Horgener Zwillingsmord

10. März 2010 19:03; Akt: 10.03.2010 19:15 Print

«Ich habe meine Kinder nicht umgebracht»«Ich habe meine Kinder nicht umgebracht»

von Attila Szenogrady - Laut Anklage hat eine Mutter ihre siebenjährigen Zwillinge erstickt. Unmöglich, erklärte die Angeschuldigte vor Gericht und schob die ganze Schuld auf ihren Ex-Mann.

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Es war um die Mittagszeit, als die heute 36-jährige Angeklagte aus Horgen vor den Geschworenen Stellung bezog: «Heute bin ich sicher, dass ich es nicht war», erklärte sie steif und fest. Wenig später benannte sie den «Herrn B.» als den wahren Täter. Sie meinte damit ihren langjährigen Ehemann, der die Kinder ermordet habe. Mit einem klaren Tatmotiv: «Herr B. hat die Kinder wegen meinen Seitensprüngen ermordet», sagte sie. Warum habe der eifersüchtige Mann denn nicht die untreue Angeklagte getötet, wollte Gerichtspräsident Pierre Martin von ihr wissen. Aus Geldgier, sagte die Mutter. So hätte er alleine für seine Kinder aufkommen müssen.

Heile Welt trog

Laut Staatsanwalt Markus Oertle war es aber die gebürtige Oesterreicherin, die kurz vor den Weihnachten 2007 ihre beiden siebenjährigen Kinder in ihren Betten im Schlaf erstickt hatte. Der Grund: Die Mutter wollte infolge einer Lebenskrise ihre Kinder loswerden.

Anlässlich ihrer Verhaftung hatte sie noch ihre Ehe mit ihrem um fünf Jahre älteren Mann als heile Welt beschrieben und Einbrecher als Täterschaft bezeichnet. Was sich bereits in der Untersuchung, aber auch am Mittwoch vor dem Geschworenengericht als Schein entpuppte.

Bereits 1999 verlor die Angeklagte eine erste Tochter nach wenigen Monaten. Worauf sich die Mutter in eine Esssucht flüchtete und massiv übergewichtig wurde. Kurz vor dem Doppelmord nahm sie gleich mit zwei Liebhabern intime Beziehungen auf. Dabei soll sie am 21. Dezember 2007 am selben Tag mit beiden Verehrern sexuell verkehrt haben.

Viele Widersprüche

Am ersten Prozesstag fiel die Angeklagte durch zahlreiche Widersprüche auf. Alleine zur Tatnacht lieferte sie drei unterschiedliche Versionen ab. In den ersten Tagen nach dem Verbrechen hatte sie noch erklärt, dass sie für die Unschuld ihres Mannes ihre Hand ins Feuer legen würde. Nun galt das alles nichts mehr.

Bei den beiden Liebhabern erklärte sie einerseits, dass sie keine gemeinsame Zukunft mit ihnen geplant habe. Andererseits hatte sie noch kurz vor der Tat einem der Verehrer eine SMS-Botschaft geschickte. Darin stand wörtlich: «Ich hoffe, dass ich dir morgen gehöre.» Vor Gericht sagte sie, bloss gemeint zu haben, dass sie von ihm hoffentlich bald hören werde.

Der Prozess wird am Donnerstag mit Zeugen und Experten fortgesetzt.