Nackedeis in Zürich

10. November 2011 18:47; Akt: 10.11.2011 20:28 Print

«Ich habe grossen Respekt vor den Frauen»«Ich habe grossen Respekt vor den Frauen»

von F. Burch/Ph. Rüegg - Die barbusige Feministinnen-Gruppe Femen demonstrierte am Sihlquai für mehr Rechte in der Prostitution. Zahlreiche Sympathisanten kamen - die meisten davon Gaffer.

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Oben-ohne, nur in High Heels, Strapsen und knappen Slips legten am Donnerstag um 14.00 Uhr vier Frauen kurzzeitig den Verkehr am Sihlquai in Zürich lahm. Laut skandierten sie «Rührt Frauen nicht an» oder «Frauen sind keine Ware», stellten sich Autos in den Weg und setzen sich auf deren Hauben. Ihre Show wirkte professionell und abgeklärt, die Aktivistinnen von Femen haben ähnliche Aktionen schon zahlreiche Male in anderen Städten Europas durchgeführt.

Die Masche mit dem Ausziehen verfehlte ihre Wirkung auch in Zürich nicht. Die vier Demonstrantinnen waren von Anfang an umbringt von Dutzenden Journalisten und weit über 100, hauptsächlich männlichen Gaffern. Diese filmten die Performance mit dem Handy und schickten sie sofort an ihre Kollegen weiter. Simon (22) findet: «Es ist gut, dass sich die Frauen für die Gerechtigkeit der Leute einsetzen.» Die genaue Botschaft kenne er zwar nicht; er glaube aber, es gehe darum, die Menschen so wahrzunehmen, wie sie sind und nicht wie sie aussehen.

Die FDP-Frauen unterstützen die Aktion

Eine jüngere Frau weiss besser Bescheid. «Sie setzten sich für mehr Rechte der Prostituierten ein.» Dies sei auch an der Zeit. Dass sie sich dafür ausziehen, stört sie nicht. «Sie verschaffen sich so Aufmerksamkeit und kommen zum Ziel.»

Ähnlicher Meinung ist Carmen Walker Späh, Präsidentin der FDP-Frauen, die die Aktion am Silquai vor Ort beobachtete: «Ich habe grossen Respekt vor den Frauen.» Durch ihre Aktion würden diese ein riesiges Medienecho auslösen und so auf die Probleme des Sihlquai-Strichs hinweisen. Das sei richtig und deshalb unterstützten die FDP-Frauen das Ganze. «Unser Anliegen ist, dass die Prostituierten ihre Arbeit in Würde und Sicherheit verrichten können.»

Über 20 Mal verhaftet

Um dies zu erreichen, lohne es sich immer, sich auszuziehen, sind die Frauen von Femen überzeugt. Und deshalb ist es ihnen auch nicht zu kalt dafür. «Wir frieren nie, die Sache ist zu wichtig», sagt Olga Shurova zu 20 Minuten Online. Einzig eine Westschweizerin, die sich in Zürich erstmals entblösste, schlotterte neben den drei Ukrainerinnen.

Shurova und ihre Mitstreiterinnen lassen sich nicht von ihrer Mission abbringen, egal welche Steine ihnen in den Weg gelegt werden. «Ich wurde schon über 20 Mal verhaftet in der Ukraine, dann auch in Polen und einmal in Italien.» In Zürich blieb ihr das erspart, die Polizei griff nicht ein. Welches die nächste Station auf der Femen-Europa-Tour sein wird, ist noch unklar. Die Frauen bleiben vorerst ein paar Tage in der Westschweiz, dann reisen sie - finanziert durch private Spenden - weiter und werden sich wieder ausziehen. «Das ist unser Stil, damit schocken wir, so kämpfen wir gegen die grossen Probleme im Sexgewerbe», sagt Shurova und verabschiedet sich. Es ist 14.30 Uhr, die Show dauerte genau eine halbe Stunde.

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(Video: Leser-Reporter Michael Weiss)


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  • Sabrina am 12.11.2011 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Geld andersweitig investieren?!

    Anstatt das Geld in Reisen, Unterkunft und Essen zu verprasseln, sollten diese das Geld direkt den bedürftigen Frauen weitergeben... (Vorallem aus dem Land aus dem sie kommen) à la Frauenhäuser eröffnen und Psychisch unterstützen

  • Philippe Latscha am 12.11.2011 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Soziale Gleichheit umsetzen. Ein Muss!

    Wie Frauen für ihre Rechte in der Schweiz demonstrieren, ist egal. Hauptsache sie machen es. Diese Form spricht den Mann an, wie ich lese, denn er nimmt die Situation wenigstens wahr. Meiner Meinung nach gibt es immer noch ein grosse Gefälle zwischen Mann und Frau in der Schweiz. Das kann nicht sein. Die Frau verdient den gleichen Respekt und Anerkennung wie der Mann. Jeder leistet viel und die Frau auf ihre Art in allen Bereichen sehr und zumindest genauso viel. Und wird trotzdem immer noch unterbewertet. Bitte an die soziale Gleichheit denken und umsetzen! Willkommen im 21. Jahrhundert.

  • Macchia Velli am 12.11.2011 06:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wär's,

    wenn unsere "Polit-Damen" im Ausland mit dieser Aufmachung auf die (Migrations-) Probleme der Schweiz protestieren würden! Ob die dann auch dieses "Medien-Aufgebot" hätten oder von vornherein wegen öffentlichen Ärgernisses zensiert würden ....?