Kinder-Einbürgerung

11. März 2010 23:10; Akt: 12.03.2010 07:38 Print

Behörde schikaniert 13-jährigen TürkenBehörde schikaniert 13-jährigen Türken

von Gabi Schwegler - Hakan* ist in der Schweiz geboren, ist hier zur Schule gegangen und spricht perfekt Schweizerdeutsch. Jetzt will er den roten Pass. Doch beim Einbürgerungsgespräch in Uster ZH stellte man im staatskundliche Fragen, die viele erwachsene Schweizer nicht beantworten könnten.

storybild

Immer in der Hosentasche: Grafik zur Gewaltentrennung.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Fast zwei Wochen lang hatte der 13-jährige er mit seinem Bruder intensiv das zugestellte elfseitige Dossier «Basiswissen Staatskunde» studiert, zu dem ihm der Stadtrat Fragen stellen wollte. Die abstrakte Grafik zur Gewaltentrennung in der Schweiz kopierte er sich gar und nahm sie überall hin mit. «Vor dem Gespräch war ich sehr nervös», so Hakan.

Dann kam das Einbürgerungsgespräch: Fragen zur politischen Geschichte der Schweiz und zur Gewaltentrennung konnte er noch beantworten. Auch drei Bundesräte konnte er nennen. «Doch die vollen Namen der grossen Parteien konnte ich nicht sagen. Ich weiss noch nicht einmal genau, was eine Partei für eine Aufgabe hat», erzählt Hakan. «Als ich sagte, ich wisse es nicht, schaute mich die Frau ganz entgeistert an, so der 13-Jährige weiter. Und die Frage nach den Aussenwachten der Stadt Uster habe er nicht beantworten können, weil er das Wort nicht verstanden habe. «Da fürchtete ich plötzlich, dass ich den Schweizer Pass nicht kriege.»

Bedenken beim Experten

Laut Jörg Schweiter, dem stellvertretenden Stadtschreiber, werden solche Gespräche mit Kindern ab elf Jahren durchgeführt: «In diesem Gespräch klären wir die grundsätzliche Integration ab. Dazu gehört die Sprache, aber auch ein gewisses staatsbürgerliches Wissen.» Der Migrationsexperte und Richter Luca Cirigliano hat Bedenken: «Diese Befragung muss unbedingt altersgerecht gestaltet werden. Sonst ist die Rechtsgleichheit zwischen Kindern und Erwachsenen nicht gewahrt.»

* Name von der Redaktion geändert

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • C. Jaeger am 15.03.2010 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Fragen

    Dass ein Einbürgerungswilliger über das Land, Geographie und Politik Bescheid wissen sollte, ist ganz klar. Viel wichtiger wäre noch, seine Einstellung zu wissen. Wird er nur eine Türkin heiraten, weil eine Schweizerin nicht in Frage kommt? Ist er tolerant anderen Religionen gegenüber? Das wäre genauso wichtig. Wenn er die letzten beiden Fragen negativ beantwortet, ist er nicht gewillt, sich zu integrieren, also kein CH-Bürgerrecht.

  • xy_ am 14.03.2010 21:18 Report Diesen Beitrag melden

    Instrumentiert

    Traurig wenn ein 13 Jähriger, der sich um seine Beheimatung bemüht von dubiosen Kreisen zur Hetze gegen unser Land missbrauch wird.

  • maja naef am 14.03.2010 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Dummheit

    Absolut krass die Aussagen von Schweizern, die meinen ein Schweizer (Eidgenosse) müsste seinen Pass abgeben. Einfach nur dumm.