14. November 2007 10:38; Akt: 14.11.2007 11:23 Print

EDU: «EuroPride ist ein Grossmarkt von Sexdienstleistungen»EDU: «EuroPride ist ein Grossmarkt von Sexdienstleistungen»

Im Sommer 2009 werden tausende lesbisch-schwuler Menschen zur EuroPride nach Zürich reisen. Heute informieren die Organisatoren die Behörden über das Programm des Grossevents. Einzig die EDU wehrt sich gegen den «lesbisch-schwulen Grossmarkt von Sexdienstleistungen»

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Seit Oktober 2006 ist es amtlich: Die EuroPride, der zentrale Christopher Street Day (CSD) von Europa, wird 2009 in Zürich durchgeführt. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, das Programm nimmt Gestalt an.

Heute Abend informiert der Verein EuroPride 09 die Behörden und Parteien über die wichtigsten Eckpunkte der Veranstaltung im Detail. «Unser Ziel ist es, dass dieser Grossanlass, der selbstverständlich allen Menschen offen steht, von der Bevölkerung als Bereicherung wahrgenommen und geschätzt wird und ähnlich wie die EuroGames 2000 als Fest der Begegnung in Erinnerung bleiben wird», heisst es in einer Medienmitteilung.

Auch Esther Maurer unterstützt EuroPride

«Die Kandidatur Zürichs wurde unter anderem von Tourismus-Organisationen und von den städtischen Behörden unterstützt. Wir erfahren viel Wohlwollen - auch Polizeivorsteherin Esther Maurer ist sehr zuvorkommend», sagt Andres C. Nitsch, Mediensprecher des Vereins EuroPride 09, zu 20minuten.ch. Die EuroPride sei eben ein guter Anlass für eine gute Stadt: «So kommen Menschen nach Zürich, die die Stadt noch nicht kennen und sicher begeistert sein werden.»

EDU warnt vor «zunehmender Glorifizierung des homosexuellen Lifestyles»

Genau dieser Umstand ruft die Eidgenössisch-Demokratische Union EDU auf den Plan. Der Zürcher EDU-Kantonsrat Hans Egli verlas am Montag eine Fraktionserklärung, in der er das Bedauern seiner Partei über die Durchführung der EuroPride in Zürich zum Ausdruck brachte und vor der «Spirale von zunehmender Glorifizierung und zunehmender Propagierung des Lifestyles Homosexualität» warnte.

«Unsere Gesellschaft hat sich von Gott losgesagt»

Egli betont zwar gegenüber 20minuten.ch, dass er kein persönliches Problem mit Homosexuellen habe. Er befürchte aber eine zunehmende Sexualisierung der Gesellschaft an sich. Die EDU wolle daher nicht, dass sich Zürich als lesbisch-schwule Reisedestination zum Grossmarkt von Sexdienstleistungen entwickelt. «Wenn die Bibel recht hat – und die EDU geht davon aus – so ist die lautstarke lesbisch-schwule Szene ein Symptom dafür, dass wir uns als Gesellschaft von Gott losgesagt haben.» Die homosexuelle Lebensart und Partnerschaft trage nichts zum Erhalt des Lebens bei. Daher stellt die EDU die Frage, ob die Politik nicht «viel mehr zukunftserhaltende, nachhaltige Formen des Zusammenlebens» propagieren soll.

«Wer Sex will, muss dazu nicht extra nach Zürich kommen»

Andres C. Nitsch nimmt diese Vorwürfe gelassen hin: «Es ist der erste frontale Angriff auf die EuroPride. Es gibt offenbar immer noch Leute, die ihr Weltbild dringend überdenken sollten, weil es nicht mehr der Realität entspricht.» Dass die EDU die EuroPride in Zusammenhang mit Sextourismus bringt, findet Nitsch eine Frechheit. «Wir werden in eine Ecke gedrängt, wo wir nicht hingehören», betont er, «wer Sex will, muss dazu sicher nicht extra nach Zürich reisen.»

Tina Fassbind, 20minuten.ch