Verhaltensforschung

19. Oktober 2009 15:11; Akt: 19.10.2009 15:56 Print

Unzufriedene Schafe wackeln mit den OhrenUnzufriedene Schafe wackeln mit den Ohren

Schweizer Forscher haben herausgefunden, wie sich die Gefühlslage von Schafen abschätzen lässt: Gestresste, unzufriedene Tiere wackeln häufiger mit den Ohren und haben ihre Augen weiter offen als zufriedene.

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Die Forscher der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) untersuchten die Reaktion von insgesamt 15 Schafen auf Situationen, in denen sie sich offensichtlich wohl, neutral oder unwohl fühlten: Die Tiere wurden entweder gekrault, standen im Fressbereich ihres Stalls oder waren von ihren Artgenossen getrennt worden.

Um die positiven von den negativen Emotionen zu unterscheiden, erhoben die Forscher physiologische und Verhaltensdaten. «Wir haben sowohl bei Verhaltensbeobachtungen als auch für physiologische Masse Unterschiede gefunden», sagt Nadine Reefmann, die Erstautorin der im Fachmagazin «Animal Behaviour» erschienenen Studie.

Ohrenwackeln im Sekundentakt

Den deutlichsten Verhaltensunterschied fanden die Forscher vom Zentrum für tiergerechte Haltung in den Bewegungen der Ohren: Von ihrer Herde getrennte Tiere veränderten besonders häufig, fast im Sekundentakt, ihre Ohrstellung. Liebkoste Schafe und solche, die fressen durften, wackelten dagegen kaum mit den Ohren.

Dafür hatten die zufriedenen Schafe ihre Ohren häufiger in einer mittigen Stellung, rechtwinklig zur Kopf-Rumpf-Achse. Bei der einen untersuchten Schafrasse, dem Lacaune-Schaf, könne man auch passiv hängende Ohren beobachten, sagte Reefmann. Bei der anderen Rasse, dem Schweizerischen Alpenschaf, das keine Hängeohren hat, sei dies schwieriger zu sehen.

Auch die Augen scheinen laut der Studie brauchbare Hinweise auf das Wohlbefinden von Schafen zu geben: Die von ihrer Gruppe separierten Tiere hatten die Augen weiter geöffnet als jene im Fressbereich des Stalls oder die gestreichelten. Zufriedene Schafe hatten zudem eine niedrigere Herzfrequenz und schwitzten weniger.

Hinweise auf Krankheit?

Theoretisch sei es also möglich, dass Tierhalter allein aufgrund von Beobachtungen herausfinden könnten, wie es ihren Schafen gehe - zumindest in Situationen, wie sie in der Studie verwendet wurden, sagte Reefmann. Vor allem die Ohrstellungen könne ein Tierhalter sehr einfach beobachten.

Bei den Augen brauche es wohl etwas mehr Erfahrung. Der Halter müsse sie sehr genau beobachten, da sie relativ klein seien und die absoluten Unterschiede nicht sehr gross. Auch bei den Ohren brauche es aber noch mehr Forschung: So sei noch unklar, ob deren Bewegungen auch über den Gesundheitszustand der Schafe Aufschluss geben könnten.

Detaillierte Verhaltensmerkmale als Indikatoren für Emotionen bei Tieren seien insgesamt noch wenig untersucht, sagte die Forscherin, die heute an der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften in Uppsala arbeitet. Bisher habe sich die Wissenschaft meist auf physiologische Merkmale in negativen Situationen beschränkt, Indikatoren für positive Emotionen würden erst seit kurzem erforscht.

(sda)