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«Ich kann mir die Hölle nicht schlimmer vorstellen»

Eduard Kornfeld ist einer der letzten Holocaust-Überlebenden in der Schweiz. Aus Anlass des Holocaustgedenktages hat 20minuten.ch ihn in Zürich getroffen. Was er 1944 im deutschen Vernichtungslager Auschwitz erlebt hatte, war die Hölle.

Info-Box
In Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 erklärte eine europäische Bildungsinitiative im Jahr 2005 diesen Tag zum Holocaustgedenktag. Seither ermöglicht das Archiv für Zeitgeschichte in Zürich die Begegnung von Jugendlichen mit Holocaust-Überlebenden. In die Konzentrationslager Auschwitz wurden insgesamt mehr als 1,3 Millionen Menschen aus ganz Europa deportiert. Davon wurden hier geschätzte 1,1 Millionen Menschen ermordet, eine Million davon Juden.

Den Alptraum Holocaust vergessen? Eduard Kornfeld schüttelt den Kopf. Er sitzt im Lesesaal des Archivs für Zeitgeschichte in Zürich, wo er gerade einer Schulklasse der Kantonsschule Rämibühl seine Holocaust-Erinnerungen schilderte. Niemals könne er den Horror vergessen. Unmöglich. Bis auf seinen älteren Bruder, der nach dem 2. Weltkrieg nach Israel auswanderte, ist seine ganze Familie - Vater, Mutter und vier Geschwister - vergast worden. Verzeihen? Dieses bestialische Verbrechen der Nazionalsozialisten an sechs Millionen Juden, an seinen Eltern, könne er niemals verzeihen. Er hätte auch nicht das Recht dazu.

Frage: Kann man den Holocaust überhaupt verzeihen?

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Eduard Kornfeld kam 1929 in der Slowakei auf die Welt. Seine Eltern schickten ihn und seinen älteren Bruder 1942 nach Ungarn, weil die Deutschen in der Slowakei mit den Deportationen der Juden begonnen hatten. Das Leben als «Saujude mit Judenstern, der in der Schule mit Steinen beworfen wurde», wurde allmählich gefährlich.

Mit 13 Jahren verbrachte er illegal und Hunger leidend lange Monate und Jahre in der ungarische Hauptstadt Budapest. Er hielt sich in Synagogen versteckt, es gab immer wieder Razzien. Und: Die Eltern kamen nicht, wie vor seiner Abreise abgemacht wurde. Er würde sie nie mehr zu Gesicht bekommen.

Endstation Auschwitz

«Aussteigen! Es gab ein furchtbares Geschrei auf den Geleisen. Ich sah, wie ein Baby vom Lastwagen geworfen wurde. Da sagte ich zu meinem Onkel: Du, wir werden erschossen.» Eduard wurde 1944 nach Auschwitz deportiert. Intuitiv wusste er, was ihn hier erwarten würde. Der Tod, die Hölle auf Erden. Der 15-jährige jüdische Junge kam in den sogenannten Zigeuner-Block mit weiteren 3300 Jugendlichen. «Ich sah einen Kamin und fragte, was das sei. Eine Bäckerei, hiess es. Später erfuhr ich, dass es ein Krematorium war.» Sein enormer Überlebenswille hielt ihn am Leben. Woher nahm er diese Kraft?

Frage: Woher nimmt man den Überlebenswillen?

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Der Glaube an Gott sei allerdings eine schwierige Frage, da müsse er passen. Er könne die Frage weder mit Nein noch mit Ja beantworten. Angesichts des Grauens in den Konzentrationslagern hätte ihn der Glaube oft verlassen. Er erinnere sich an einen Weihnachtsabend, an dem er die Toten begraben musste. «Ein SS-Lagerkommandant legte mich auch auf den Leichenhaufen und höhnte, Du bleibst oben, du bist sowieso bald soweit.»

Bohnen und Speck für die Überlebenden

Von Auschwitz wurde Eduard Kornfeld in weitere KZ im Deutschen Reich deportiert. Die Befreiung durch die Amerikaner erlebte er im KZ von Dachau.
«Wir bekamen Bohnen und Speck. Das war das Todesurteil.» Die Amerikaner meinten es gut, wohl zu gut; das Verdauungssystem der abgemagerten und geschundenen Überlebenden war in all den KZ-Jahren zerstört worden. Viele starben nach der Befreiung an Durchfall. Auch Kornfeld kam ins Spital. Bei ihm wurde eine beidseitige Lungentuberkulose diagnostiziert.

Asylland Schweiz

1949 wurde der Tb-Kranke Kornfeld nach Davos ins Sanatorium für Lungenkranke verlegt. Nach vielen mühsamen, behördlichen Hindernissen wurde er 1965 Schweizer. «Ich bin der Schweiz dankbar. Ich musste kämpfen, um hier bleiben zu können, aber man hat mir geholfen.»

Eine Frage, die Eduard Kornfeld immer wieder gestellt wird: Wie verarbeitet man psychisch den Horror Holocaust?

Frage: Wie verarbeiten Sie die Holocaust-Erfahrung?

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(Videos: Simone Kubli, 20minuten.ch)

Simone Kubli, 20minuten.ch

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