Blutvergiftung übersehen

04. Januar 2009 09:28; Akt: 05.01.2009 09:45 Print

Vierjährige stirbt an Fieber - Diagnoseirrtum?Vierjährige stirbt an Fieber - Diagnoseirrtum?

Drei Tage nach Heiligabend bringt eine Familie ihre vierjährige Tochter mit 40 Grad Fieber ins Kantonsspital Aarau. Der Arzt stellt die Diagnose Erkältung und gibt dem Kind ein Zäpfchen. Stunden später stirbt das Mädchen.

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Am Samstag kommt die Familie aus Olten aus den Skiferien in den Walliser Bergen nach Hause. Alle sind krank. Bei der vierjährigen Tochter messen die Eltern 40 Grad Fieber. Darauf fahren sie in die Notaufnahme der Kinderklinik am Kantonsspital Aarau (KSA), schrieb gestern die Zeitung «Sonntag».

Dort muss die Familie zweieinhalb Stunden warten. Dann kommt ein Arzt und eine Krankenschwester und sehen sich das Kleinkind an. Derzeit seien viele Kinder erkältet, erklärt der Arzt der indischen Familie und gibt dem Mädchen ein Zäpfchen. Am Samstagnachmittag um 16.00 Uhr stirbt das Mädchen.

Staatsanwalt ermittelt

Die Behörden nehmen umgehend Ermittlungen auf. Der zuständige Solothurner Staatsanwalt Christoph Fricker sagt gegenüber dem «Sonntag»: «Eine rechtsmedizinische Obduktion, mit mikrobiologischen, bakteriologischen und virologischen Untersuchungen ist erfolgt.»

Wie der «Blick» am Montag berichtet, sollen die Ärzte beim Mädchen eine Blutvergiftung übersehen haben. Dr. Gerald Berthet, leitender Arzt der Notfallstation bestätigt: «Von der Berner Rechtsmedizin hörte ich, dass das Kind gemäss erster Untersuchungsresultate an einer Blutvergiftung starb. Die Sepsis entstand durch eine Bakterien-Infektion [...]. Es ist anzunehmen, dass das Mädchen an einer Infektion im Rachenraum litt.»

Gegenüber dem «Sonntag» sagt Staatsanwalt Fricker: «Nach einer ersten mündlichen Rückmeldung des Institutes gehen wir davon aus, dass allenfalls ein Diagnose-Irrtum vorliegt.»

Das Kantonsspital Aarau untersucht den Vorfall. CEO Urs Karli versuchte bisher vergebens, die betreffenden Mitarbeiter zu erreichen. Diese weilen derzeit in den Ferien. Deswegen kann Karli nicht sagen, wer die mutmassliche Fehldiagnose gestellt hat. Für Notfallarzt Berthet ist jedoch klar, hätte man das Mädchen mit Antibiotika behandelt, wäre es noch am Leben.