17. Mai 2009, kommt es nach dem Spiel FCZ gegen FCB beim Bahnhof Zürich-Altstetten zu heftigen Ausschreitungen.

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Bisher wurde der Kampf gegen Hooligans mit repressiven Mitteln wie Alkohol- oder Stadionverboten geführt. Doch jetzt geht der Runde Tisch gegen Gewalt im Sport neue Wege: Die beteiligten Akteure, darunter der Fussballverband und die SBB, wollen in Fussball und Eishockey die Präventionsarbeit mit den Fans stärken. Bereits Geld gesprochen hat der Bund: Er finanziert die Fanarbeit Schweiz 2010 bis 2012 mit insgesamt 110 000 Franken, wie Kurt Henauer vom Bundesamt für Sport Recherchen von 20 Minuten Online bestätigt. Die entsprechende Leistungsvereinbarung sieht unter anderem den Aufbau einer professionellen Geschäftsstelle des Vereins vor. Im Rahmen des Runden Tisches habe sich gezeigt, dass für eine effektive und effiziente Bekämpfung der Gewalt auch die präventive Seite einzubeziehen ist, sagt Henauer. «Mit dieser Leistungsvereinbarung hat der Bund ein Bein in der Fanarbeit und weiss, was abläuft.»

Klare Regelung fehlt derzeit

Die Fanarbeit in der Schweiz fristet derzeit noch ein kümmerliches Dasein. Zwar schreibt die Liga im Fussball und im Eishockey jedem Club einen Fanbeauftragten vor. Dessen Qualifikation und Ressourcen sind aber nicht definiert. Eine professionelle Fanarbeit mit entsprechend ausgebildeten Mitarbeitern haben nur die Clubs in Basel, Luzern, Zürich und Bern, wo sich meist auch die öffentliche Hand finanziell beteiligt. Doch wie unsicher gerade die Finanzierung ist, zeigt Luzern, wo die Stadt ihre Beiträge kürzlich um 45 000 Franken kürzte (20 Minuten berichtete).

Deshalb erarbeitet eine Projektgruppe des Runden Tisches nun ein Konzept zur Fanarbeit. Dieses soll beispielsweise die Details der Finanzierung oder die Anforderung an eine professionelle Fanarbeit regeln, sagt Thomas Gander, Geschäftsleiter der Fanarbeit Schweiz. «In einem ersten Schritt ist es das Ziel, dass jeder Club der höchsten Spielklasse im Eishockey und Fussball ein funktionierendes Modell von Fanarbeit hat, später soll auch die Challenge League beziehungsweise die NLB folgen.» Bis im Sommer soll es verabschiedet werden. Als Vorbild dient Deutschland, wo jeder Club der 1. und 2. Bundesliga eine Fanarbeit-Stelle betreiben muss. Das Geld dafür kommt je zu einem Drittel vom Deutschen Fussball-Bund, dem Bundesland und der Stadt.

Fussballverband und SBB sollen sich beteiligen

Der Schweizerische Fussballverband und die Swiss Football League planen, das Präventionsprojekt mitzufinanzieren. «Wir führen seit einer Weile Gespräche über eine finanzielle Unterstützung für die Fanarbeit Schweiz», sagt Roger Müller von der Football League. Details will er keine nennen, da der Runde Tisch am Freitag noch die letzten Beschlüsse fassen soll. Doch offenbar ist man sich einig: «Die Grösse unseres finanziellen Beitrags ist nicht mehr Gegenstand von Diskussionen», sagt Müller. Vor allem die Organisation des Fanarbeit-Projekts brauche noch die Zustimmung der beteiligten Akteure.

Zu diesen Akteuren gehören auch die SBB, die sich laut Bundesamt für Sport ebenfalls mit Geld beteiligen sollen. Bestätigen mag das SBB-Sprecher Reto Kormann im Hinblick auf den Runden Tisch von Freitag noch nicht. Doch der Wille der Bahn zu handeln, ist da: «Wir wollen nicht weiter zuschauen, wie unsere ungedeckten Kosten ungebremst weiterwachsen», sagt Kormann. Grund für das SBB-Engagement ist der finanzielle Schaden bei Ausschreitungen. Sport-Chaoten verursachen den SBB ungedeckte Kosten von mindestens 2 Millionen Franken pro Jahr.

