Shiva Keshavan

09. Februar 2018 21:43; Akt: 10.02.2018 01:06 Print

Der indische Pizzabäcker im Eiskanal

Shiva Keshavan ist ein klassischer Olympia-Exot. Der Schlittler startet bereits zum sechsten Mal an Winterspielen.

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Im Ziel leuchtete am Mittwochabend die «1» auf. Kein Wunder: Shiva Keshavan hatte den allerersten Trainingslauf auf der Olympiabahn in Südkorea absolviert. Die «1» blieb natürlich nicht stehen, doch der 36-Jährige liess in jedem der vier Trainingsläufe zwei bis fünf Konkurrenten hinter sich.

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Indien und Schlitteln? Das ist gar nicht so absurd, wie man meinen könnte. Keshavan stammt aus einem Bergdorf im Himalaya. Als Jugendlicher war er auch indischer Meister im Skifahren. Mit drei Jahren sass er erstmals auf einem Holzschlitten. Dennoch ist er natürlich nicht der typische Inder. Keshavans Mutter ist Italienerin und traf ihren Mann beim Trekking im Himalaya. Er selber studierte an der Universität von Florenz internationale Beziehungen.

Angebot für Nationenwechsel ausgeschlagen

Damit er zum wettkampfmässigen Schlittler wurde, brauchte es aber die Bemühungen des Internationalen Schlittelverbandes um grössere Verbreitung. So wurde der Österreicher Günther Lemmerer 1996 nach Indien geschickt, um nach Talenten zu fahnden. Er wurde bei Keshavan fündig, der zum Training nach Innsbruck eingeladen wurde.

Bereits zwei Jahre später nahm er in Nagano erstmals an Olympischen Spielen teil. Seither war der Frauenschwarm mit den langen, pechschwarzen Haaren immer dabei, 2006 in Turin fuhr er als 25. sein bestes Resultat ein. Wie er der «New York Times» erzählte, hatte er sogar ein Angebot des italienischen Verbandes für einen Nationenwechsel. Das sei für ihn aber nie in Frage gekommen.

Der Star kämpft um Unterstützung

In seinem Heimatort ist er ein Star, auch weil er am Asien-Cup zehn Medaillen sammelte. Dass er es nicht noch weiter nach vorne brachte, ist wohl weniger fehlendem Talent oder Einsatz geschuldet. Vielmehr kämpft Keshavan mit den Schwierigkeiten des Exoten. Erst seit diesem Winter hat er einen Schlitten, der speziell für ihn gebaut wurde. Und im Sommer muss er im Restaurant seiner Eltern als Kellner und Pizzabäcker arbeiten, um über die Runden zu kommen.

Unterstützung vom Staat gibt es keine. Als er einmal beim nationalen Olympischen Komitee nachfragte, wollte dieses erst «ein Zertifikat, das beweist, dass Olympische Winterspiele gleichwertig sind mit Sommerspielen». Immerhin machte das NOK nun doch noch 23'500 Dollar locker, um die Reise nach Pyeongchang zu unterstützen.

Das grosse Vorbild ist eine Ski-Legende

Die sechsten Spiele werden wohl Keshavans letzte sein, obwohl er schneller ist denn je. Er möchte aber dafür sorgen, dass sich weitere Inder in den Eiskanal stürzen, und sucht Nachwuchsfahrer. Sein grosses Vorbild ist allerdings auf den Skipisten zu finden: Alberto Tomba. Der hat zwar nur viermal an Olympischen Spielen teilgenommen, dabei aber drei Goldmedaillen gewonnen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 09.02.2018 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das wäre die perfekte

    Olympiade, wenn allo so dächten. Sport ist ein Spiel und nicht ein Kampf um Medaillien. Profisport nur Unterhaltung und Zeitvetreib für die dummen Massen.

  • Pilatus am 10.02.2018 05:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Exot

    Super, darf er mitmachen. Ist wie die Schweiz an der Fussball WM Darf mitmachen.

  • Frau52 am 10.02.2018 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    viel Glück

    "Cool runnings" kommt einem bei dieser Geschichte unweigerlich in den Sinn und war mein erster Gedanke beim lesen des Titels. Finde es nur fair, dass alle bei der Olympiade mitmachen dürfen, und wer weiss, vielleicht reicht es Shiva Keshavan einmal zu einer Medaille. Sportanlässe und sportliche Disziplinen haben mit Talent, Ausdauer, aber immer auch mit einer Portion Glück zu tun. Letzteres wünsche ich dem Indien-Italo.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sporticus am 10.02.2018 15:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rodeln

    Meines Wissens nennt sich die Disziplin Rodeln und nicht Schlitteln.

  • Rainer Zufall am 10.02.2018 15:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geografie ist glückssache

    Indien ist Indien und nicht Süd Asien.

  • xy am 10.02.2018 07:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    indien und wintersport

    ich kenne den besten indischen skifahrer! er ist in armen verhältnissen aufgewachsen, aber in seiner jugend mit altem material den von der armee unterstützten skifahren mit leichtigkeit davongefahren und mehrmals indischer meister im skifahren geworden. er war vor 20 jahren auch für die olympiade qualifiziert, doch das geld reichte nicht, um dahin fliegen zu können. das war hart. nichts desto trotz, er hat seinen weg gemacht. er ist der einzige international zertifizierte indische mountain skiguide, im besten heliskigebiet der welt (region manali, india), und ich hab nie jemand gesehen, der mit mehr stil tiefschneehänge runter kurft!

  • Frau52 am 10.02.2018 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    viel Glück

    "Cool runnings" kommt einem bei dieser Geschichte unweigerlich in den Sinn und war mein erster Gedanke beim lesen des Titels. Finde es nur fair, dass alle bei der Olympiade mitmachen dürfen, und wer weiss, vielleicht reicht es Shiva Keshavan einmal zu einer Medaille. Sportanlässe und sportliche Disziplinen haben mit Talent, Ausdauer, aber immer auch mit einer Portion Glück zu tun. Letzteres wünsche ich dem Indien-Italo.

    • Reto am 10.02.2018 07:57 Report Diesen Beitrag melden

      Kleine korrektur

      An der olympiade machen alle mit, nur jetzt lauffen die olympischen spiele. Aber du hast im grundr vollkommen recht

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  • Pilatus am 10.02.2018 05:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Exot

    Super, darf er mitmachen. Ist wie die Schweiz an der Fussball WM Darf mitmachen.