Kreationisten-Initiative

05. März 2009 23:20; Akt: 06.03.2009 00:20 Print

Adam und Eva im Bio-Unterricht?Adam und Eva im Bio-Unterricht?

von Désirée Pomper - Schweizer Kreationisten lancieren eine Volksinitiative: Die biblische Schöpfungslehre soll gleichberechtigt mit der Evolutionstheorie im Biologie- Unterricht gelehrt werden.

Bildstrecke im Grossformat »
Grundlage jeden Kreationismus ist die Annahme, dass die Welt erschaffen wurde. Dieser Glaube an die Schöpfung spielt in den meisten Religionen eine zentrale Rolle. Auch im Islam gibt es kreationistische Strömungen, die nur eine wörtliche Auslegung des Koran akzeptieren. Im Übrigen beschränken wir uns hier jedoch auf die christlich inspirierten Spielarten des Kreationismus. Zwar müssen sich Evolutionstheorie und kreationistisches Weltbild nicht unbedingt fundamental widersprechen. Dennoch wird die wissenschaftlich anerkannte Theorie von vielen Kreationisten erbittert bekämpft. Extrem wörtlich nehmen die «Flach-Erdler» die Heilige Schrift. Da dort von den «vier Ecken der Welt» die Rede ist, glauben sie an eine flache Erde. Kaum weniger radikal sind jene, die — ebenfalls unter Berufung auf die Bibel — daran glauben, dass die Sonne um die Erde kreist. Beide heute nur noch selten vorgebrachten Thesen fussen auf dem Weltbild der alten Israeliten. Eine weitere Gruppe von Kreationisten glaubt, dass die Erde vor 6000 bis Jahren in sechs Tagen erschaffen wurde. Zahlreiche geologische Phänomene erklären sie mit der Sintflut. Das Alter der Erde berechnen sie aus Angaben aus der Bibel. Immerhin akzeptieren sie aber eine kugelförmige Erde und ein heliozentrisches Modell des Sonnensystems. Die Omphalos-Theorie nimmt ebenfalls an, dass die Welt erst vor ein paar tausend Jahren erschaffen wurde. Aus irgendeinem Grund hat der Schöpfer ihr aber den Anschein gegeben, als sei sie Millionen Jahre alt. Manche Kreationisten glauben, dass die Erde zwar so alt ist, wie die Wissenschaft postuliert, der Schöpfer aber das Leben erst nach einer langen Pause in sechs Tagen schuf. Wieder andere glauben, jeder der sechs Tage der Schöpfung entspreche Tausenden von irdischen Jahren. Progressive Kreationisten akzeptieren praktisch die gesamte wissenschaftliche Kosmologie inklusive Urknall. Hingegen lehnen sie die Evolutionstheorie ab und glauben, der Schöpfer habe alle Spezies nacheinander erschaffen. Unter dem Label «Intelligent Design» (ID) versuchen Kreationisten unterschiedlicher Couleur, den Schöpfungsgedanken erneut in den Biologieunterricht zu schmuggeln. Der Trick dabei: Es wird kein expliziter Schöpfer mehr genannt. ID behauptet, verkürzt gesagt, die Komplexität des Lebens könne nicht spontan entstanden sein. Dahinter stecke ein intelligentes Design, somit ein Designer. Es bleibt die Frage: Wer designte den Designer? Anhänger einer Theistischen Evolution gehen davon aus, dass der Schöpfer die Welt durch Evolution erschaffen hat, wobei das Ausmass seiner Eingriffe je nach Standpunkt variiert. Der Papst und die gemässigten Protestanten hängen dieser Glaubensrichtung an. Sie akzeptiert die meisten wissenschaftlichen Erkenntnisse und zieht Gott für Dinge wie zum Beispiel die Erschaffung der menschlichen Seele heran. Für jene Anhänger einer Materialistischen Evolution, die nicht atheistisch sind, hat ein Schöpfer die Welt erschaffen, mischt sich seither aber nicht mehr in seine Schöpfung ein.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Ausgerechnet im Darwin-Jahr bereitet der Verein ProGenesis eine Volks­initiative vor, die einen «wertneu­tralen» Unterricht an öffentlichen Schulen verlangt. «Wir sind dagegen, dass die Schulen unsere Kinder zu Atheisten erzieht», bestätigt ProGenesis-Präsident Gian Luca Carigiet einen Bericht des «Beobachters». Carigiet kritisiert, dass in den Schulbüchern die Evolutionstheorie als Tatsache dargestellt werde, obwohl dies «wissenschaftlich falsch» sei. Deshalb gehöre auch die Schöpfungslehre auf den Schulplan.

«Das ist Amerika live», sagt SP-Nationalrat Hans Widmer. «Völlig lächerlich» findet den Vorschlag auch CVP-Sprecherin Marianne Binder: Die Schöpfungsgeschichte gehöre in den Religionsunterricht, könne aber niemals als Pendant zur Wissenschaft betrachtet werden.

Rückhalt erhält ProGenesis von der EDU: «Die Kinder sollen zwischen beiden Theorien entscheiden können», sagt Nationalrat Christian Waber. Unterschreiben würde die ­Initiative auch SVP-Nationalrat Hans Fehr. «Wir sind schliesslich ein christliches Land», sagt Fehr. Ausserdem müsse man der schleichenden Islamisierung Paroli bieten.