Unfallfahrer Sandro

10. Februar 2012 18:38; Akt: 10.02.2012 22:46 Print

«Heute trinken wir eine Flasche Jack»«Heute trinken wir eine Flasche Jack»

von A. Fumagalli/A.Müller - Die Todesfahrt an der Langstrasse begann um 22 Uhr, als Sandro eine fröhliche Sauftour startete. Stunden später war ein Mann tot. Dazwischen gabs einen Streit - und viel Alkohol.

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Schreckliche Szenen spielten sich am Freitagmorgen 10.2. 2012 an der Zürcher Langstrasse ab. Ein Chrysler knallte in eine Menschengruppe vor der Lambada-Bar. «Die Menschen flogen meterweit durch die Luft bis vor das Aladin-Bistro», sagt ein Augenzeuge. Der Horror-Crash forderte ein Todesopfer und fünf Verletzte. Der Fahrer des Unfallwagens (hier im Bild) arbeitet in der Elite-Bar unweit der «Lambada»-Bar. Sandro (Name geändert) soll vor dem Unfall getrunken haben, sagt sein Chef gegenüber 20 Minuten Online. Der Schweizer wohnt gemäss seinem Chef in Solothurn, hat aber ein Zimmer in Zürich. Beim Auto des Fahrers, der in die Leute fuhr, handelt es sich um einen Chrysler. Dutzende Polizisten und Sanitäter standen im Einsatz. Das Opfer starb noch auf der Unfallstelle. Vier weitere Besucher der Bar, die draussen standen, sowie ... ... der Fahrer des Wagens wurden verletzt. Wieso der 25-jährige Schweizer in die Menschenmenge raste, ist gemäss Polizei noch unklar. Augenzeugen berichteten, dass der Fahrer die Gruppe gezielt rammte. Die Polizei bestätigte bisher allerdings keine «Amokfahrt». Sin Abbas - der Inhaber der «Lambada»-Bar - war zum Zeitpunkt des Unfalls in der Bar. «Es gab einen lauten Knall», sagt Abbas. Er sei nach draussen gerannt. «Überall schrien Leute, Blutspuren waren auf der Strasse und die Verletzten lagen herum - es war ein riesiger Schock.» Abbas glaubt nicht an Absicht des Fahrers. «Er war wohl einfach betrunken oder unter Drogen.» Wahrscheinlich sei er in Panik geraten, als er gemerkt habe, dass er die Langstrasse in die falsche Richtung hochfuhr. Stefan Meier (Name geändert) war im «Lambada», als das Auto die Bar rammt. «Es gab einen Riesenknall», sagt er, «als ich hinaus kam, herrschte pures Chaos.» Die Zeit bis der erste Krankenwagen gekommen ist, kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Ein Anwohner gegenüber der Bar ist kurz nach dem Knall erwacht. «Ich hörte Hilfe-Schreie», so der Mann, «als ich zum Fenster ging, dachte ich zuerst es sei eine Schlägerei.» Doch was er vor dem Fenster sieht, ist ein blutiges Szenario: «Ich sah drei Personen am Boden liegen und eine grosse Gruppe von Leuten, die sich um sie kümmerten.» Doch was er vor dem Fenster sieht, ist ein blutiges Szenario: «Ich sah mindestens drei Personen am Boden liegen und eine grosse Gruppe von Leuten, die sich um sie kümmerten.» Die Polizei ist mit einem grossen Aufgebot vor Ort. ... Spezialisten des Unfalltechnischen Dienstes der Stadtpolizei Zürich abgeklärt.

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Langsam hat der Schnee die Blutspuren an der Langstrasse abgedeckt. Wäre nicht die demolierte Fassade der «Lamabada»-Bar, nichts würde an die Todesfahrt vom Freitagmorgen erinnern. Jenen Morgen, an dem ein 39-Jähriger sein Leben verlor und insgesamt vier Personen zum Teil schwer verletzt werden.

