Missbrauchsfälle

21. März 2010 08:40; Akt: 22.03.2010 14:55 Print

Pädo-Priester sollen auf schwarze ListePädo-Priester sollen auf schwarze Liste

Während die Schweizerische Bischofskonferenz im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen in der Kirche keinen Handlungsbedarf sieht, mehrt sich andernorts der Ruf nach einem zentralen Register für pädophile Geistliche.

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Nach Bekanntwerden neuer Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche fordert der Einsiedler Abt Martin Werlen mehr Kontrolle. In Rom müsse eine zentrale Stelle geschaffen werden, wo Kirchenleute, die angezeigt wurden, registriert sind. «Bei einem Stellenwechsel in eine andere Diözese wo auch immer auf der Welt könnte sich ein Bischof erkundigen, ob etwas Gravierendes vorliegt», sagte er im Interview mit dem «SonntagsBlick». Versetzungen von Priestern geschähen nicht nur innerhalb eines Landes, sagte Werlen zudem gegenüber der «SonntagsZeitung».

Werlen will seinen Vorschlag der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK) vortragen. Er schlägt eine ausserordentliche Sitzung vor, weil mit diesem Entscheid nicht bis zur nächsten ordentlichen Sitzung im Juni gewartet werden könne.

CVP und Generalvikar dafür

Auch die CVP fordert eine schwarze Liste für pädophile Priester. «Wer Kinder missbraucht, darf nicht mehr mit Kindern arbeiten», forderte CVP-Präsident Christophe DarbellayDas ParlamentChristophe Darbellay
CVP, VS
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im «Sonntag». Gegenüber Pädophilen müsse «ein Berufsverbot» verhängt werden. Auch CVP-Vizepräsidentin Ida Glanzmann will ein zentrales Melderegister für fehlbare Priester: «Jetzt braucht es eine schwarze Liste.» Damit soll sichergestellt werden, dass pädophile Priester von Kindern ferngehalten werden.

Eine solche Liste für Pädophile gibt es bereits an den Schweizer Schulen. Seit zwei Jahren müssen die Kantone der Eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) melden, wenn Lehrer wegen Pädophilie verurteilt wurden. Ein Eintrag in das zentrale Melderegister ist mit einem Berufsverbot verbunden. Roland-Bernhard Trauffer, Generalvikar des Bistums Basel, unterstützt den CVP-Vorschlag in einem Interview mit dem «Sonntag»: «Persönlich wäre ich einverstanden, wenn Übergriffe vermieden werden können», so Trauffer

Bischöfe wollen nicht handeln

Die SBK sieht vorerst keinen Handlungsbedarf. Der am Samstag vom Papst veröffentlichte Hirtenbrief zum sexuellen Missbrauch in der irischen Kirche bestätige die Richtlinien, welche die Kirche für Fälle des sexuellen Missbrauchs 2002 aufgestellt habe, sagte SBK-Sprecher Walter MüllerDas ParlamentWalter Müller
FDP, SG
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am Samstag.

Präsident Norbert Brunner äusserte in der NZZ am Sonntag» zwar «echtes Bedauern», bekräftigte aber die Haltung der SBK: «Es ist Aufgabe eines jeden Bistums, zu prüfen, ob eine Person den fachlichen und moralischen Ansprüchen entspricht, bevor sie eingestellt wird.» So will die Kirche Missbrauchsfälle weiterhin nicht automatisch zur Anzeige bringen. Eine Regelung, die der Oberstaatsanwalt des Kantons Zürich, Andreas Brunner, in der «NZZ am Sonntag» kritisiert. Ohne Anzeigen seien den Untersuchungsbehörden die Hände gebunden, sagt er.

(jcg/sda)