30-Kilometer-Langlauf

27. Februar 2010 22:35; Akt: 27.02.2010 22:56 Print

Kowalczyk hauchdünn vor BjörgenKowalczyk hauchdünn vor Björgen

Justyna Kowalczyk gewann nach einem packenden Duell mit Marit Björgen Olympia-Gold über 30 km. Laurence Rochat, die einzige Schweizer Teilnehmerin, gab schon in der ersten Runde auf.

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Hauchdünne Entscheidung für die Polin Justyna Kowalczyk über 30 Kilometer.

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Vor dem bei garstigen Bedingungen mit Dauerregen ausgetragenen Rennen in der klassischen Technik war Justyna Kowalczyk mit ihrer lächerlichen Kritik an Marit Björgen negativ aufgefallen. Sie, die einst wegen Dopings gesperrt war, monierte, Björgen verdanke ihre drei Goldmedaillen nur der Tatsache, dass sie Asthmamittel verwenden dürfe. Björgen hätte der Polin das freche Maul noch so gerne mit einer vierten Goldmedaille gestopft. Doch die Norwegerin scheiterte auf der Zielgeraden um wenige Zentimeter. Mit dreimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze geht Björgen trotzdem als Königin der 21. Olympischen Winterspiele in die Sportgeschichte ein.

Björgen hatte den Kampf um den Sieg mit ihrem Angriff zu Beginn der letzten Runde so richtig lanciert. Ausser Kowalczyk konnte keine reagieren. Die Weltcup-Leaderin und Tour-de-Ski-Siegerin schloss zu Björgen auf und behielt im Finish das bessere Ende für sich. Für die Doppel-Weltmeisterin von Liberec ist es nach einer Silber- und zwei Bronzemedaillen der erste Olympiasieg. Damit hat Kowalczyk geschafft, was Skispringer Adam Malysz so oft knapp verpasste. Vor Kowalczyk hatte für Polen erst Wojciech Fortuna, wie Malysz ein Skispringer, Gold an Winterspielen geholt. Fortuna setzte sich 1972 in Sapporo 0,1 Punkte vor «Vogelmensch» Walter Steiner aus dem Toggenburg durch.

Ohne Luft, ohne Chance

Für Laurence Rochat war der einzige Olympia-Einsatz eine einzige Enttäuschung. Schon auf den ersten fünf Kilometern handelte sich die 30-jährige Waadtländerin 32 Sekunden Rückstand ein. Wenig später gab Rochat auf. Zum Verhängnis wurde ihr das nasskalte Regenwetter. Wenn die Luft so feucht ist wie gestern, bekundet Rochat immer wieder grosse Schwierigkeiten mit der Atmung. Auch mit Asthmamittel bekam sie das chronische Problem nicht in den Griff. «So zu scheitern tut brutal weh», sagte Rochat.

Das Abenteuer Vancouver 2010 stand für die mit dem Starkoch Philippe Rochat liierte Athletin schon früh unter einem ungünstigen Stern. Ihre dritte Olympia-Teilnahme verdankte Rochat nur einem Schwachpunkt in den Selektionskriterien von Swiss Olympic. Rochat qualifizierte sich mit einem Sieg im Alpen-Cup und einem 16. Rang im Weltcup für den «Dreissiger». In beiden Rennen profitierte sie von der schwachen Besetzung. Auf umso weniger Verständnis stiess bei den Verantwortlichen, dass sich Rochat wiederholt über Swiss Olympic beklagte, weil man ihr keinen weiteren Olympia-Einsatz als Vorbereitung auf das 30-km-Rennen zugestand.

Dass Rochat in diesem Winter allgemein weit unter ihren Möglichkeiten bleibt, hängt primär mit einem Trainingsrückstand als Folge einer Fersenoperation im Juni zusammen. Ob Rochat ihre Karriere fortsetzt und mit den Weltmeisterschaften 2011 in Oslo noch einmal einen Grossanlass ins Blickfeld nimmt, ist offen. «Ich entscheide nach der Saison», sagte Rochat in einer der bittersten Stunden ihrer (Lang-)Laufbahn.

Ski nordisch. Langlauf. Frauen. 30 km (klassische Technik, Massenstart):
1. Justyna Kowalczyk (Pol) 1:30:33,7.
2. Marit Björgen (No) 0,3 Sekunden zurück.
3. Aino-Kaisa Saarinen (Fi) 1:05,0.
4. Evi Sachenbacher (De) 1:19,2.
5. Masako Ishida (Jap) 1:22,8.
6. Charlotte Kalla (Sd) 1:23,9.
7. Therese Johaug (No) 1:27,6.
8. Kristin Steira (No) 1:30,7.
9. Anna Olsson (Sd) 2:26,6.
10. Karine Laurent Philippot (Fr) 2:37,7.
48 klassiert.
Aufgegeben (u.a.): Laurence Rochat (Sz).

(si)

Olympia 2010 aktuell