«Amoklauf ohne Waffen»

Drei Prügel-Schüler werden in U-Haft genommen

Eine beschauliche Abschlussreise nach München sollte es werden, doch der Ausflug einer Schule aus Küsnacht ZH endete im Prügelrausch: Fünf Schüler schlugen wie im Wahn auf einen 46-Jährigen ein. Er überlebte schwer verletzt. Drei der mutmasslichen Täter müssen mit einer Anklage wegen versuchten Mordes rechnen.


Die Prügel-Schüler gingen in Küsnacht in die Weiterbildungs- und Berufswahlschule.
Das Sendlinger Tor in München (Bild: Wikipedia.org)
Das Sendlinger Tor in München (Bild: Wikipedia.org)


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Drei der fünf mutmasslichen Täter der Prügel-Attacke in München werden definitiv in Untersuchungshaft gesetzt, erklärte der zuständige Oberstaatsanwalt Wolfgang Beckstein am Donnerstag in München. Ihnen drohen Jugendstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Die beiden anderen würden entlassen und sollen noch am Donnerstagabend mit einem Lehrer nach Zürich zurückkehren.

46-Jähriger mit Fusstritten traktiert

Die brutale Tat, die den fünf Zürcher Schülern zur Last gelegt wird, geschah am Dienstagabend: Das 46-jährige Opfer, ein Versicherungskaufmann, der sich auf dem Heimweg von einem Geschäftsessen in München befand, begegnete gegen 23.35 Uhr am Sendlinger-Tor-Platz den fünf Jugendlichen aus dem Bezirk Meilen, die gerade auf der Abschlussreise in der bayrischen Hauptstadt waren. Der Mann schenkte den Jugendlichen jedoch keine weitere Aufmerksamkeit.

Als er an der Gruppe vorbeiging, streckte ihn plötzlich einer der Jugendlichen mit einem Faustschlag nieder. Obwohl er bereits am Boden lag, wurde der Mann weiterhin von den Jugendlichen mit Fusstritten traktiert. Danach flüchteten die Schüler in ihr Gästehaus. So beschreibt die Münchner Polizei den mutmasslichen Tathergang. Denn die fünf festgenommenen Jugendlichen sind sich offenbar über den Tathergang nicht einig, wie Oberstaatsanwalt Wolfgang Beckstein sagte.

Die Gruppe soll ausserdem unmittelbar vor beziehungsweise nach dem Angriff auf den 46-Jährigen drei ältere Männer und einen bulgarischen Studenten verprügelt haben. «Man kann sich das als eine Art Amoklauf vorstellen, zum Glück nicht mit Waffen», sagte der untersuchende Staatsanwalt Laurent Lafleur. Das Motiv sei klar, sagte Beckstein: «Die Tat geschah aus reiner Rauflust. Wörtlich war von ‹Leute abklatschen› die Rede.» Wie Lafleur gegenüber 20 Minuten Online sagte, sollen die Jugendlichen zuvor viel Alkohol getrunken und teilweise auch Marihuana geraucht haben.

Fünf Schweizer an Tat beteiligt

Insgesamt waren laut Beckstein fünf Schweizer Jugendliche an der Tat beteiligt. «Einzelne geben zu, beteiligt gewesen zu sein, andere verweigern die Aussage.» Wie der Oberstaatsanwalt sagte, griffen die Jugendlichen zwei weitere Männer an, von dem sich einer noch in Spitalpflege befindet.

Bei den drei Hauptverdächtigen handelt es sich um zwei Schweizer Staatsbürger und einen Slowenen. Ausserdem nahm die Polizei einen Portugiesen und einen Schweizer mit Migrationshintergrund fest. Sie alle gingen in der Weiterbildungs- und Berufsschule Küsnacht ZH zur Schule.

Der 46-jährige Versicherungskaufmann erlitt diverse Brüche im Gesicht sowie ein Schleudertrauma und musste ins Spital eingeliefert werden. Er leidet unter teilweisem Gedächtnisverlust und kann sich nur noch beschränkt an den Angriff erinnern. Möglicherweise wird das Opfer bleibende Schäden davontragen. «Es befand sich aber nie in Lebensgefahr», sagt eine Sprecherin der Münchner Polizei zu 20 Minuten Online.

Im Gästehaus verhaftet

Zeugenaussagen führte die Polizei rasch auf die Spur der jungen Zürcher, die in einem Jugendgästehaus in der Münchner Innenstadt wohnten. «Die Schülergruppe war für uns bis zu diesem Zeitpunkt nicht auffällig», sagt der Geschäftsführer Niels Damm auf Anfrage. Dort konnte die Polizei vier Tatverdächtige — einen 15-Jährigen und drei 16-Jährige — bestimmen und festnehmen, obwohl diese zum Teil bereits ihre Kleidung gewechselt hatten. Im Verlauf der ersten Einvernahme stellte sich heraus, dass vermutlich auch ein 17-Jähriger an der Tat beteiligt war. Auch dieser wurde festgenommen.

(mlu/am/meg/erf/dapd)
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