11. September 2007 14:48; Akt: 20.04.2008 20:25 Print

«Deutschblütig und erbtüchtig»«Deutschblütig und erbtüchtig»

von Daniel Huber - Die deutsche Ex-Nachrichtenmoderatorin Eva Herman lobte die Wertschätzung, die im Dritten Reich den Müttern entgegengebracht wurde. Aber wie sah es zu Hitlers Zeiten wirklich aus, mit Mutterverdiensten und Frauenbild?

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Auf den ersten Blick scheint die Familienpolitik einer jener Bereiche zu sein, in denen das Nazi-Regime sich sozial gebärdete. Dies hat wohl auch die ehemalige NDR-Moderatorin Eva Herman dazu verleitet, die Wertschätzung zu preisen, die den Müttern im Dritten Reich entgegengebracht worden sei. Herman entschuldigte sich kurz darauf, aber es war bereits zu spät: Nach einem Sturm der Entrüstung zog der NDR die Notbremse und entliess die blonde Frontfrau.

Gold ab acht Kindern

In der Tat, die Nazis brachten der Frau viel Wertschätzung entgegen - falls sie arisch, gesund und gebärfreudig war. Ausdruck solcher Wertschätzung war zum Beispiel das «Ehrenkreuz der deutschen Mutter», das kinderreichen Frauen im Deutschen Reich ab 1938 verliehen wurde. Die Auszeichnung, die den Müttern für ihren Einsatz von «Leib und Leben» bei der Geburt und Kinderaufzucht verliehen wurde, gab es in drei Ausführungen: Stufe 3 in Bronze ab vier Kindern, Stufe 2 in Silber ab sechs Kindern und Stufe 1 in Gold ab acht Kindern.

Bevorzugte Behandlung

Das Ehrenzeichen, kurz «Mutterkreuz» genannt, trug die Aufschrift «Der Deutschen Mutter» sowie «Das Kind adelt die Mutter». Es wurde alljährlich am Muttertag durch den Ortsgruppenleiter verliehen und verschaffte der Trägerin im Alltag einige Vorteile: Hitlerjungen mussten sie grüssen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln war ihr ein Sitzplatz sicher und auf dem Amt wurden ihre Anliegen bevorzugt behandelt.

Gebärmaschinen

Es ist wohl kein Zufall, dass das «Eiserne Kreuz für die Mütter» ein Jahr vor Kriegsausbruch gestiftet wurde: Die Produktion und Aufzucht von waffenfähigem Nachwuchs war ein Hauptziel der Nazi-Familienpolitik. Bereits 1939 wurden drei Millionen Frauen mit dem Mutterkreuz ausgezeichnet.

Adolf Hitler, in dessen Namen die Auszeichnung erfolgte, bezeichnete die Mutterschaft in Analogie zum Soldatentum als «Schlachtfeld» der Frau.

Nur mit Ariernachweis

Freilich war den Nazis lange nicht jeder Nachwuchs willkommen. Die Kinder hatten «deutschblütig und erbtüchtig» zu sein; die Mütter durften nicht «erbkrank», «kriminell» oder «asozial» sein. Unbedingte Voraussetzung für die Verleihung des Mutterkreuzes war daher auch der so genannte Ariernachweis.

Wurden die «arischen» Mütter ideologisch überhöht und mit finanziellen Zuwendungen belohnt, so hatten umgekehrt Frauen unter Ausgrenzung und Schikanen zu leiden, die nicht dem Nazi-Ideal entsprachen. Solche Frauen wurden von den Behörden auch zur Abtreibung ermuntert, die sonst streng bestraft wurde.

Am brutalsten zeigte sich dies bei jener Gruppe, die der Rassenwahn der Nazis am unbarmherzigsten verfolgte: den Juden. Für jüdische Mütter und ihre Kinder war im Dritten Reich kein Platz - unzählige von ihnen starben in den Vernichtungslagern Osteuropas.

Schein und Sein

Auch wenn die kinderreichen Mütter von der Nazi-Propaganda in den Himmel gehoben wurden, war das Frauenbild der Nazis keineswegs positiv.
Frauen waren beispielsweise schon vor der Machtübernahme der NSDAP die oberen Parteiränge verwehrt.

Mit dem Machtantritt Adolf Hitlers wurde das weibliche Geschlecht auf vielfältige Weise benachteiligt: Den Frauen wurde das passive Wahlrecht entzogen, sie wurden ab Ende 1934 nicht mehr in Justizberufen zugelassen und der Anteil der Studentinnen an einer Universität durfte zehn Prozent nicht überschreiten.

Für die Nazis gehörte die Frau hinter den Herd - doch der extreme Arbeitskräftemangel der Kriegswirtschaft zwang sie dazu, Frauen in grossem Umfang in der Produktion einzusetzen.


Quelle: Deutsches Historisches Museum, Wikipedia.org