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Versehentlich abgeschafft
29. Juni 2010 23:10; Akt: 30.06.2010 00:36 Print
Überraschendes Aus für Tieranwalt
von Desirée Pomper/Lorenz Hanselmann - Den Zürcher Tieranwalt gibt es ab 2011 nicht mehr. Das hat das Parlament beschlossen – ohne es selbst zu merken. Politiker sind empört.
Mehr als 2000 Fälle hat der Zürcher Tieranwalt in den letzten 15 Jahren behandelt. Viel mehr werden es nicht mehr: Anfang 2011 wird das weltweit einzigartige Amt abgeschafft. «Das Veterinäramt wird alleine die Rechte der Tiere wahrnehmen», bestätigt der Sprecher der Zürcher Gesundheitsdirektion, Urs Rüegg.
Tieranwalt Antoine F. Goetschel. (Keystone)
Weniger Tierversuche, mehr Leiden
An 706 104 Tieren wurden 2009 in der Schweiz Tierversuche durchgeführt. Das ist ein Minus von 3,5 Prozent. Zugenommen hat hingegen die Zahl der schwerbelastenden Versuche: um 12 Prozent auf 17 518. Für den Schweizer Tierschutz STS sind diese Zahlen alarmierend: «Bei den schwerbelastenden Versuchen leiden die Tiere zum Teil extrem stark», so Julika Fitzi. Dabei lasse man etwa krebskranke Mäuse ohne medizinische Behandlung sterben. Der STS fordert, dass die Zahl solcher Tierversuche auf ein Minimum gesenkt wird.
Noch-Tieranwalt Antoine F. Goetschel zeigt sich überrascht: «Ich kann nur hoffen, dass die Tiere darunter nicht leiden werden.» Er fordert, dass die Verwaltung ebenso strenge Massstäbe anwendet und gleich konsequent Fälle zur Anzeige bringt, wie er dies tat.
Geschockt reagierte Gieri Bolliger von der Stiftung Tier im Recht: «Das ist ein herber Rückschlag für den Tierschutz.» Für völlig unverständlich hält er die Art und Weise, wie der Entscheid zustande kam: «Dass der Tieranwalt vom Kantonsrat quasi durch die Hintertüre abgeschafft wurde, ist ein Skandal.» Dieser hat die Änderungen im Tierschutzgesetz nämlich im Rahmen eines Gesetzesbündels ohne Gegenstimme durchgewunken.
Offenbar hat die grosse Mehrheit der Parlamentarier nicht gemerkt, dass dabei der Tieranwalt abgeschafft wurde. Esther Guyer (Grüne) übt deshalb Selbstkritik: «Es war ein Fehler, dass wir das übersehen und nicht einmal darüber diskutiert haben.» Claudio Zanetti (SVP) fordert nun eine Erklärung, weshalb der Kantonsrat nicht besser informiert worden sei: «Das ist peinlich für das ganze Parlament. So etwas darf nie mehr passieren.»


























