Schweizer Goldhoffnung

09. Februar 2018 17:51; Akt: 11.02.2018 05:04 Print

Ein sonderbares gemischtes Doppel

von A. Stäuble, Gangneung - Die Aussichten auf Gold im Mixed-Curling sind gut. Dank Jenny Perret und Martin Rios, den Nobodys unter den Medaillenhoffnungen.

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Während draussen die Vorbereitungen für die Eröffnungsfeier auf Hochtouren liefen, brachten sich Jenny Perret und Martin Rios in der Curling-Halle im Olympiapark von Gangneung in Medaillen-Lauerstellung. Zwar haben die Schweizer im vierten Round-Robin-Spiel gegen Norwegen die erste Niederlage einstecken müssen (5:6), mit dem Start ins Turnier haben die amtierenden Weltmeister ihre Ambitionen dennoch unterstrichen.

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Die knappe Niederlage wurmte Martin Rios. Es fiel ihm schwer, den Schalter umzulegen und sich auf das Highlight des Tages zu freuen. «Er muss mir erst Gedanken darüber machen, ob ich an die Eröffnungsfeier gehe», meinte der 36-Jährige etwas trotzig. Den Eindruck, sich dieses womöglich einmalige Spektakel entgehen zu lassen, hinterliess er jedoch nicht. Für Jenny Perret stellte sich die Frage nicht. Sie wäre auch ohne ihren Curling-Partner gegangen.

Der Videoschiedsrichter lässt grüssen

Sich verausgaben konnten sich die beiden nicht, schliesslich stehen am Samstag die Runden fünf und sechs gegen Kanada und Südkorea an. Für Rios ist das Duell mit dem Gastgeber ein weiteres Highlight. Die frenetischen Fans aus Südkorea haben ihm imponiert. Dass die Emotionen teils zu früh mit ihnen durchgehen, lässt ihn genau so schmunzeln wie das nicht bei allen im Detail vorhandene Knowhow. «Es ist wie im Fussball. Wenn ein Tor fällt wird gejubelt. Wenn es auf dem Screen erscheint, dann gleich noch einmal.» Sicher ist sicher.

Der im Vergleich zu anderen Auftritten stark erhöhte Lärmpegel erschwert die Kommunikation. «Wenn es die Situation erfordert, dann verständigen wir uns mittels Zeichen», verriet Rios, und merkte an, dass seine Partnerin manchmal auch laut ist. «Ich höre nicht immer zu, aber sie schreit öfters.» Die 26-Jährige liess wissen, dass sie jeweils schon interveniere, «wenn er nicht macht, was ich will.»

Die Vergangenheit vergessen machen

Ein sonderbares Doppel, das früher auch abseits der Curling-Halle viel Zeit miteinander verbrachte. Als die Seeländerin und der fast zehn Jahre ältere Glarner ein Duo bildeten, waren sie ein Paar. 2015 erfolgte die Trennung, aber nur in sportlicher Hinsicht. Mit der Ernennung ins olympische Programm bietet sich dem Erfolgsduo nun die Chance auf Olympia-Gold.

Im Gegensatz zu Dario Cologna oder Beat Feuz sind sie Medaillenhoffnungen, die in der Heimat kaum Bekanntheit erlangt haben. Dass der Name von Martin Rios seit dem vergangenen Frühling mit einer unerfreulichen Sache in Verbindung gebracht wird, beschäftigt den 36-Jährigen in diesen Tagen nicht. «Hier ist es kein Thema.»

Die Szene ereignete sich vor fast einem Jahr an den Schweizer Meisterschaften in Biel. Die Videosequenz, die erahnen lässt, dass Martin Rios vom Team Glarus einen Stein – möglicherweise unabsichtlich – mit dem Fuss berührt und diesem eine entscheidende Richtungsänderung gibt, machte während Tagen die Runde.

