Tropenmediziner Johannes Blum

06. September 2017 05:47; Akt: 06.09.2017 05:47 Print

«Auch in der Schweiz gibt es Malaria-Mücken»

Unweit der Schweizer Grenze starb ein italienisches Mädchen an Malaria. Der Tropenmediziner Johannes Blum erklärt, warum ein solcher Fall auch in der Schweiz vorkommen kann.

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In der Nacht auf Montag ist die vierjährige Sofia aus dem norditalienischen Trento an den Folgen von Malaria gestorben. Zuvor hatte das Kind mit seinen Eltern Ferien in dem auch bei Schweizern beliebten Küstenort Bibione verbracht. Obwohl Sofia noch nie ins Ausland gereist war, wurde sie mit einem Erreger angesteckt, der normalerweise in tropischen oder subtropischen Regionen heimisch ist.

«So einen Fall habe ich noch nie gesehen. Sie hätte sich eigentlich unmöglich anstecken können», sagte der Infektionsmediziner Claudio Paternoster vom Santa-Chiara-Spital in Trento zum «Corriere della Sera». 20 Minuten hat Johannes Blum, Leitender Arzt am Schweizerischen Institut für Tropenmedizin in Basel, zum Thema Malaria befragt.

Dr. Blum, wie lange dauert es noch, bis sich Malaria in der Schweiz ausbreitet?
Es gibt immer wieder Malariafälle ausserhalb des Malariagebiets. Es gibt verschiedene Möglichkeit, sich damit anzustecken. Die eine ist, dass eine mit Malaria infizierte Mücke aus einem Malariagebiet hier eingeschleppt wird. Das wäre die Flughafen-Malaria oder die sogenannte Gepäck-Malaria. Jemand, der aus einer Reise in einem Malariagebiet zurückkehrt, bringt eine Mücke im Gepäck.

Das dürfte hier aber nicht der Fall sein, weil das Mädchen aus Trento nicht in der Nähe eines internationalen Flughafens wohnt.
Es gibt eine zweite Möglichkeit, sich mit Malaria anzustecken, und das wäre durch eine Bluttransfusion, bei der das Blut nicht auf Malaria getestet wurde.

Das ist nach Angaben der Familie ausgeschlossen. Das Kind hatte allerdings Kontakt mit zwei Kindern, die sich während eines Aufenthalts in Burkina Faso mit Malaria infiziert hatten.
Eine lokale Übertragung über die Anopheles-Mücke ist möglich. Die kommt tatsächlich in ganz geringer Anzahl sowohl in Italien als auch im Tessin, sogar auch nördlich der Alpen vor. Es werden immer wieder mal einige entdeckt. In ganz seltenen Fällen kann es durch einen kranken Menschen zu einer Übertragung kommen. Zuallerletzt gibt es aber auch solche Fälle, bei denen man nicht sagen kann, wie es zur Ansteckung kam.

Der Ferienort Bibione liegt an der Küste nahe Venedig. Sind die Kreuzfahrtschiffe, die dort anlegen, eine Gefahr?
Es kommt darauf an, wo die Kreuzfahrtschiffe zuvor angelegt haben. Es gibt eine minime Gefahr, dass eine Mücke im Schiff oder in einem Koffer mitgereist ist.

Inwiefern hat der Klimawandel mit der Verbreitung von Tropenkrankheiten etwas zu tun? In der Schweiz verbreitet sich zum Beispiel die Tigermücke.
Die Tigermücke breitet sich aus, aber sie überträgt nicht die Malaria. Nur die Anopheles-Mücke kann Malaria übertragen, und diese ist auch schon mal in der Schweiz beobachtet worden. Aber zu sagen, dass die Schweiz ein Malariagebiet sei, wäre übertrieben.

Besteht auch die Gefahr einer Ansteckung über Tiere?
Nein, das ist ein anderer Erreger. Das ist nicht ein Problem.

Können Sie noch ein paar Tipps geben, wie man sich am Besten schützt vor einer Ansteckung in Europa?
Diese Fälle kann es überall geben, wo es Reisende hat. Und es kann sein, dass man mit der Erderwärmung durchaus damit rechnen muss, dass die Malaria wieder in die Schweiz kommt. Wichtig ist, dass man bei Fieber auch immer an Malaria denkt, auch wenn man nicht gereist ist. Es ist jedoch extrem selten.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G.Buyer am 05.09.2017 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschaftswandel ist die Ursache

    Es ist nicht der Klimawandel sondern der gesellschaftliche Wandel der das Leben gekostet hat. Spitäler sowie Politiker sollten anfangen umzudenken. Bevor die europäischen Völker rebellieren.

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  • carmen diaz am 05.09.2017 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    daran ist nichts brisant...

    ...das ist nur logisch und wurde bereits erwartet. man lässt leute aus afrika einfach durch europa marschieren ohne sie zuerst unter quarantäne zu setzen und den gesundheitszustand vollständig durch zu checken obwohl man weiss das viele von ihnen krankheiten einschleppen die in europa längst ausgerottet sind. ein weiterer tragischer und nicht abzusprechendes versagen der EU...

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  • Lebensarchitekt am 06.09.2017 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein weiteres Problem

    dass natürlich nicht offiziell und klar ausgesprochen werden darf: Vergessene Krankheiten werden durch Flüchtlinge eingeschleppt und in Zukunft noch mehr auftreten. Fazit: Die Globalisierung wird künftig immer mehr neue und gravierende Probleme aufkommen lassen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • jch am 06.09.2017 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Die Mücke ist auch hier!

    Gibt es auch bei uns! Sie werden mit der "Vielreiserei" auch im Gepäck "eingeschleust"!

  • Markus am 06.09.2017 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Spital schuld anstatt Flüchtlinge?

    Ich war auch schon in einem Malariagebiet als Safariturist. Nicht nur Flüchtlinge, sondern auch wir Schweizer könnten diese Krankheit einschleppen. In diesem Fall sehe ich das Versagen beim Spital, das ein 4-Jähriges Kind in das Gleiche Zimmer steckt wie bereits infizierte Kinder!

  • Silvie S am 06.09.2017 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Mückenarten sind gefährlich

    und bitte auch immer alle stehenden Wassertonnen und Ziergefäße im Garten ausleeren, andere Mücken können ebenfalls schlimme Krankheiten übertragen. denke da auch an Leishmanien , gefährlich für Mensch und Tier (meistens werden nur Hundebesitzer gewarnt, übertragbar auf den Menschen) wird nicht gerne publik gemacht.

  • Mediziner am 06.09.2017 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht neu

    Wir hatten schon 1970 in der RS in Kloten einen Malariafall in der Kaserne. Das ist überhaupt nichts neues. Die Mücke war möglicherweise in einem Flugzeugkontainer in die Schweiz gebracht worden. Das ist leider die Kehrseite der Globalisierung.

  • michi am 06.09.2017 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    malaria

    Kann aber nicht verstehen wie man ein kind in ein zimmer, mit malaria infizierten kinder stationiert.