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Schweizer Imame
01. Februar 2009 17:03; Akt: 01.02.2009 17:38 Print
«Untragbar»: Sonntagsschule in der Moschee
von Katharina Bracher - Eine Studie bezeichnet 23 Prozent der österreichischen Islam-Lehrer als religiöse Fanatiker. Was bei den Nachbarn für rote Köpfe sorgt, hat auch in der Schweiz Sprengkraft. 20 Minuten Online sprach mit dem einflussreichsten Moslem der Schweiz.
Die Studie eines Islam-Wissenschafters schlägt derzeit in Österreich hohe Wellen: Knapp 23% aller österreichischen Imame nehmen dem Autor zu Folge eine «fanatische Haltung» gegenüber dem westlichen Rechtsstaat ein. 20 Minuten Online wollte vom höchsten Vertreter der Schweizer Muslime wissen, wie es hierzulande um die Demokratiefreundlichkeit der Imame steht.
Quelle: SF
Hisham Maizar
ist Palästinenser, dessen Eltern aus Hebron im Westjordanland stammen. Als zweitjüngstes von neun Kindern wuchs er in Jerusalem auf. Anfang 20 erhielt er ein Stipendium im damals jugoslawischen Sarajevo, wo er zunächst Slavistik studierte. Später studierte er in Heidelberg (D) und Innsbruck (AUT) Medizin und promovierte 1969. Im Jahr 1974 kam er als leitender Oberarzt ans Kantonsspital St. Gallen und eröffnete Jahre später seine eigene Praxis in Roggwil bei Arbon. Hisham Maizar ist inzwischen Schweizer Staatsbürger und hat eine Österreicherin geheiratet, mit der er drei Kinder hat. Diese werden sowohl katholisch als auch islamisch erzogen. Maizar ist Gründer der Schweizer Föderation islamischer Dachverbände. Als deren Präsident setzt er sich für den interreligiösen Dialog in der Schweiz ein.
20 Minuten Online: Herr Maizar, können Sie den Wirbel um die Studie des österreichischen Islam-Wissenschafters und Imams Muhanad Khorchide nachvollziehen?
Hisham Maizar: Selbstverständlich. Die Resultate sind höchst bedenklich, auch wenn ich darüber etwas erstaunt bin.
Weshalb?
Ich verfüge über gute Kontakte zu österreichischen Muslimen. Ich hatte stets den Eindruck, dass sie sehr liberale Menschen mit offener geistiger Haltung sind.
Die Studie zeigt ein anderes Bild: 21.9 Prozent der österreichischen Islam-Lehrer halten Demokratie und Islam für unvereinbar. Können Sie sich diese Zahl erklären?
Ein Moslem, der demokratische Grundsätze in Frage stellt, hat meiner Auffassung nach den Islam nicht verstanden. Man muss aber die Umstände, unter denen die Befragung gemacht wurde, berücksichtigen: Der Islam ist momentan alles andere als salonfähig in Europa. Die hier lebenden Moslems sehen sich von pauschalisierenden Urteilen gegenüber ihre Religion oft an die Wand gedrängt. Die Einstellung gegenüber westlichen Werten hat auch immer eine emotionale Komponente. Das ist in Krisenzeiten zwischen der westlichen und islamischen Welt besonders der Fall. Die Resultate der Studie können aber zu einem grossen Teil auch auf die unterschiedlichen Bildungsniveaus der Imame zurückgeführt werden.
Gelten die Resultate der österreichischen Studie auch für die Islam-Lehrer der Schweiz?
Das ist nur schlecht vergleichbar. Zuerst einmal ist der Islam in Österreich seit 1912 öffentlich-rechtlich anerkannte Staatsreligion. Die Islam-Lehrer oder Imame sind im österreichischen Bildungssystem verankert und haben einen staatlichen Auftrag. Das ist in der Schweiz nicht der Fall. Bei uns gibt es lediglich Pilotversuche für ähnliche Modelle des Islam-Religionsunterrichts. Die Imame, die im Rahmen dieser Versuche tätig sind, wurden handverlesen: Es handelt sich ausschliesslich um gut integrierte Moslems. Alles liberale Geister, die seit Jahren in der Schweiz leben. Der Religionsunterricht in diesem Pilotprojekt ist ein Freifach.
Abgesehen von diesen Pilotversuchen in der Ostschweiz ist die religiöse Erziehung von muslimischen Kindern immer noch Privatsache. Was heisst das konkret?
Falls sich die Eltern für die religiöse Erziehung ihrer Kinder einsetzen, schicken sie sie in der Freizeit in die Moschee, was dem Konzept der christlich-kirchlichen «Sonntagsschule» ähnlich ist. Ich halte jedoch diese Form von Religionsunterricht auf längere Sicht für untragbar.
Gibt es auch in der Schweiz demokratiefeindliche Imame?
Nein. Es gibt keine Fundamentalisten unter den Schweizer Islam-Lehrern. Und ich kenne jeden Imam in der Schweiz. Hinweisen auf tendenziöse Äusserungen muss ich als Präsident des islamischen Dachverbands nachgehen. Ich wäre der erste, der sich im Falle des Auftauchens von Hasspredigern oder Fundamentalisten unter den Imamen schützend vor die Islamische Gemeinschaft stellen würde. Der «Mainstream» der Schweizer Muslime, und somit auch die Imame der Schweiz, ist ausgewogen und liberal.
Aber wie ich bereits sagte: Diese Ausgewogenheit ist gerade in Krisenzeiten labil. Der Krieg in Gaza berührt auch die Schweizer Muslime. Die Einstellungen gegenüber westlichen Werten sind darum oft situativ und emotional geprägt.
Was heisst das konkret?
Nehmen Sie die gegenwärtige Situation im Gaza-Streifen: Es fragen sich viele Moslems, wo denn hier die westlichen Wächter von Menschenrechten und Demokratie bleiben. Jene, die aufschreien, sobald es um den angeblich «demokratiefeindlichen» Islam geht. Sie fühlen sich vom Westen ungerecht behandelt.
Wenn es keine fundamentalen Islam-Lehrer in Schweizer Moscheen geben soll, welches sind denn dann ihre Bedenken gegenüber einer «islamischen Sonntagsschule»?
Die Schweizer Muslime müssen zuerst am Vertrauensverhältnis zu den Schweizern arbeiten. Da gehört Transparenz in der religiösen Erziehung der Kinder dazu. Der beste Weg dahin: Wir müssen die Islam-Lehrer bei der Auswahl strenger selektionieren.

























