Lawinen-Experiment

14. Januar 2010 20:59; Akt: 14.01.2010 20:59 Print

«Widerwärtiger Tierversuch» gestoppt«Widerwärtiger Tierversuch» gestoppt

Wissenschafter verschütten 29 Schweine in Schneemassen und beobachten sie beim langsamen Ersticken und Erfrieren: Dieser Tierversuch im Tiroler Ötztal hat in Österreich für Entsetzen gesorgt. Jetzt zeigten die Proteste Wirkung: Das Experiment wurde gestoppt.

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Man könne unter diesen Umständen nicht weiter arbeiten, sagte Studienleiter Peter Paal von der Medizinischen Universität Innsbruck der Deutschen Presse-Agentur dpa. Ob der Versuch fortgeführt werde, sei unklar. Nach Angaben des Forschers starben beim am Dienstag gestarteten und am Donnerstagabend abgebrochenen Versuch bisher zehn Tiere. Vom Experiment erhofften sich die Wissenschafter Informationen über die Umstände des Todes in Lawinen.

«Unfassbar» und «widerwärtig»

Als «unfassbar», «unethisch» oder «widerwärtig» hatten Tierschutzverbände und Parteien die am Donnerstag bekanntgewordene Aktion bezeichnet und ihren Stopp gefordert. Selbst das Land Tirol und die österreichische Bergrettung distanzierten sich.

Der Versuch diene nur der Profilierung von Wissenschaftern, das Geld könne zielführender für Lawinensuchgeräte und die Aufklärung von Wintersportlern verwendet werden. Wodurch Menschen bei Lawinen sterben und wie lange das dauert, sei wohlbekannt, kritisierte die Organisation «Vier Pfoten».

Nach dem Versuchsablauf sollten noch etwa zwei Wochen lang jeden Tag zwei bis drei Schweine im Ötztal in einer simulierten Lawine eingegraben werden. Die Schweine werden dafür betäubt und an Geräte angeschlossen.

Je nach Grösse der Atemhöhle verfolgen die Wissenschaftler über Minuten oder Stunden das Ersticken der Tiere. Andere Schweine werden nur bis zum Kopf im Schnee vergraben und erfrieren. Danach zerteilen die Forscher die Tiere und nehmen Gewebeproben. Die Forscher gaben schliesslich dem öffentlichen Druck nach. Inzwischen seien bereits Tierschützer am Versuchsort eingetroffen, sagte Paal.

Forscher: Wissenschaftlich sinnvoll

Mit dem Versuch wolle man wichtige Erkenntnisse über die Überlebenschancen von Opfern in Lawinen erlangen: «In der dramatischen Situation nach einer Bergung können Notärzte somit besser beurteilen, ob und für welche Opfer reelle Überlebenschancen bestehen», teilte die Medizin-Uni mit.

Das Zusammenwirken von Kälte und Sauerstoffmangel, dem im Schnee Verschüttete ausgesetzt sind, könne nur am lebenden Organismus getestet werden, so Paal.

Das Wissenschaftsministerium, das den Versuch genehmigt hatte, verteidigte den Entscheid. Es sei sichergestellt worden, dass der Versuch wissenschaftlich sinnvoll sei, es keine andere Erforschungsmöglichkeit gebe und die kleinstmögliche Zahl von Tieren zu Schaden käme, sagte eine Sprecherin. Die Schweine seien bereits im Stall betäubt worden und hätten nichts mehr mitbekommen.

(dapd)

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  • Ilse Unger am 30.01.2010 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Widerwärtiger Tierversuch gestoppt

    Es ist unglaublich, aber diese unsinningen Tierversuche werden damit begründet, dass man wissen möchte, welche Lawinenopfer letztendlich eine "reelle Chanche auf Überleben" haben und welche nicht. Dahinter steht doch, dass im Vorfeld ausgelotet wird, wem Rettung zusteht und wem nicht. So wie sich jetzt Wissenschaftler anmaßen über Leben und Tod von Tieren zu entscheiden, so soll man dann im Vorfeld entscheiden, welcher Verunglückte aufgrund dieser Forschungen rettungswürdig ist, und welcher nicht. Hoffentlich werden diese Versuche verboten, denn Tierschutz bedeutet hier auch Menschenschutz!

  • Petra Chevalier am 27.01.2010 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wider Mal typisch "Mensch"!

    Kurz gesagt: Es ist einfach widerlich!! Tiere sind nicht auf der Welt damit der Mensch sie quält. - Schon garnicht, wenn es uns "Mensch" garnichts bringt.

  • Hans Hoeting am 16.01.2010 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ehrfurch vor dem Leben

    Tierversuche werden nicht völlig vermeidbar sein,doch sollte jeder Wissenschaftler sich stets sehr genau überlegen,welche unvermeidbare, unverzichtbare Notwendigkeit und welches unstrittig zu erreichbares Ziel zum Wohle des Menschen es rechzfertigt, ein Tier für wissenschaftliches Eperiment zu ofern undTiere haben ein Lebensrecht und wir sind zu deren Schutz nichaufgerufen. Was wir den Tieren zu Unrecht antun, kommt auf uns als Konsequenz auf gleicher Ebene zurück. Daraus leitet sich die Ehrfurcht vor dem leben ab. Wenn wir sie für uns einfordern, warum machen wir sie dann den Tieren strittig