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Kirche
19. März 2010 14:56; Akt: 22.03.2010 14:59 Print
Immer mehr Missbrauchs-Fälle
Das Bistum Chur untersucht aktuell rund zehn weitere Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch. Betroffen sind die Kantone Zürich, Graubünden und Schwyz. Auch im Kloster Einsiedeln ereigneten sich Übergriffe.
Die Hinweise hat das Bistum Chur von Opfern, ihren Angehörigen und von Drittpersonen erhalten, erklärte Bischofsvikar Christoph Casetti. Zum Teil lägen die Vorkommnisse schon Jahrzehnte zurück.
In einem der Fälle, die das Bistum Chur nun untersucht, sei der Täter bereits verstorben. In einem anderen Fall zeigte das Bistum zusammen mit dem Opfer den Täter an. «Ich weiss aber nicht von allen Vorfällen», räumte der Bischofsvikar ein.
Weitere Meldungen nach Fall Schübelbach
Zwei der Fälle sind erst bekannt geworden, nachdem die Missbrauchsgeschichte des Paters von Schübelbach ans Tageslicht kam. Dieser hatte anfangs Woche demissioniert, nachdem Vorwürfe über sexuelle Missbräuche dem Bistum gemeldet worden waren.
Der Pater soll im österreichischen Vorarlberg in Mehrerau bei Bregenz und im deutschen Birnau in den 1960er und 1970er Jahren mehrere Ministranten missbraucht haben.
Im Bistum Chur verschaffe man sich nun einen Überblick über die Vorkommnisse der letzten 50 Jahre, erklärte Casetti. Er ist seit 1982 Bischofsvikar. In dieser Funktion habe er von rund einem halben Dutzend Übergriffe Kenntnis erhalten.
Auch in Einsiedeln mehrere Fälle
Im Kloster Einsiedeln ist es seit den 70-er Jahren ebenfalls zu sexuellen Übergriffen auf Schüler gekommen. Insgesamt haben sich fünf Klosterbrüder Verfehlungen zuschulden kommen lassen, wie das Kloster am Freitag in einer Reaktion auf Enthüllungen von «Schweiz aktuell» des Schweizer Fernsehens schreibt.
Nicht alle Verfehlungen seien in der Stiftsschule erfolgt, heisst es in der Mitteilung. In keinem Fall sei eine Strafanzeige eingereicht worden, «weil entweder die Opfer darauf verzichtet haben oder die damals beigezogenen externen Experten die Handlungen als nicht strafrelevant betrachteten».
Die fünf Klosterbrüder lebten weiterhin in der Klostergemeinschaft. «Aber keiner von ihnen ist mehr an der Klosterschule tätig, und andere waren nie als Lehrer an der Schule tätig.» Weitere Einzelheiten waren nicht erhältlich.
Im Archiv fündig geworden
Im Fall des Paters von Schübelbach wurde das Bistum Chur bei dessen Anstellung 1992 laut Casetti nicht informiert. Dies im Gegensatz zum Bistum Basel, wo der Pater von 1971 bis 1987 tätig war und obwohl die Churer abklärende Gespräche mit den Mehrerauern führten. «Hätten wir von seinen Taten gewusst, wir hätten ihn nicht angestellt», betont Casetti.
Das Bistum Basel hatte am Freitag publik gemacht, dass es in seinen Archiven Teile der Vorgeschichte des besagten Paters gefunden habe. Als der Pater in ihren Dienst übernommen wurde, «wussten die Verantwortlichen des Bistums Basel offenbar, dass er die vorherigen Einsatzorte wegen unerlaubter sexueller Handlungen hatte verlassen müssen», schrieb das Bistum Basel. Tätig war der Pater in der Pfarrei Baden AG.
In Absprache mit dem Ordensvorgesetzten «wurde dem Einsatz unter folgenden Auflagen zugestimmt: ärztliche Behandlung und Begleitung durch den zuständigen Pfarrer».
«Unvertretbare Fehleinschätzung»
«Bis zum jetzigen Zeitpunkt» hat die Bistumsleitung keinerlei Kenntnis pädophiler Handlungen durch den Pater während seiner Zeit im Bistum Basel. Dennoch: «Die Umstände seiner Anstellung müssen aus heutiger Sicht als unvertretbare Fehleinschätzung bezeichnet werden».
1987 wurde der Pater in sein Kloster zurückberufen und 1992 zum Pfarr-Adminstrator in Schübelbach ernannt. Nach dem Abgang des Paters aus dem Bistum Basel, habe es den weiteren Berufsweg des Paters nicht verfolgt. Und: «Aus der Akte geht auch nicht hervor, dass in späteren Jahren Anfragen von anderen kirchlichen oder staatskirchenrechtlichen Instanzen erfolgt wären.»
Das Bistum Basel zeigt sich in seiner Medienmitteilung vom Freitag selbstkritisch: «Bedauerlicherweise passt das Vorgehen ins Gesamtbild der damaligen Zeit, in welcher nicht nur, aber auch in der katholischen Kirche registrierte Täter im Amt bleiben konnten: ein entsprechendes Beziehungsnetz, der Missbrauch von Autorität oder direkte Vertuschung machten es möglich.»
(sda)


