Nicht finanziell beziffern lassen sich zudem Betriebsstörungen als Folge von Vandalen. Das Präventionsprojekt soll Einsparungen bringen: «Dank der verbesserten Zusammenarbeit mit Fangruppierungen erhoffen sich die SBB eine sichere und pünktliche An- und Rückreise der Fans sowie weniger Schäden an Rollmaterial und Bahnhöfen», sagt Kormann. Und dieses Ziel ist nur zusammen mit den anderen Beteiligten zu erreichen: «Die SBB können nicht isoliert Massnahmen ergreifen, ohne Absprache mit allen Partnern im Umfeld von Sportanlässen.»

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  • Mohn am 24.01.2010 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ein anderer Weg ...

    Ich glaube, dass das Problem besser in den Griff zu bekommen wäre, wenn die "Stars" in der Manege ein Vorbild wären. Sie sollten demonstrieren, dass man im Sport zwar gegeneinander kämpft, aber dass sich Gegner nach dem Spiel respektieren, sich zum Schluss die Hände schütteln, gemeinsam hinausgehen oder ganz einfach vorleben, dass der sportliche Kampf nichts mit einem privaten Kampf zu tun hat. Ich habe früher erlebt, dass sich nach einem Fussball-Match GC gegen FCZ einige Spieler beider Mannschaften in einem (öffentlichen)Lokal trafen und zusammen ein Bier tranken. Das wirkte.

  • Alessandro Grassi am 22.01.2010 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Vor ein paar Jahren war das Problem noch unter den Tisch gekehrt worden. Nun wollen plötzlich alle Initiative ergreifen, sogar die SBB schaltet sich ein. Überall outen sich «Hooligan-Experten», auch hier bei diesen Kommentaren, die ich da lesen muss. Ein paar Fan-Arbeiter einstellen, dann kommt das schon gut.... Haha. Nicht mal 30 Fanarbeiter reichen bei einem Auswärtsspiel aus, um ein Horde Fussballfans (mehr als Tausend bei FCZ, GC und Basel) zu zämen. Die Schnellrichter in St. Gallen haben gezeigt, wie man mit dem Problem umgehen muss. Alles andere ist Populismus vom feinsten. Punkt

    • Scotty am 24.01.2010 11:21 Report Diesen Beitrag melden

      info

      Ich würde mich an Ihrer Stelle mal selber als songenannten "Hooligan Experten" bezeichnen. Das Problem sind Leute wie Sie die nie an einem Fussbalspiel waren und sich Ihre Meinung mit den Printmedien machen...

    • Der exil mensch am 24.01.2010 15:58 Report Diesen Beitrag melden

      fanarbeit????

      Ich habe die erfahrung gemacht das die sozialangestellten fanarbeiter uns die so boesen hooligans aus angst , freikarten erhalten ,sprich die leute wo eigentlich gar nicht karten kommen sollten oder duerfen.

    • Matthias Kohler am 24.01.2010 19:56 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt so nicht

      Beantwoten Sie mir diese beiden Fragen: Ist das Problem mit gewaltätigen Fussballfans in St.Gallen nun gelöst? Gibt es nun keine (ider weniger) Krawalle mehr in St.Gallen? Wie Sie sehen, bringt ein Schnellrichter viellecht Ihrem Gerechtigkeitsverständnis eine gewisse Befriedigung. Ein Problem wird damit allerdings nicht gelöst.

    • "Hooligan- Experte"paedu am 25.01.2010 16:56 Report Diesen Beitrag melden

      @Grassi

      Die Schnellrichterurteile greifen die Medien gerne auf(woher sie offenbar auch ausschliesslich Ihre Infos beziehen),aber ist die Gewalt gesunken?Nicht wirklich.

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  • paedu am 22.01.2010 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Machen wir uns nichts vor

    Man kann das Hooliganproblem nicht lösen,sondern nur eindämmen(wozu Fanarbeiter durchaus mitwirken können).Zusätzlich braucht es gut ausgebildete Polizisten,welche verhältnismässig reagiert.Mir ist als regelmässiger Besucher von Auswärtsspielen aufgefallen,dass dies häufig nicht der Fall war und dass genau diese Tatsache häufig zu einer Eskalation der Gewalt beigetragen hat.Wenn man diese zwei Punkte beachtet,werden wir bald eine spürbare Verbesserung der Situation haben.

    • Papa Moll am 22.01.2010 16:32 Report Diesen Beitrag melden

      Guter Beitrag

      Bravo, genau so kann es besser werden.

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