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Olympia 2010
01. März 2010 07:39; Akt: 01.03.2010 10:08 Print
Drei Wochen frieren bei dreiundzwanzig Grad
von Herbie Egli, Vancouver - Knapp drei Wochen und 86 Medaillen-Entscheidungen liegen hinter mir. Lange Tage mit Busfahrten zwischen Vancouver und Whistler, «luftigen» Pressezentren und vollen «Houses of Switzerland». Olympia war ein Riesen-Erlebnis - auch dank der Gastfreundschaft der Kanadier.
Am Mittwoch, 10. Februar, betrat ich nach elf Stunden Flug (Zürich – Frankfurt – Vancouver) kanadischen Boden. Das ist mittlerweile fast drei Wochen her. Nachdem ich mein Hotelzimmer in Downtown Vancouver bezogen hatte (über Ausstattung und Grösse schweige ich mich aus) machte ich mir ein Bild vom Pressezentrum am Canada Place direkt am Meer. Herrlich, diese grossen und hellen Arbeitsräume. Weniger herrlich: die stetigen Luftzüge der Klimaanlage. Diese sei auf 23 Grad eingestellt, sagte man mir. Ich fühle 23 Grad anders. Das bestätigen mir Journalisten-Kollegen, die wie ich oft mit dicken Pullovern oder Jacken arbeiteten.
20-Minuten-Online-Reporter Herbie Egli.
Traumstart nach Mass
Nachdem ich am Freitag der Eröffnungsfeier im BC-Place-Stadium in Vancouver beiwohnte, ging es am ersten Wettkampftag gleich mit dem Bus nach Whistler. Gut zwei Stunden Fahrzeit durch die wunderschöne kanadische Landschaft. Schliesslich lancierte Simon Ammann mit seiner 1. Goldmedaille die Spiele aus eidgenössischer Sicht nach Mass. Des Schweizers Freud, des Sportjournalisten Leid: Gewann ein Schweizer eine Medaille, gewann auch mein Arbeitstag an Länge; 12 bis 14 Stunden waren keine Seltenheit. Die Bewegtbilder müssen zu einem Video geschnitten und in die Schweiz übermittelt werden. Es war aber ein schönes Arbeiten.
In Whistler war alles übersichtlicher als in Vancouver. Irgendwie familiärer. Dies trifft auch auf Arbeitskollege Peter Haab zu. In seinem Appartement durfte ich auf einem Bettsofa im Wohnzimmer übernachten. Das war für mich Luxus pur, im Vergleich mit meinem Hotelzimmer in Vancouver. Ich war ihm auch dankbar dafür. Denn nach jedem Schweizer Medaillengewinn noch tief in der Nacht mit dem Bus nach Vancouver zurückfahren, wäre noch anstrengender gewesen.
Die fehlenden Arbeitsplätze
Zu meinem Glück gab es auch Schweizer Medaillen in Vancouver zu feiern. Das ersparte mir weitere Busfahrten von der Grossstadt ins Skiressort in den Bergen und umgekehrt. Von den vielen Fahrten kenne ich mittlerweile fast jeden Stein am Strassenrand. Ein Problem war jedoch an beiden Orten das Gleiche: das Arbeiten in den beiden «Houses of Switzerland». Man will die News und Bilder ja möglichst schnell veröffentlichen.
Sowohl in Vancouver und Whistler gab es nach dem offiziellen Teil der Medaillenfeier jeweils keinen Platz für Medienschaffende. In den Bergen oben war das Lokal schlicht zu wenig gross und mit der Entourage des Medaillengewinners praktisch überfüllt. In der Grossstadt unten wurden sämtliche Tische an Gäste vergeben, damit diese die Schweizer Spezialitäten wie Fondue, Bündnerteller usw. geniessen konnten. Entweder musste man draussen arbeiten oder mit dem Taxi oder Bus ins Pressezentrum zurück.
Eine Nation lebt Olympia
Was mich in Kanada sehr positiv überrascht hat, war die Freundlichkeit der Leute. «How are you? How was your day?» Überall traf man aufgestellte Volunteers oder Privatpersonen, die mit einem das Gespräch suchten und über Gott und die Welt sprachen. Die Leute versicherten mir, dass sie nicht nur wegen Olympia so seien, sondern diese Freundlichkeit auch sonst im Herzen tragen. Ebenfalls beeindruckend war, wie viele Personen irgend ein Kleidungsstück mit dem Nationalsymbol – dem Ahornblatt – trugen. Das habe ich an vergangenen Grossanlässen – wie zum Beispiel der Fussball-EM 2008 in der Schweiz – nicht so erlebt.
Nach knapp drei Wochen verlasse ich am Montagnachmittag Kanada wieder Richtung Heimat Schweiz. Am Dienstagmittag schliesst sich mein Olympia-Kreis mit der Landung in Zürich. Mit im Gepäck werde ich sehr gute und schöne Erinnerungen an diese Olympischen Winterspiele in Vancouver haben. Auf dass es nicht meine letzten waren.











