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Horgener Zwillingsmord
10. März 2010 19:03; Akt: 10.03.2010 19:15 Print
«Ich habe meine Kinder nicht umgebracht»
von Attila Szenogrady - Laut Anklage hat eine Mutter ihre siebenjährigen Zwillinge erstickt. Unmöglich, erklärte die Angeschuldigte vor Gericht und schob die ganze Schuld auf ihren Ex-Mann.
Es war um die Mittagszeit, als die heute 36-jährige Angeklagte aus Horgen vor den Geschworenen Stellung bezog: «Heute bin ich sicher, dass ich es nicht war», erklärte sie steif und fest. Wenig später benannte sie den «Herrn B.» als den wahren Täter. Sie meinte damit ihren langjährigen Ehemann, der die Kinder ermordet habe. Mit einem klaren Tatmotiv: «Herr B. hat die Kinder wegen meinen Seitensprüngen ermordet», sagte sie. Warum habe der eifersüchtige Mann denn nicht die untreue Angeklagte getötet, wollte Gerichtspräsident Pierre Martin von ihr wissen. Aus Geldgier, sagte die Mutter. So hätte er alleine für seine Kinder aufkommen müssen.
Gesicherte FaktenBereits am ersten Prozesstag stehen aufgrund der Befragung der Angeklagten und eines ersten Polizeibeamten erste gesicherte Fakten fest. Bezüglich der Angeklagten ist unumstritten, dass sie kurz vor dem Verbrechen zwei aussereheliche Beziehungen mit zwei Schweizer Männern eingegangen ist. Sie sei von ihrem Ehemann vernachlässigt worden, gab die Angeschuldigte als Grund für die Seitensprünge an. Es habe ihr endlich jemand zugehört, fügte sie hinzu sie.
Ebenso ist gesichert, dass Einbrecher als Täter nicht infrage kommen. Laut Staatsanwalt hatte die Beschuldigte nach dem Mord in der Wohnung Kleider verstreut und den Inhalt ihrer Handtasche auf dem Sofa ausgeleert. Mit dem Ziel, einen Einbruch vorzutäuschen.
Ein Angehöriger der Kantonspolizei Zürich hat dazu als erster Zeuge vor Gericht ausgeführt, dass es am Tatort keinerlei Hinweise auf einen Einbruch gebe. Zudem trafen die Polizeibeamten auf eine aussergewöhnlich gründlich aufgeräumte Wohnung. Womit laut dem Zeugen die «Einbrecher-Theorie» für die Fahnder schon nach wenigen Stunden ausgeschlossen war.
Damit kamen nur noch der Mann oder die Frau als Täterschaft in Frage.
Heile Welt trog
Laut Staatsanwalt Markus Oertle war es aber die gebürtige Oesterreicherin, die kurz vor den Weihnachten 2007 ihre beiden siebenjährigen Kinder in ihren Betten im Schlaf erstickt hatte. Der Grund: Die Mutter wollte infolge einer Lebenskrise ihre Kinder loswerden.
Anlässlich ihrer Verhaftung hatte sie noch ihre Ehe mit ihrem um fünf Jahre älteren Mann als heile Welt beschrieben und Einbrecher als Täterschaft bezeichnet. Was sich bereits in der Untersuchung, aber auch am Mittwoch vor dem Geschworenengericht als Schein entpuppte.
Bereits 1999 verlor die Angeklagte eine erste Tochter nach wenigen Monaten. Worauf sich die Mutter in eine Esssucht flüchtete und massiv übergewichtig wurde. Kurz vor dem Doppelmord nahm sie gleich mit zwei Liebhabern intime Beziehungen auf. Dabei soll sie am 21. Dezember 2007 am selben Tag mit beiden Verehrern sexuell verkehrt haben.
Viele Widersprüche
Am ersten Prozesstag fiel die Angeklagte durch zahlreiche Widersprüche auf. Alleine zur Tatnacht lieferte sie drei unterschiedliche Versionen ab. In den ersten Tagen nach dem Verbrechen hatte sie noch erklärt, dass sie für die Unschuld ihres Mannes ihre Hand ins Feuer legen würde. Nun galt das alles nichts mehr.
Bei den beiden Liebhabern erklärte sie einerseits, dass sie keine gemeinsame Zukunft mit ihnen geplant habe. Andererseits hatte sie noch kurz vor der Tat einem der Verehrer eine SMS-Botschaft geschickte. Darin stand wörtlich: «Ich hoffe, dass ich dir morgen gehöre.» Vor Gericht sagte sie, bloss gemeint zu haben, dass sie von ihm hoffentlich bald hören werde.
Der Prozess wird am Donnerstag mit Zeugen und Experten fortgesetzt.

























