Dicke Luft

07. Januar 2012 08:26; Akt: 09.01.2012 10:27 Print

Andermatt könnte grossen Investor verlierenAndermatt könnte grossen Investor verlieren

von Lukas Hässig und Elisabeth Rizzi - Skistar legt die geplante Mega-Investition ins Skigebiet auf Eis. Andermatt-Bergbahn-Präsident Franz Steinegger fand keine Zeit für Sitzungen.

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Das Gross-Projekt in Andermatt droht zu scheitern. (Bild: ASA)

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Skistar, eine grosse Nummer im globalen Ski-Infrastruktur-Business, ist beim grossen Andermatt-Ausbau vorerst nicht mehr dabei.

Das bestätigt Ex-Projektleiter Benno Nager gegenüber 20 Minuten Online. «Skistar hat das Investitionsversprechen, das bis Ende 2011 schriftlich vorlag, nicht erneuert. Für mich ist das Projekt damit gelaufen.»

Aus Schweden tönt es gleich. «Der ist am 31. Dezember 2011 abgelaufen und wird nicht erneuert», sagt der CEO von Skistar, Mats Arjes, in einer E-Mail-Antwort auf Anfrage. «Wir glauben nach wie vor, dass dieses Projekt viel für sich hat, aber es braucht eine Lösung der lokalen Themen, bevor wir ein weiteres Engagement erwägen würden.»

Spielverderber Franz Steinegger

Vor Ort, wo der Wintereinfall das Dorf Andermatt von der Umwelt in diesen Tagen abschneidet, herrscht erbitterter Streit. Auf der einen Seite kämpft der frühere FDP-Präsident und bekannte «Katastrophen»-Franz Steinegger um seinen Einfluss. Steinegger ist Präsident der defizitären Andermatt Gotthard Sportbahnen (AGS), die im Schweden-Projekt zur Juniorpartnerin würde. Auf der anderen Seite stehen Benno Nager und ein paar Hoteliers, die auf die Schweden setzen.

Es geht um Geld und Macht. Das in die Jahre gekommene Skigebiet von Andermatt im Kanton Uri soll mit jenem aus dem Bündnerischen von Sedrun durch eine «grosse Schaukel» verbunden werden: eine lange Bahn, die das Wechseln von einem zum anderen Skigebiet ermöglichen würde.

Mit einer umfassenden Erneuerung in Andermatt hätten die gesamten Investitionen ursprünglich auf 200 Millionen Franken zu stehen kommen sollen. Später wurde abgespeckt.

Nun sollte der Bund 50 Millionen beisteuern, davon 40 Millionen in Form von zinslosen Darlehen. Von Skistar wären zusammen mit dem ägyptischen Hotel- und Ferienwohnungs-Investor Sawiris 40 Millionen gekommen, die restlichen 40 Millionen hätten Banken als Kredite geben müssen respektive wären durch die Mehr-Einnahmen aus einer ersten Etappe gedeckt gewesen.

«7 Mal sagte Steinegger Sitzung ab»

Ex-Projektleiter Benno Nager ist überzeugt, dass dank der Etappierung mit einer ersten Phase über 4 Jahre und 50 Millionen Investitionen das Risiko für alle Investoren gerechtfertigt wäre. «Alle Beteiligten in den Kantonen zogen mit uns am gleichen Strick in die gleiche Richtung, alle freuten sich auf das Projekt. Nur Steinegger und seine AGS legten sich quer.»

7 Mal habe man eine Sitzung mit Steinegger und der AGS abgemacht, 7 Mal sei kurzfristig abgesagt worden, sagt Nager.

Dem widerspricht der angeschossene Franz Steinegger. «Wir und die Schweden sprachen mehrmals über das Projekt», sagt Steinegger. Es sei um die Finanzierbarkeit gegangen. Diese sei in der früheren Form nicht gegeben gewesen. «Mit meinem Widerstand kriegte ich zu 80 Prozent recht.»

In der ursprünglichen Gross-Variante sei vom Kanton ein Beitrag von 80 Millionen erwartet worden. Das sei «schlicht unrealistisch» gewesen, meint Steinegger. «Ergo war klar, dass man das Projekt anpassen musste. Das passiert jetzt.»

