Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Ständerat
18. März 2010 19:12; Akt: 18.03.2010 20:26 Print
Parlament schiesst Killergames ab
von Lukas Mäder, Bern - Der Bundesrat muss Killergames verbieten. Das hat der Ständerat beschlossen. Die Umsetzung ist noch unklar.
-
Killerspiele im Ständerat: «Verbot bringt Umdenken bei der Game-Industrie»
-
Bundesrat soll handeln: Verbot von Killerspielen bringt keine Lösung
-
«Jugend und Gewalt»: Killerspiele sollen verboten werden
-
Einkaufsführer: Games bewusst schenken statt verbieten
-
Pro Juventute: Menschenrechte sollen auch in Killergames gelten
Liebhaber von brutalen Computergames haben ausgespielt: Der Ständerat hat beschlossen, sogenannte Killerspiele zu verbieten. Der Bundesrat muss nun ein entsprechendes Gesetz ausarbeiten. Mit 19 zu 12 Stimmen fiel der Entscheid zugunsten der Motion Allemann weniger klar aus, als erwartet. Rund ein Drittel der Ständeräte waren wegen der vorgerückten Stunde schon abwesend, als die Abstimmung kurz vor 19 Uhr stattfand. Ebenfalls angenommen hat die Kleine Kammer die Motion Hochreutener, die mehr Jugendschutz verlangt.
Umsetzung der Motion
Wie eine Regelung aussehen könnte, die der Bundesrat nun ausarbeiten muss, ist noch unklar. Im Interview mit 20 Minuten Online äusserte sich die Motionärin, SP-Nationalrätin Evi Allemann, dazu, wie ihr Vorstoss umgesetzt werden könnte. Ein absolutes Verbot soll nur für rund ein Dutzend von Computerspielen gelten. Bei den übrigen Games soll eine unabhängige nationale Zertifizierungsstelle festlegen, ab welchem Alter das Spiel gekauft werden darf. Allemann erhofft sich von einem Verbot, dass die Game-Industrie längerfristig umdenkt und andere Arten von Computerspielen entwickelt.
Lesen Sie hier das ganze Interview.
Die kurze Diskussion über die beiden Vorstösse machte klar, dass der Ständerat in erster Linie einen generellen Handlungs- und Regelungsbedarf sieht. «Das Wie ist eine andere Frage», sagte Hermann Bürgi (SVP/TG), Präsident der Rechtskommission. Die Frage des Verkaufs und der Nutzung müsse genauer studiert werden. Aber die Kommission habe grosse Vorbehalte gegenüber einem absoluten Verbot, wie es die Motion Allemann fordert, so Bürgi. Insbesondere gebe es Zweifel, ob ein solches Verbot überhaupt umsetzbar wäre. «Wir sind der Meinung, man müsse hier nicht buchstabengetreu vorgehen», sagte Bürgi. Es gehe um die Stossrichtung.
Verfassungsänderung nötig
Das sah Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf anders: «Eine Motion enthält einen klaren Auftrag und ist nicht für Abklärungen da.» Der Bundesrat habe das Problem erkannt und Arbeitsgruppen eingesetzt. Zuerst solle aber die Arbeit der Kantone im Bereich Jugendschutz abgewartet werden, forderte Widmer-Schlumpf. Denn das sei Aufgabe der Kantone. Deshalb brauche es auch eine Verfassungsänderung zur Einrichtung einer nationalen Zertifizierungsstelle.
Neben dem Bundesrat setzte sich auch Anne Seydoux (CVP/JU) gegen ein absolutes Verbot ein. Kein Land in der EU habe ein absolutes Verbot, sagte sie. Viel wichtiger sei die Information der Käufer und Eltern. Zudem stellt sich für Seydoux die Frage der Gleichbehandlung von Computerspielen und beispielsweise Filmen. Darin widersprach ihr Géraldine SavaryDas Parlament
Géraldine Savary
SP, VD
auf MerklisteDetails (SP/VD): Computerspiele seien nicht mit Filmen oder Fernsehen vergleichbar. Und auch Bürgi zeigte sich erstaunt, dass sich verschiedene Seiten so äusserten, als wäre der Konsum von Gewaltdarstellungen unproblematisch. Es müssten vielmehr Schranken gesetzt werden.
Ist die Haltung eine Generationenfrage?
Der Ständerat thematisierte auch die Generationenfrage. In Briefen war ihm vorgeworfen worden, dass er Mühe habe der Entwicklungen in der Informatik zu folgen beziehungsweise dass er ein Unbehagen gegenüber solchen Spielen habe. Es sei nicht eine Frage des Alters, sondern welche Darstellungen von Gewalt noch hinzunehmen sind, sagte Bürgi. Und Ivo BischofbergerDas Parlament
Ivo Bischofberger
CVP, AI
auf MerklisteDetails (CVP/AI) zeigte sich überzeugt, dass Jugendliche Grenzen suchten, um sich daran zu reiben. Es sei die Pflicht, Rahmenbedingungen zum Schutz labiler junger Menschen zu setzen.
Dass ein Verbot nichts zum Jugendschutz beitrage, meinten im Vorfeld der Debatte allerdings nicht nur Junge wie beispielsweise die Jungparteien. Vielmehr sprachen sich auch die Experten gegen ein generelles Verbot aus. Die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen forderten stattdessen einen verstärkten Jugendmedienschutz. Und auch Pro Juventute wollte keine Verbote, sondern Regeln sowie eine Förderung der Medienkompetenz. «Die Probleme der Jugendgewalt werden mit ‹Killergame-Verboten› nicht ansatzweise gelöst.»
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
-
Alle 815 Kommentare




























aufwachen und handeln
irgendwo müssen wir anfangen. das verbot so genannter killerspiele gehört dazu und soll unbedingt umgesetzt werden. es braucht wort und tat. weshalb hat der bund bisher eigentlich nicht gehandelt? aufwachen, jetzt...
Amok Spiele
Naja, wenn killergames verboten werden, dann müssten sämtliche killernachrichten/Filme etc. verboten werden. Wenn ein Mensch von Millionen Menschen amok läuft dann sind sofort die Killergames schuld. Aber von Familiären problemen steht nichts. Jeder der Halloween Uncut gesehen hatt, und solche fälle gibt es, weiss dass Killergames überhaupt nichts mit Amok läufe im Zusammenhang gibt, sondern das Familiäre/Soziale Umfeld schuld daran hatt. Wie lange musste dann Georg Bush Killergames gezockt haben, bis er in den Irak einzog ??? Ich Spiele gerne wie von den Poliker betitelte "Amok spiele".
Peinlich
Diese Politiker haben wahrscheinlich noch nicht einmal ein "Killergame" von Nahem gesehen! Geschweige denn überhaupt gespielt! Vermutlich haben sie ihre Informationen aus der Boulevardpresse oder von Hobbypsychologen erhalten. Danach noch andere Personen manipulieren und voila, schön ein neues Verbot.
Typisch SP
Das ist wieder mal typisch SP! Einen auf links machen und alles Zensieren. Mir ist kein Amoklauf bekannt der mit "Killergames" in Verbindung gebracht werden kann, denn noch sollen diese Verboten werden. Es ist ja auch nicht Verboten schnelle Autos zu kaufen weil man damit rasen kann, obwohl die deutlich mehr Opfer fordert. Besser wäre es die Kontrollen in den Warenhäusern zu intensiviere den es gibt nichts einfacheres als mit 12 Jahren Spiele und DVD`s ohne Jugendfreigabe zu kaufen. Der aufwand wäre wohl kaum grösser, als der einer Zertifizieerungsstelle.