Warum der 25-jährige Sandro* kurz vor 5.30 Uhr seinen goldfarbenen Chrysler in hohem Tempo in die Menschenmenge steuerte, ist nach wie vor unklar. Auch sein Vater hat noch keine Antwort: «Es ist schrecklich», sagt er zu 20 Minuten Online. Noch konnte er seinen Sohn nicht im Spital besuchen, Sandro sei aber stabil, haben ihm die Ärzte gesagt.

Das schreckliche Ereignis nahm am Donnerstagabend um 22 Uhr seinen Anfang, wie Recherchen von 20 Minuten Online zeigen. Zu diesem Zeitpunkt startet Sandro im Restaurant Midway in unmittelbarer Nähe der Langstrasse eine Zechtour. «Er platzte hinein und rief: ‹Heute trinken wir eine Flasche Jack [Daniels]›», sagt der Midway-Geschäftsführer. Er erinnert sich präzis, weil Sandro, der Stammgast, normalerweise nur Cola und Mineral trinkt. Gestern Abend sei Sandro aber extrem fröhlich gewesen, habe sich eine Havanna-Cola genehmigt und sogar Merengue getanzt. Später trank er Tequila, dann hätten sie sich zu viert eine Flasche Whisky genehmigt, bevor sie nach Feierabend in die Elite-Bar weitergezogen seien, so der Geschäftsführer weiter. Im Lokal, wo Sandro als Aushilfe arbeitet, hätten sie dann noch einen Chivas getrunken. «Sandro wollte unbedingt noch in die Lambada-Bar, ich bin aber um 2.30 Uhr nach Hause gegangen», sagt der Midway-Chef.

Streit mit einer Frau

In der «Lambada»-Bar war Sandro allerdings nicht, sagt Inhaber Abbas Sin. So wie ihm zugetragen wurde, sei der 25-Jährige in der Lugano-Bar gewesen. «Er hat dort aber Ärger gehabt und musste raus», so Sin. Das soll gegen drei Uhr gewesen sein. Danach ging er – wie verschiedene Quellen berichten – zurück in die Elite-Bar, wo er sich mit seiner Freundin gestritten habe.

Was danach geschah, ist nicht gesichert: Im Milieu heisst es, dass er einer Frau eine Flasche über den Kopf zog. Mehrere Personen bestätigen gegenüber 20 Minuten Online, dass eine Bardame verletzt ins Spital eingeliefert wurde. Die Frau sei blutend am Eingang einer anderen Bar gestanden. Unklar ist allerdings, ob die verletzte Frau die Freundin von Sandro war.

Die Opfer kamen im Taxi

Brachte der Streit Sandro in Rage? Klar ist: Kurz vor 5.30 Uhr schliesslich setzt sich Sandro in seinen Wagen und rast in vier Männer und eine Frau. Abbas Sin sagt, sie seien keine Gäste der «Lambada»-Bar oder der umliegenden Bars gewesen, sondern sollen mit dem Taxi angekommen sein. «Gegenüber meiner Bar ist direkt ein Taxi-Stand», sagt Sin, «sie sind wohl über die Strasse gegangen und Sandro hat sie erwischt.»

Mehmet (Name geändert) ist überzeugt, dass Sandro rechts abbiegen wollte. «Statt auf die Bremse trat er wohl auf das Gas-Pedal seines Autos, das passiert bei einem Automaten noch schnell, wenn man betrunken ist.» Doch das ist nur eine Vermutung. Mehmet war im Lokal, als das Auto gegen die «Lambada»-Bar krachte. Er sei aber als erster bei Sandro gewesen. Da sei der Todesfahrer noch einen Moment ansprechbar gewesen. Sie hätten ihn gefragt, was geschehen sei. «Er stand aber unter Schock», so Mehmet, «er brachte keinen Ton raus.» Dann sei er weggetreten.

Mehmet und seine Kumpels seien verwundert gewesen, weil Sandro normalerweise nicht trank. «Und wenn er trank, dann fuhr er nicht.» Der Midway-Chef glaubt, dass die Personen einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren. «Zwischen fünf und sechs Uhr passiert nichts Gutes», sagt er, «es ist die Stunde der Idioten.»

*Name der Redaktion bekannt

(Mitarbeit: A.Mustedanagic)