08. Dezember 2007 13:36; Akt: 08.12.2007 14:26 Print

Hohes Krebs-Risiko bei AtomkraftwerkenHohes Krebs-Risiko bei Atomkraftwerken

Familien in Nähe von Atomkraftwerken aufgepasst: Das Risiko für Kinder an Leukämie zu erkranken nimmt zu, je näher ihr Wohnort an einem Kernkraftwerk liegt. Überraschend: An der Strahlung liegts kaum.

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Das geht aus einer Studie hervor, die im Auftrag des deutschen Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) durchgeführt wurde.

Die Untersuchung wurde von der Mainzer Professorin Maria Blettner geleitet und von einem vom BfS eingesetzten zwölfköpfigen Expertengremium begleitet. Sie umfasste 1592 an einem Krebs erkrankte Kinder und 4735 nicht erkrankte Kinder als Kontrollgruppe. Untersucht wurden 41 Landkreise in der Umgebung der 16 Standorte der Kernkraftwerke.

Im Umkreis von fünf Kilometern um die Reaktoren wurde für den Zeitraum von 1980 bis 2003 ermittelt, dass 77 Kinder an Krebs erkrankten, davon 37 Kinder an Leukämie. Im statistischen Durchschnitt wären 48 Krebserkrankungen beziehungsweise 17 Leukämiefälle zu erwarten.

Der Studie zufolge gibt es also zusätzlich 1,2 Krebs- oder 0,8 Leukämieerkrankungen pro Jahr in der näheren Umgebung von allen 16 untersuchten Standorten der Atomkraftwerke.

Klarer Zusammenhang

Die «Süddeutsche Zeitung», welche die Studie bekannt machte, berichtete in ihrer Samstagsausgabe, dass die Forscher der Universität Mainz einen klaren Zusammenhang zwischen Nähe des Wohnorts zu Atomkraftwerken und den Häufigkeit von Krebserkrankungen herstellen.

Das Blatt zitiert die Forscher mit der Aussage: «Unsere Studie hat bestätigt, dass in Deutschland ein Zusammenhang zwischen der Nähe der Wohnung zum nächstgelegenen Kernkraftwerk zum Zeitpunkt der Diagnose und dem Risiko, vor dem fünften Geburtstag an Krebs (beziehungsweise Leukämie) zu erkranken, beobachtet wird.»

Umweltminister will mehr wissen

Der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel beauftragte die Strahlenschutzkommission, Ergebnisse und Konzept der Studie sowie Ursachenzusammenhänge zu bewerten. Erst danach werde das Ministerium über das weitere Vorgehen entscheiden.

Zur Begründung verwies der Ministerin Berlin darauf, dass bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse «nicht im Einklang» mit Folgerungen aus der Studie stünden. Ein solcher Anstieg könne nicht durch die Strahlenbelastung aus einem Atomkraftwerk erklärt werden, teilte Gabriel mit.

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer forderte die beschleunigte Abschaltung der ältesten Atomkraftwerke. Es seien zwar noch nicht alle Fragen beantwortet, dennoch handle völlig verantwortungslos, wer für einen längeren Betrieb von Atomkraftwerken oder gar den Neubau eintrete.

(sda)