Zoo Zürich

09. September 2008 14:50; Akt: 09.09.2008 18:11 Print

Ameisen-Invasion in der Masoala-HalleAmeisen-Invasion in der Masoala-Halle

von Adrian Müller - Kleine Viecher mit grosser Wirkung: Im Masaola-Regenwald des Zoos Zürich breiten sich die Ameisen aus und belasten das empfindliche Ökosystem. Der Zoo will mit eingeflogenen natürlichen Feinden der Plage beikommen.

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Zigtausende Insekten teilen sich mit 20 000 Pflanzen die Masaola Regenwaldhalle im Zoo Zürich. Und die fühlen sich zählbar wohl: Seit der Eröffnung im Juni 2003 treffen immer neue Tierchen im gläsernen, 11 000 Quadratmeter grossen Regenwald ein. Soweit die guten Nachrichten.

Leider kriechen auch zahlreiche ungebetene Gäste unter der Glaskuppe: «Im Moment hat es viele Ameisen, sie belasten die Pflanzen», sagt Zoodirektor Alex Rübel gegenüber 20 Minuten Online. Es handelt sich dabei um eine besonders kleine Ameisenart, welche bei einer Pflanzenlieferung eingeschleppt wurde. Dramatisch sei die Lage aber nicht: «Das biologische Gleichgewicht ist durch die Ameisen nicht gefährdet», betont er.

Freie Bahn für Läuse

Die Insekten beweisen einmal mehr, dass sie äusserst clevere Tierchen sind. «Die Ameisen melken die Läuse», erläutert Rübel, und das hat Folgen. Unter dem Schutz der Ameisen, die sich vom Läusesaft ernähren, haben die Tiere freie Bahn. Die Läusepopulation gedeiht prächtig. Die Tiere befallen aber immer mehr Pflanzen und fressen die Blätter weg.

Zoo importiert natürliche Feinde

Der Zoo will die wachsende Ameisengemeinde nicht mit der Chemiekeule bekämpfen: «Wir wollen neue Reptilienarten aus Madagaskar ansiedeln, welche das Wachstum der Ameisenkolonie stoppen sollen», sagt Rübel. Schlangen, Eidechsen, Leguane? - Um was für Reptilien wird es sich bei den natürlichen Ameisenbekämpfern wohl handeln? Rübel: «Wir werden aus Madagaskar Blumentopfwürmer einfliegen, welche Blindschleichen ähneln». Die wissenschaftliche Bezeichnung der Ameisenfresser lautet Ramphotyphlops braminus.

Kann das gut gehen? Zu den Problemen im Zürcher Masaola-Regenwald will sich ETH-Biologe Andreas Müller nicht äussern. Er hält jedoch fest: «Die Ökosysteme der Tropen sind extrem kompliziert». Ob überdachte Tropen oder Open-Air spielt dabei offensichtlich keine Rolle.