Für Rios ist die Sache als abgehakt bezeichnet. «Das war 2017». Bald könnte in den Köpfen der Schweizerinnen und Schweizer ein anderer Link entstehen, wenn sie den Namen Martin Rios hören, lesen, oder ihn zu Gesicht kriegen: Olympiasieger. Geht es nach Rios, kehrt er im Minimum als Medaillengewinner an den Olympischen Spielen 2018 heim. Eine solche hat er sich zum Ziel gesetzt.

Medaille entscheidet, wie lange man bleiben darf

Unter Umständen würde er gerne länger in Südkorea bleiben, als seine Wettkämpfe dauern. Seine Winterspiele enden spätestens am Dienstag, entweder mit dem Bronzespiel oder dem Final. Sollte er keine Medaille holen, muss er seine Bleibe schon bald verlassen. Dies besagt die Abreiseregelung von Swiss Olympic.

Sie sieht vor, dass die Athleten das olympische Dorf zwei Tage nach ihrem letzten Einsatz verlassen, «damit die anderen Athleten nicht gestört werden», so die Begründung. Die Sportler dürfen bleiben, müssen sich aber selber eine Unterkunft suchen und bezahlen. Ein Medaillengewinner hingegen darf bleiben – so lange er will. Wer verbannt schon einen Winning-Spirit aus einen olympischen Dorf.

Perret bleibt – vielleicht bis am Schluss

Perret bleibt auf alle Fälle. Ab Mittwoch steht die 26-Jährige dem Frauenteam um Skip Silvana Tirinzoni als Ersatzspielerin zur Verfügung und verlässt ihr Olympia-Domizil im besten Fall am Montag, 26. Februar 2018. Tags zuvor, dem Schlusstag der 23. Winterspiele, steigt der Final der Frauen.

Gut möglich, dass die Erste die Letzte sein wird. Ob ihr das Bleiberecht als Medaillengewinnerin dann auch noch gewährt wird? Nach fast einem Monat im olympischen Dorf würde sie wohl kaum noch Gebrauch davon machen wollen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Aemmitaler am 09.02.2018 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Kollegiale Grüsse

    Nur Hinweise. Perret ist 26, nicht 21. Der Zwischentitel "Der Videoschiedsrichter lässt grüssen" hat keinen Bezug im Text. "Für Rios ist die Sache als abgehakt bezeichnet" ist kein Satz. Jedenfalls kein deutscher.

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  • Zbinden Blerim am 09.02.2018 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Er 36 Sie 21 -2015 ein Paar? Er U21 Nationalcoach Sie Spielerin? Hmmmm

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  • Maler50 am 09.02.2018 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kannte ich nicht

    Ich muss gestehen dass ich dieses Duo nicht kannte bis jetzt. Drücke Ihnen natürlich fest die Daumen y es wäre für das Swissteam megatoll wenn mit einer Medaille so früh an den Olympischen Spielen zusätzlichen Schub gäbe!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Solala am 10.02.2018 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Sie haben super gespielt, der Rest geht uns nichts an.

  • Hiphop78 am 10.02.2018 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Schwiiz

    Go for Gold Martin! Ich wünsche dir viel Glück und alles Gute, dein ehemaliger Fussballkumpel André

  • Te Rasse am 10.02.2018 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt das Alter der Dame wirklich

    Falls Ja, bitte nicht nachrechnen

  • tasso am 10.02.2018 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falsch

    Hier sollte es eigentlich um Olympiade gehen,also Sport.Lese ich die Komentare frage ich mich schon,was die damit zu tun haben. Frustrierte Verlierer haben wieder eine Plattform, sich zu melden! Gruesse nach Bern

  • Werni am 10.02.2018 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Volke Absicht

    Mixed Curling- toller Wettbewerb. Schade, dass die CH so einen dubiosen Herrn schickt. War sicher mit Absicht, dass er den Stein beruehrt hat

    • kevin am 10.02.2018 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Werni

      Wen du keine Ahnung hast melde dich eifach nicht. Danke! Warst du dabei? kannst du es beurteilen,nein! Martin Rios ist ein super Sportler und tut sehr sehr vieles für die Curling Schweiz.

    • Hiphop78 am 10.02.2018 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Werni

      Kennen Sie ihn persönlich?

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