Corine Mauch

29. Juni 2009 22:28; Akt: 29.06.2009 23:05 Print

«Ich arbeite 90 Stunden pro Woche für mein Amt»«Ich arbeite 90 Stunden pro Woche für mein Amt»

Die neue Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) ist seit zwei Monaten im Amt. Im Gespräch mit 20 Minuten zieht sie eine erste Bilanz.

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Was haben Sie in den den ersten 60 Tagen am meisten unterschätzt?
Ich habe nicht erwartet, wieviel Zeit in meiner Agenda bereits blockiert ist. Ich wollte eigentlich alle Abteilungen in meinem Departement vor den Sommerferien besuchen. Doch das ist schlicht unmöglich - ich hatte bereits jetzt über 50 Repräsentationstermine.

Welches ist das grösste Problem der Stadt?
Die Wirtschaftskrise mit den steigenden Arbeitslosenzahlen. Die Stadt muss hier antizyklisch handeln. Arbeitsintegration oder Aktivitäten der Stadt als Lehrstellenvermittlerin - wir arbeiten intensiv daran, die Auswirkungen der Krise auf die Stadt möglichst abzufedern.

Die Banken bilden ein Klumpenrisiko für die Stadt - müssen wir uns daran gewöhnen?
Die Banken haben uns in der Vergangenheit geholfen, die städtischen Finanzen zu sanieren und sie sind wichtig für die Steuereinnahmen. Aber die Mehrheit der Zürcher Arbeitsplätze sind ausserhalb des Finanzsektors; die meisten bei Klein- und Mittelunternehmen. Gerade in der sogenannten Kreativwirtschaft steckt grosses Potenzial, auf das wir setzen wollen.

Zürich hat den ersten Platz in der Lebensqualität an Wien verloren. Warum?
Wir wurden von Wien überholt, verloren haben wir nichts. Die Mercer-Studie hat Wien gewählt, weil es das bessere Kulturangebot hat. Und das zeigt uns, dass wir Kultur auch in der Krise nicht vernachlässigen dürfen.

Die Hardturm-Anwohner haben sich bei Ihnen dafür bedankt, dass das ursprüngliche Stadion-Projekt gestoppt wurde. Was haben Sie dazu beigetragen?
Sie schreiben der Stadtpräsidentin viel zu viel Macht zu. (lacht). Es war ein gemeinsamer Entscheid der Trägerschaft das Projekt zu stoppen. Mit seiner langen Geschichte und in der momentanen Situation war das alte Projekt nicht mehr realisierbar. Umso wichtiger, dass die Stadt und die Credit Suisse die Basis für ein neues Projekt legen konnten.

Ihr Vorgänger ist in den Medien noch immer präsent. Stehen Sie in seinem Schatten?
Eigentlich nicht. Ich mache meinen Job. Ich treffe Elmar Ledergerber manchmal an Veranstaltungen, aber wir sprechen nicht über mein Amt . Die Verwaltung ist letztlich der Know-how-Träger des Stadtpräsidiums.

Gibt es Sachen, die sie nicht verwirklichen können?
Grosse Sprünge können wir bei der jetzigen Wirtschaftslage definitiv nicht mehr machen. Wir müssen unser Budget den Möglichkeiten anpassen. Das war in den letzten Jahren eben kaum ein Thema. Schlimm finde ich das aber nicht, denn es ist eine Chance auch für eine Neuausrichtung. Beispielsweise in Richtung 2000-Watt-Gesellschaft, wo die Stadt Zürich eine Vorreiterrolle übernehmen soll.

Wie sieht ihr Tagesablauf aus?
Ich stehe früh auf und gehe spät ins Bett (lacht). Der Tag ist total mit Terminen ausgefüllt. Mein Vorgänger sagte immer, er arbeite 90 Stunden pro Woche. Ich dachte, dass ist unmöglich. In der ersten Woche waren es bei mir 76, jetzt sind es auch rund 90 Stunden pro Woche. Das Privatleben leidet schon ein wenig – man muss stark dafür kämpfen, noch eines zu haben.