«Hockeyhühner» am Boden

17. Februar 2018 08:45; Akt: 17.02.2018 08:45 Print

«Es ist ein Traum geplatzt»

von Marcel Allemann, Gangneung - Keine Medaille für die kultigen «Hockeyhühner». Nach dem 2:6 gegen Russland im Viertelfinal ist die Enttäuschung gross.

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Die Schweizer Eishockey-Nati der Frauen war an diesem Olympia-Turnier Kult. Dafür gesorgt hat Silber-Curler Martin Rios, der im Olympischen Dorf in Gangneung im selben Haus wie sie wohnte, und sie stets als «meine Hockeyhühner» bezeichnete. Die Eishockeyanerinnen empfanden dies keineswegs als despektierlich, sondern liebevoll und so wurde der Begriff «Hockeyhühner» an den Olympischen Spielen salonfähig.

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Der Höhepunkt dieser speziellen Beziehung zwischen Rios und den «Hockeyhühnern» war vor dem Mixed-Curling-Final, als sie ihm ein Video zukommen liessen und ihm in diesem sagten: «Deine Hockeyhühner wünschen Dir viel Glück für den Final!»

Mit Rios verabschiedete sich auch die Siegesserie der Schweizerinnen

Doch kaum ist Glücksbringer Rios, der zuvor nach Möglichkeit stets die Spiele seiner «Hockeyhühner» auf der Tribüne angeschaut hat, weg aus Gangneung (er befindet sich gemeinsam mit Beat Feuz auf dem Rückweg in die Schweiz), endete auch die Siegesserie der Frauen-Nati.

Während sie bei ihrem Bronze-Coup 2014 in Sotschi die Russinnen im Viertelfinal noch mit 2:0 besiegt hatten, verloren sie dieses Mal mit 2:6. «Das Verrückte ist, dass wir damals dominiert wurden und siegten, aber dieses Mal besser als sie waren und verloren», hintersinnte sich Goalie-Frau Florence Schelling.

Man kann daher von ausgleichender Gerechtigkeit sprechen. Doch es ist bitter: Statt den Spielen um die Medaillen stehen nun die Platzierungspartien um die Plätze 5 bis 8 an und die Enttäuschung ist riesig.

Diaz: «Solche Sachen erträgt es nicht»

Die Schweizerinnen gaben das Momentum aus der Hand, als sie mit 2:1 führten und dem dritten und weiteren Treffern sehr nahe waren. Doch stattdessen gelang es den Russinnen nach einem unnötigen Puck-Verlust auszugleichen und anschliessend das Spiel zu drehen. «Wir konnten in den Special Teams nicht mit dem Druck der Russinnen nicht umgehen. Es hing an Details und dem fehlenden Wettkampfglück», befand Trainerin Daniela Diaz.

Zur tragischen Figur wurde dabei Lara Stalder. Die Schweizer «Hockeywomen of the Year» des Jahres 2016 schoss die Nati zwar mit einem wunderschönen Treffer zwischenzeitlich mit 2:1 in Führung, verursachte mit zwei individuellen Fehlern aber auch die Gegentore zum 0:1 und 2:2. Einen krassen Bock schoss später dann auch noch Sabrina Zollinger vor dem entscheidenden 2:4. Unmittelbar zuvor hatte Alina Müller nur den Pfosten getroffen. Es war nicht der Tag der Schweizerinnen.

«Solche Sachen erträgt es auf diesem Niveau nicht», erklärte Trainerin Diaz hinterher. Böse ist sie den fehlbaren Spielerinnen jedoch nicht: «Keineswegs. Sie haben gekämpft bis zum Ende und alles gegeben. Ich bin stolz auf mein Team.»

Untröstlich war indes nach ihrem unglücklichen Match Lara Stalder. «Es war für mich ein ständiges Auf und Ab, aber ich kämpfte stets weiter. Es sind ja nicht nur die zwei Fehler, ich müsste auch vor dem Tor kaltblütiger sein», sagte die Schweden-Söldnerin traurig und meinte weiter: «Es war ein Traum, hier eine Medaille zu gewinnen. Nun beginnen wir zu realisieren, dass dieser geplatzt ist, obwohl wir eigentlich die bessere Mannschaft waren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hockey-Hühner FAN am 17.02.2018 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Nicht aufgeben Mädels,Ihr seid GUT!!Danke für die spannenden Spiele.Macht weiter so!!

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  • Julia. am 17.02.2018 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopf hoch Mädels!

    Es tut mir leid für unsere hart kämpfenden Mädels. Die eine Wahnsinns Vorrunde gespielt haben und dort zeigten dass sie zur Weltspitze gehören. Ihr habt grossartige Spiele gezeigt und darauf könnt ihr sicher stolz sein. Danke Swiss Ladies für schöne Eishockeymomente an diesen olympischen Spiele. Merci Grazie Danke!

  • Kowaltschuk am 17.02.2018 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohl zu sicher

    Die Schweizerinnen waren sich wohl zu sicher. 3 Spiele 3 Siege 13:2 Tore due Russinnen 3 Spiele 3 Niederlagen 1:15 Tore!Die Ausgangslage war klar. Wer aber bei Doppelter Überzahl einen Gegentreffer kassiert und die besten Chancen mehr als fahrlässig kassiert muss sich nicht fragen warum es jetzt nur noch ums dabeisein ist alles geht. Die Leistung von Schelling war nach den super Gruppenspielen heute leider auf dem gleichen Niveau wie jenes der gesamten Offensive.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rofl Rolf am 17.02.2018 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hockeyhühner triffts auf den Punkt

    Wie Hühner haben Sie gespielt... So kanm man nichts gewinnen. Hallo deja-vu

  • CptMcROFLcopter am 17.02.2018 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Russland sollte an diesen olympischen Spielen aber eigentlich gar nicht dabei sein. Staatsdoping und so.

  • urschweizer am 17.02.2018 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Komische Ansichten...

    Frau Schelling: "aber dieses Mal besser als sie waren und verloren". Bei einem 2:6 würde ich NIE von besser als der Gegner reden. Genau daran legt es, dass viele Schweizer in sich selbst verliebt meinen, wir haben bereits gewonnen, das letzte Mal hat's ja auch geklappt. Sorry, verdient verloren - mit solchen Aussetzern 3 gegen 5 und ein Tor kassieren - geht gar nicht.

  • Walti am 17.02.2018 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Schwiiz

    Ein paar richtig blöde Kommentare! Seit wann soll man nach einem Sieg nicht mehr jubeln oder wann bekommen wir einfach einen Ehrentreffer geschenkt ? Die Gruppeneinteilung, der Modus ist sehr fragwürdig. Leider haben unsere Girls heute einen ganz schlechten Tag eingezogen. Es gibt neue Chancen! Danke für die guten Spiele in der Vorrunde.

  • M.N. am 17.02.2018 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Gruppe B

    Man muss den Puck flach halten. Der Modus dieser WM sah vor, dass die Nummer 1 bis 4 der Welt in der Gruppe A sind und die Nr. 5 bis 7 (plus Korea) in der Gruppe B. In der Vorrunde wurde die Schweiz von Japan an die Wand gespielt (38:18 Schüsse) und hat nur dank Schelling gewonnen. Jetzt sind sie gegen die Nr. 4 der Welt ausgeschieden. Eine Nr. 4, die in der Vorrunde alle 3 Spiele verloren hat, mit einem Torverhältnis von 1:15! Da Schweden von Finnland (Nr. 3) auch 7:2 abgefertigt wurde, macht die Gruppe A die Medaillen unter sich aus. Man hätte sich die Spiele der Gruppe B schenken können...