Für Hotelier ist Schweden-Exit ein «Fiasko»

Im Dorf Andermatt ist die Aufregung gross. Ein Hotelier spricht von einem «Fiasko». «Mit der Desinteresse-Erklärung der Schweden landen wir wieder auf Feld eins», sagt der Mann. «Jetzt dauert es Jahre, bis wir mit einem neuen Projekt an den Start gehen können. Das kann sich Andermatt nicht leisten.»

Steineggers Kritiker leisten im Aktionariat der AGS Widerstand. Steinegger bezeichnet die Gruppe als kleine, aggressive Minderheit. «Die Leute vertreten weniger als 1 Prozent der AGS, haben bei Kapitalerhöhungen nie mitgemacht. Wir aber haben in den letzten Jahren 10 Millionen Bankkredite zurückbezahlt und sind in einer schwierigen Lage, anständig über die Runden gekommen.»

Um Machterhalt gehe es ihm nicht. «Das ist es nicht wert zu diskutieren», sagt Steinegger. «Ich kann morgen loslassen und habe mir das angesichts des heftigen Widerstands auch schon überlegt. Aber ein Rücktritt von mir und den Kollegen im AGS-Verwaltungsrat wäre ein fatales Zeichen für den laufenden Häuser- und Wohnungsverkauf in Andermatt.»

Er sehe gar nicht schwarz, meint Steinegger. «Es braucht jetzt noch ein paar Gesprächsrunden und einen sauberen Businessplan, dann können wir ein Projekt mit rund 130 Millionen stemmen.»

Der bisherige Projektleiter Benno Nager, der viel Zeit und eigenes Geld in den grossen Modernisierungsschub im zurückgebliebenen Andermatt investiert hatte, wäre dann wohl nicht mehr dabei. Er ist skeptisch. Der Ball liege nun bei der Urner Regierung. Diese will offenbar bald sagen, wie es in Andermatt weitergehen soll.

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  • Thomas Hinz am 09.01.2012 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    EGOISMUS und MISSGUNST!

    Ich war eigentlich immer sehr positiv überrascht über den Mut der Andermatter und das Vertrauen in einen ägyptischen Investor und Milliardären. Aber sie wussten wohl auch selbst, dass ihnen nicht viel anderes übrig bleibt, wenn sie sich endlich befreien wollen aus ihrer Misere. Doch es musste ja der Tag kommen, wo sich ein kleiner Fisch übergangen fühlt und dann seine sonst so kleine Macht einmal ganz gewichtig ausspielen kann. Ich erachte es als unverschämte Anmassung von Franz Steinegger, hier den Moralapostel zu spielen und "im Namen der Vernunft" die Urner einfach zu bevormunden...

  • Doris am 08.01.2012 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Andermatter-Investoren-Abzocker

    verschandeln mit ihren Projekten nur die Landschaft und Zocken auch noch zünftig ab. für den Rest der Infrastukturen muss dann der Steuerzahler blechen. Auf solche Investoren sollte Andermatt verzichten, die hinterlassen schliesslich mehr Probleme.

  • Andermattnerin am 08.01.2012 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Macht die Augen auf!

    Andematt hat schlicht und einfach die Entwicklungen der letzen 30 Jahre verpennt! Da muss sich jeder im Dof selber an der Nase nehmen. Man kann nicht nur einfach die Hand aufhalten und alles in die Tasche stecken. Leider haben viele das Gefühl, da bringt einer Geld und alles ist in Ordnung. Dem ist nicht so, wer Zahlt befiehlt. Das sollte man sich auch mal bewusst werden. Diese total überirdischen Investitionen sind utopisch. Ich gebe Franz recht: Es braucht realistische und finanzierbare Pläne. Also lieber die Kirche im Dorf lassen als zu überstürzt zu handeln.

    • Andermatter am 08.01.2012 am 08.01.2012 19:25 Report Diesen Beitrag melden

      Macht die Augen auf!

      Franz, wie Sie ihn nennen, hat leider weder bei der Expo, noch bei der Suva und schon gar nicht bei den Andermatt Sportbahnen bewiesen, dass er fähig ist, realistische und finanzierbare Pläne zu schmieden und zu realisieren. Aber er nimmt für sich in Anspruch, einen breit abgestützten und durch Experten geprüften Businessplan als "Für den Papierkorb" zu bewerten. Da stimmt doch etwas nich!

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