Tragischer Olympia-Unfall

13. Februar 2010 01:52; Akt: 13.02.2010 02:39 Print

Nahm der Veranstalter den Rodler-Tod in Kauf?Nahm der Veranstalter den Rodler-Tod in Kauf?

von Monika Brand - Nach dem tödlichen Unfall des georgischen Schlittlers Nodar Kumaritaschwili geraten die Organisatoren der Olympischen Winterspiele in Vancouver und Whistler in ein schiefes Licht. Die Bahn sei zu schnell und zu gefährlich, heisst es.

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Ein tragischer Unfall eines 21-jährigen Georgiers überschattet die Eröffnung der Olympischen Winterspiele. Mit einem Tempo von über 140 km/h verlor Rodler Nodar Kumaritaschwili in der letzten von 16 Kurven die Herrschaft über seinen Schlitten und donnerte in einen ungeschützten Stahlträger. Obwohl schnell Hilfe zur Stelle war, konnte der Sportler nicht reanimiert werden.

Der erste tödliche Unfall eines Athleten an Olympischen Winterspielen erschüttert die Sportwelt - und wirft einige Fragen auf: 1. Warum gibt es im Zielraum einen ungeschützten Stahlträger? Und 2. Warum erreichen die Rodler Tempi bis zu 154 km/h obwohl die Bahn in Wistler nur für maximal 137 km/h zugelassen ist?

Organisatoren schweigen bisher

Antworten von Seiten der Organisatoren gibt es bisher noch keine. Gemäss der «Vancouver Sun» soll am Freitagabend, um 18 Uhr Ortszeit (MEZ: Samstag, 3 Uhr), ein Treffen der Verantwortlichen stattfinden, um über die Austragung der Rodelwettbewerbe zu entscheiden. Die Absage steht im Raum. IOC-Präsident Jacques Rogge sprach unterdessen Kumaritaschwilis Familie sein Beileid aus - und fügte lediglich an: «Es tut mir leid, momentan ist es an der Zeit zu trauern und nicht an der Zeit, nach den Gründen zu suchen. Das kommt später.»

Kritik aus Deutschland

Aus dem deutschen Lager - dem Mekka der Schlittler - werden nach dem tödlichen Unfall kritische Stimmen laut. Rodel-Bundestrainer Norbert Loch nannte die Eisrinne von Whistler schlicht «den schnellsten und gefährlichste Kanal der Welt», wie «welt.de» berichtet. Raimund Bethge, der deutsche Cheftrainer für Bob und Skeleton, kritisierte ebenfalls die Beschaffenheit der Rodelbahn: «Alle Fachleute, die von Anfang an mit der Bahn zu tun hatten, haben vor der hohen Geschwindigkeit gewarnt.»

Eine Warnung die offenbar kein Gehör fand. Auch nicht, als Athletinnen und Ahtleten wie die deutsche Anja Huber immer wieder auf die Gefahren hinwiesen. Sie musste sich gar von den Organisatoren sagen lassen, dass das Risiko zum Geschäft gehöre. «Sie begreifen nicht, dass sie mit unserem Leben spielen», so Huber.

«Die Bahn ist zu schnell»

Auch der Schlittel-Weltverband FIL hatte bereits vor einiger Zeit Kritik am olympischen Eiskanal geübt. «Die Bahn ist zu schnell», sagte Präsident Joseph Fendt. «Wir hatten sie für maximal 137 Stundenkilometer geplant. Aber sie ist fast 20 Stundenkilometer schneller. Wir sehen das als Planungsfehler.» Als die Geschwindigkeiten dann deutlich höher waren, konnten es die Streckenbetreiber nicht mehr ändern, verriet ein Insider dem Online-Portal der «Welt». Dabei hatte der Weltverband schon vor mehr als einem Jahr ein Tempolimit in Aussicht gestellt. «Die Gesundheit und die Sicherheit unserer Sportler sind uns wichtiger als neue Bestmarken», so Fendt damals.

Geplant hat den Eiskanal ein deutsches Ingenieurbüro aus Leipzig, das bereits die Rodelbahnen von Nagano, Calgary, Salt Lake City, Lillehammer und Turin entworfen hat. «Die Verbände wollen eine richtig schnelle Strecke», sagte Ingenieur Udo Gurgel gemäss der Berliner «TAZ» während der Bauphase und gibt damit den Schwarzen Peter an den Weltverband und die Organisatoren zurück.

Zahlreiche Stürze

Schnell ist die Bahn definitiv geworden. Zu schnell womöglich. Zur Erinnerung: Kurz vor dem Unfall wurde Kumaritaschwili mit einer Geschwindigkeit von 144 km/h gemessen. Der Tiroler Manuel Pfister setzte am Donnerstag gar die Höchstmarke auf der Olympiabahn auf 154 km/h. Bereits in den früheren Trainings kam es zu mehreren Stürzen, so musste am Donnerstag die Rumänin Violeta Stramaturaru mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung behandelt werden, nachdem sie bei einem Unfall das Bewusstsein verloren hatte (20 Minuten Online berichtete).

Wer diese beiden Vorfälle als Unfälle von Olympia-Exoten abtut und deshalb auf ein eventuell vorhandenes Unvermögen schliesst, liegt falsch. Denn: Der Eiskanal fordert auch den besten Fahrern alles ab. Beim Mittwochstraining stürzten sowohl der amtierende Olympiasieger Armin Zöggeler (It) sowie der deutsche WM-Dritte von 2008, Andi Langenhahn. «Das war echt brutal heftig», kommentierte Letzterer seinen Sturz.

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