Lustvolle Lichtspiele

07. September 2009 15:18; Akt: 07.09.2009 16:47 Print

Erstes Porno-Filmfestival in Zürich

von Annette Hirschberg - Kultur aus der Schmuddelecke: Am ersten «Porn Film Festival» in Zürich werden 36 Pornoklassiker gezeigt. Den Schwerpunkt bilden surreale Filme der 70er- und 80er-Jahre. Zu sehen sind auch Pornostars wie die spätere italienische Abgeordnete Cicciolina und «Pornoheidi» Laetitia.

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Café Flesh aus dem Jahr 1982 von Regisseur Rinse Dream ist einer der Klassiker vom Porn Film Festival. Surreale Szenen und seltsame Dialoge wie hier in Night Dreams von Regisseur Rinse Dream prägten die frühen Pornofilme. Einer der Klassiker, des Festivals ist New Wave Hookers mit der damals 16-jährigen Traci Lords. Traci benutzte den Geburtsschein der Schwester eines Freundes, um damit in ihrem Führerschein volljährig zu erscheinen. Zwischen 16 und 18 Jahren spielte sie in 100 Hardcore-Pornofilmen mit. Bald war sie weltweit eine der populärsten Darstellerinnen des Genres. Traci Lords nahm nach dem Auffliegen ihrer Minderjährikeit Schauspielunterricht und spielt heute in TV-Serien und Filmen mit. Ihre bekanntesten Auftritte hatte sie in in John Waters' Cry-Baby (1990) und in Blade (1998). Auch Ilona Staller (Cicciolina) hat aus ihrer Pornokarriere Kapital geschlagen. Die heute 57-Jährige stieg mit ca. 18 ins Pornogeschäft ein. Gleichzeitig war sie auch schon früh politisch aktiv. 1985 schloss sie sich der Partito Radicale an und kämpfte gegen Nuklearenergie, den Hunger in der Welt und für Menschenrechte. 1987 wurde sie italienische Abgeordnete – damals hatten Frauen 6,5 Prozent der Sitze inne. Als Moderatorin von «Radio Luna» plauderte sie schon in den 70er-Jahren über Kondome, Aufklärung, Homosexualität, G-Punkte und die empfehlenswerten Stellungen des Kamasutra. 1991 heiratete sie den US-amerikanischen Objektkünstler Jeff Koons. Bereits 1992 brach die Ehe mit Koons wieder auseinander. Kurz nach der Trennung wurde ihr gemeinsamer Sohn Ludwig geboren. Cicciolinas Markenzeichen ist die entblösste Brust. Hier zeigt sie sie an der IFA 1987. John Holmes begann seine Pornofilmkarriere 1969 und setzte sie bis kurz vor seinem Tod fort (er starb an Aids). Er hat in ca. 1750 Filmen mitgespielt, wobei sehr viele Filme an nur einem Tag gedreht wurden. Er hatte vor der Kamera sowie außerhalb des Filmgeschäfts Geschlechtsverkehr mit mehreren tausend Frauen und auch zahlreichen Männern. In deutschsprachigen Ländern trug er den Spitznamen „Mister 33 Zentimeter“. Sasha Grey begann ihre Karriere 2006, mit 18. Ihre erste Szene war eine Orgie mit Rocco Siffredi. 2008 übernahm sie die Hauptrolle im Mainstreamfilm von Steven Soderbergh: The Girlfriend Experience. Laetitia Zappa wurde am 14. März 1996 durch den Dokumentarfilm Heidi im Pornoland bekannt. In der Zeit war Zappa mit Pornostar Rocco Siffredi liiert. Als Siffredi sie verliess, stieg sie aus dem Pornogeschäft aus.

Auch das ist Kultur: Kino Stüssihof in Zürich zeigt zwei Wochen lang die Klassiker der Porno-Filme.

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«Porno war früher subversiv und nicht immer erotisch», sagt der Zürcher Porno-Produzent Peter Preissle. Man habe ganz andere Dialoge und Schnitttechniken verwendet. Diese Seite der Sex-Industrie will Preissle im ersten Zürcher «Porn Film Festival» zeigen. Parallel zum Zürcher Filmfestival zeigt das Kino Stüssihof in Zürich während zwei Wochen ausschliesslich Porno-Klassiker. Das Festival eröffnet am 24. September und dauert bis zum 7. Oktober 2009.

Minderjähriger Pornostar: Traci Lords

Im Programm sind unter anderem die surrealen Lust-Filme der amerikanischen Porno-Regisseure Rinse Dream oder Gregory Dark. Von Letzterem werden alle Ausgaben von «New Wave Hookers» am Festival zu sehen sein. Die Reihe wurde berühmt, weil im ersten Teil aus dem Jahr 1985 die Darstellerin Traci Lords erst 16 Jahre alt war. Als ihr Alter bekannt wurde, zogen die Jugendschutzbehörden mehrerer Länder den Film aus dem Handel zurück. Der Film wurde schliesslich mit einer Ersatzszene, in der eine volljährige Darstellerin zu sehen war, doch noch in den Pornokinos gezeigt. «Wir zeigen natürlich das Original mit Lords, in der Schweiz ist das legal», so Preissle.

Wiedersehen mit «Pornoheidi»

Andererseits möchte der Porno-Produzent mit seinem Festival die Pornostars von früher zelebrieren. «Etwa John Holmes mit seinen 33 Zentimetern oder Sasha Grey, die heute in Mainstream-Filmen mitspielt und eine Hauptrolle in Steven Soderberghs Film «The Girlfriend Experiment» erhielt.» Unter den Pornostars fehlt auch die wohl berühmtste Schweizer Pornodarstellerin nicht: Laetitia Zappa, besser bekannt als «Pornoheidi». Die heute 35-Jährige wurde 1996 durch den Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens «Heidi im Pornoland» bekannt. «Sie wird vielleicht auch als Star am Festival auftreten und Autogrammkarten unterschreiben», frohlockt Preissle.

Die frivolste italienische Abgeordnete

Eine Darstellerin, die über das Reich der zuckenden Begierde hinaus international berühmt wurde, wird ebenfalls zu sehen sein. Der italienische Pornostar Cicciolina (Ilona Staller), der für die linke italienische Partei Partito Radicale 1987 ins nationale Parlament gewählt wurde. Sie vertrat die Partei bis 1992 in Rom und fiel durch mehrere Skandale auf. «Wir zeigen von ihr den Porno Cicciolina von 1982», so Preissle.

Keine Preisverleihung, dafür Duftkino

Zu einem Pornofestival gehören neben Gestöhne und viel nackter Haut auch eine Preisverleihung. Am Porn Film Festival in Berlin etwa vergibt eine Jury den Preis für den besten internationalen Kurzfilm und den besten schwulen Film. Ganz anders in Zürich: «Wir können uns nicht leisten, teure Juroren einfliegen zu lassen, wir sind dafür zu klein», sagt Preissle. Dafür wird zum Abschluss der Film «Smells like Sex» gezeigt. Zur Vorführung gehört eine Duftkarte, die den Zuschauer den Film nicht nur mit Augen und Ohren, sondern auch mit der Nase miterleben lässt.

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