Mordprozess 2.Tag

11. März 2010 12:24; Akt: 11.03.2010 13:25 Print

«Wer hat so etwas getan?»«Wer hat so etwas getan?»

von Attila Szenogrady - Als die Fahnder der Kapo Zürich den Tatort in Horgen untersuchten, wo die 7-jährigen Zwillinge getötet wurden, waren ihnen schnell klar, dass nicht eingebrochen wurde.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Am zweiten Prozesstag im Fall der getöteten Zwillinge von Horgen wurden am Geschworenengericht mehrere Angehörige der Kantonspolizei Zürich als Zeugen einvernommen. Wichtig erschienen dabei die Aussagen eines heute 39-jährigen Feldweibels, der in der Nacht auf den 24. Dezember 2007 als einer der ersten Polizisten am Tatort eingetroffen war.

Der Zeuge berichtete, dass beide Eltern recht aufgelöst gewesen seien. Sie hätten geweint und seien sich in die Arme gefallen. Der Polizist erinnerte sich zurück, wie er zuerst den getöteten Sohn gesehen habe. Das Gesicht des toten Kind sei bereits blau angelaufen gewesen, erinnerte er sich zurück. Danach habe ihm der Vater bei einem Fenster im Wohnzimmer den vermeintlichen Einbruchsort gezeigt.

Keinerlei Spuren

Der Fahnder berichtete, dass er schon nach kurzer Zeit festgestellt hatte, dass keine Einbruchsspuren vorhanden gewesen seien. So habe er keinerlei Beschädigungen am Fensterrahmen oder Spuren von einem Schraubenzieher festgestellt, sagte er. Zudem habe man ein wenig später auf der mit Tau bedeckten Wiese unter dem Fenster keine Fussspuren entdeckt, hielt er fest. Nicht zuletzt wären professionelle Diebe wohl über den Balkon in die Wohnung eingedrungen, erklärte er.

Vater sprach von Einbruch

Zwei Polizistinnen sagten aus, dass der Vater von einem Einbruch geredet habe. Zudem habe er immer wieder die Frage gestellt: «Wer hat so etwas getan?» Vater und Mutter seien fassungslos und traurig gewesen, sagte eine Beamtin. Andererseits hätten sie sich auch phasenweise sehr ruhig verhalten.

Fest steht, dass die Polizei die Eltern zwecks Spurensicherung zuerst in eine Nachbarswohnung wies und später getrennt abführte. Der Prozess geht am Freitag mit einem sehr wichtigen Zeugen weiter. So tritt der heute 41-jährige Vater in den Zeugenstand. Er wurde bereits nach drei Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen und wird nun die Tragödie aus seiner Sicht schildern. Das Urteil ist auf den 26. März vorgesehen.