Neonazi-Aufmarsch in Sempach

20. Mai 2009 08:34; Akt: 20.05.2009 08:54 Print

«Eine Gegendemo ist kontraproduktiv»«Eine Gegendemo ist kontraproduktiv»

von Adrian Müller - Jedes Jahr marschieren mehr Rechtsextreme an der Schlachtfeier von Sempach auf. Nun ruft die Juso zu einer Gegendemo auf. Der Stadtpräsident von Sempach fürchtet sich derweil vor Grabenkämpfen.

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Pnos-Anhänger legen nach der offiziellen Feier zur Schlacht von Sempach Gedenkkränze nieder. (Bild: Keystone)

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In glühender Mittagssonne marschieren die verkleideten historischen Krieger mit Hellebarde und Armbrust bewaffnet vom Städtchen Sempach zum Winkelrieddenkmal, dem Zentrum des einstigen Schlachtfelds. Am Umzug nehmen rund 1000 Personen teil, darunter etwa 250 Rechtsextreme aus dem Dunstkreis der Partei National Orientierter Schweizer PNOS. Eine Person trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift «Friedrich Laibacher – Nationalheld» und feiert damit den Amokschützen von Zug.

Rechtsextreme in die Schranken weisen

So spielte sich die Schlachtfeier von Sempach im vergangenen Jahr ab. «Solange die Rechtsextremen die Feier nicht stören, stellen sie für uns kein Problem dar. Darum distanzieren wir uns auch nicht von ihnen», sagte damals der Luzerner CVP-Regierungspräsident Markus Dürr gegenüber 20 Minuten Online. Die Regierung distanzierte sich wiederholt nur zaghaft von den Neonazis. Jetzt wollen die Jungsozialisten die Rechtsextremen in die Schranken weisen. Sie organisieren am 27. Juni 2009, dem Tag der Schlachtfeier, eine Kundgebung gegen eben diese gängige Praxis und fordern die Luzerner Regierung und das OK der Schlachtfeier auf, sich endlich von Rechtsextremen zu distanzieren und ihnen keinen Platz bei ihrem Umzug zu gewähren.

Gegendemo ist kontraproduktiv

Der Stadtpräsident von Sempach hält gar nichts vom Gebaren der Jungsozialisten: «Die Demo der Juso ist kontraproduktiv, denn so bekommen die Rechtsradikalen, was sie wollen: Aufmerksamkeit», erklärt Franz Schwegler auf Anfrage. Er befürchte, dass die Schlachtfeier politisch missbraucht und für ideologische Grabenkämpfe benutzt wird. Schwegler hält es durchaus für möglich, dass die Rechtsextremen wieder in gleichem Rahmen auftreten dürfen wie im vergangenen Jahr. «Wie der Anlass gestaltet wird, entscheiden wir zusammen mit der Luzerner Kantonsregierung.» Sowieso werde die Brisanz dieses Anlasses überschätzt.

Die Pnos zeigt sich unbeeindruckt über den Aufmarsch der Linken: «Die stören uns nicht, es herrscht schliesslich Meinungsfreiheit», so Pnos-Mediensprecher Markus Martig. Auf ihrer Homepage geben sich die Rechtsextremen lammfromm: «Während des Marsches ist der Konsum von Tabak und Alkohol zu unterlassen», steht auf der Parteiwebseite.