Amoklauf im Furttal

27. Januar 2010 08:23; Akt: 27.01.2010 12:45 Print

«Achtung, er sieht aus wie Osama bin Laden»«Achtung, er sieht aus wie Osama bin Laden»

Bei einem Amoklauf in der Zürcher Gemeinde Buchs sind heute morgen mindestens zwei Personen verletzt worden, einer davon lebensbedrohlich. Der mutmassliche Täter, ein 57-jähriger Italiener, hat sich anschliessend selbst gerichtet. Er soll seine Tat im Vorfeld angedroht haben.

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Drama im Morgengrauen: Der langjährige Angestellte einer Heizungs- und Sanitärfirma betritt kurz vor 7 Uhr die Räumlichkeiten seines Arbeitgebers an der Furtbachstrasse 20 im Gewerbeareal in Buchs ZH.

Es ist noch dunkel, als man den ersten Schuss hört. Dann noch einen. Und noch einen. Sie verfehlen ihre Ziele nicht: Der Geschäftsführer der Firma, ein 58-jähriger Schweizer, ist lebensbedrohlich verletzt. Ein weiterer Angestellter ist mittelschwer verletzt.

Schütze ist tot

Vor dem Gebäude der Firma steht jetzt ein weisses Zelt, umringt von Polizisten. Dort hat sich der mutmassliche Täter, ein 57-jähriger Italiener, nach den Schüssen auf seine beiden Opfer das Leben genommen. Laut «Radio 24» sei er als angenehmer, netter Arbeitskollege bekannt gewesen. Auch der Geschäftsführer.

Mögliches Motiv für den Amoklauf: Dem temporär angestellten Maurer, der in der Gegend wohnt, ist gekündigt worden. Dies berichtet zumindest Radio Zürisee. Gegenüber «Radio 24» berichtete ein Angestellter der Firma, dass der Täter gestern einen Mitarbeiter mit einer Holzlatte angegriffen habe. Daraufhin habe ihn der Geschäftsführer fristlos entlassen.

Zudem soll es eine Warnung gegeben haben: «Ein Angestellter, der vor den Schüssen floh, erzählte uns, dass der Schütze seine Tat angedeutet habe», berichtet die Chefin eines benachbarten Geschäfts gegenüber 20 Minuten Online.

Die Polizei bestätigt dies nicht: «Ob der Mann temporär oder fest angestellt war und ob ihm gekündigt wurde, ist Gegenstand der Abklärungen», sagt Polizeisprecher Werner Benz gegenüber 20 Minuten Online. Auch von einer Ankündigung wisse man im Moment nichts. «Zurzeit ist eine aufwendige Spurensicherung im Gange», sagt Benz. Die Angehörigen sowohl der Opfer als auch des Täters würden betreut.

Nachbarn sind besorgt

Der angeschossene Geschäftsführer ist in Buchs wohnhaft, wo er als dynamischer Unternehmer und SVP-Mitglied bekannt ist. Vor einigen Jahren übernahm er das Sanitärinstallateurgeschäft von dem vorgängigen Besitzer, er ist zudem an einer Firma für Liegenschaftsunterhaltungen beteiligt.

Seine Nachbarn klingelten heute Vormittag bei ihm zuhause, seine Familie ist jedoch nicht da. «Wir sind alle schockiert und sehr besorgt», sagt ein Nachbar gegenüber 20 Minuten Online. Wie «Radio 24» berichtet, sei er auch unter seinen Angestellten als sozialer und umgänglicher Chef bekannt gewesen.

Streit, dann Schiesserei

Das Drama lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt wie folgt rekonstruieren: Der Täter ist mit zwei Pistolen bewaffnet, als er am Morgen früh das Geschäft betritt. Es kommt zu einer Auseinandersetzung mit mehreren Angestellten. Der Mann zieht seine beiden Waffen und feuert. Er verletzt den Geschäftsführer schwer und einen weiteren Angestellten mittelschwer. Letzterer wird von Privatpersonen in Sicherheit gebracht.

Die restlichen Angestellten fliehen in alle Himmelsrichtungen. Die meisten finden bei einer benachbarten Geschenkartikel-Firma Unterschlupf. Ein Angestellter rennt zur ToiToi AG an der Furtbachstrasse 14.

«Er trank einen Kaffee, er weinte»

Erika Koller, Geschäftsführerin der ToiToi AG, erzählt 20 Minuten Online: «Der Angestellte war völlig verstört, er trank einen Kaffee, er weinte». Sie habe mit ihm geredet. «Er erzählte, wie der Amokläufer das Feuer eröffnete. Alle seien in Panik geflüchtet. Der Schütze habe ihm zugerufen: ‚Lauf du nur! Lauf du nur!’»

Wenige Minuten, nachdem der Täter das Feuer eröffnet hat, treffen mehrere Patroullien der Kantonspolizei beim Tatort ein. Es fallen die letzten Schüsse. «Wir umstellten das Objekt, dann gab es einen Zugriff», sagt Kapo-Sprecher Werner Benz. Die Beamten seien im Gebäude auf den schwerverletzten Geschäftsführer gestossen. «Kurz darauf fanden sie den mutmasslichen Täter im Freien. Er hat sich selbst gerichtet», so Benz.

Täter sah «wie Osama bin Laden» aus

Schnell sei die Polizei auch bei ihnen gewesen, erzählt Erika Koller von ToiToi. «Ein vermummter Polizist mit Maschinenpistole stand hinter unserer Glastüre und befahl uns, die Rolläden herunterzulassen und die Türe zu schliessen.» Der Polizist habe sie gewarnt, der Täter sei noch auf der Flucht. «Er sagte uns, dass der Schütze aussehe wie Osama bin Laden – er habe einen langen Bart», so Erika Koller.

(job/ann)