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Schockierender Gerichtsfall
21. Oktober 2008 19:42; Akt: 21.10.2008 19:47 Print
«Es sollte niemand meinen Sohn bekommen»
von Attila Szenogrady - In einem heftigen Streit um das Sorgerecht hat eine heroinabhängige Mutter ihren eineinhalb-jährigen Sohn so lange gewürgt, bis das Kleinkind rot anlief. Seit Dienstag steht die Angeklagte wegen versuchter vorsätzlicher Tötung vor dem Geschworenengericht.
Es war der 25. Oktober 2005, als das verpfuschte Leben einer heute 31-jährigen Schweizerin ihren traurigen Höhepunkt erreichte. Damals hielt sich die arbeitslose Pflegehelferin in ihrer Wohnung in Kloten auf und stritt sich einmal mehr mit ihrem Freund herum. Die heftige Auseinandersetzung drehte sich um das umstrittene Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn.
Kleinkind beinahe erwürgt
Kurz vor Mittag passierte das Unfassbare: Die Angeklagte packte ihr eineinhalbjähriges Kind am Hals und drückte zu. Bis es rot anlief. Danach konnte der Vater eingreifen und stiess die Angeklagte weg. Der Sohn kam mit einem Schrecken davon.
Rund drei Jahre später muss sich die Mutter seit Dienstag vor dem Zürcher Geschworenengericht verantworten. Wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, aber auch wegen falscher Anschuldigung, da sie zunächst widerrechtlich ihren Partner der Würgeattacke bezichtigt hatte.
Tötungsvorsatz teilweise anerkannt
Zur Sache befragt, anerkannte die Angeschuldigte einen Tötungsvorsatz für die erste Phase. «Wenn ich schon meinen Sohn nicht haben konnte, sollte ihn niemand bekommen», erinnerte sie sich zurück. Sie wäre ihrem Kind in den Tod gefolgt, führte sie aus.
Nachdem sie aber das blanke Entsetzen in den Augen des Kleinen wahrgenommen habe, sei sie erwacht. Als sie von ihrem Freund gestossen worden sei, habe sie ihren Griff bereits gelockert, fügte sie hinzu und verneinte dabei eine Tötungsabsicht in der Schlussphase.
Völlig überforderte Mutter
Der Prozess zog sich den ganzen Tag hin. Nicht alleine aufgrund des komplizierten Lebenslaufes der Angeklagten. Sie konsumiert schon seit ihrer Jugend regelmässig Heroin und will als Kind von einem Verwandten sexuell missbraucht worden sein. Eine Arbeitsstelle als Pflegehelferin verlor sie, da sie regelmässig die Patienten bestahl.
Auch im privaten Bereich reihte sich eine Katastrophe an die andere. Laut einem psychiatrischen Gutachten ist die inzwischen dreifache Mutter völlig unfähig, Kinder aufzuziehen. Aufgrund eines hohen Rückfallrisikos sitzt sie seit dem 1. Juni 2007 hinter Gitter.
Wie der Gerichtsvorsitzende Peter Marti am ersten Prozesstag aufzeigte, hatte die Angeklagte in der Untersuchung permanent die Unwahrheit gesagt. Sie log sogar, wenn sie log, stellte sich heraus.
Urteil in einer Woche erwartet
Noch am Abend bot das Gericht einen ersten Zeugen auf. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Am kommenden Freitag werden die Parteianträge anstehen. Das Urteil wird voraussichtlich am 29. Oktober verkündet.

























