Mexikos Drogen-Pate

09. April 2010 16:30; Akt: 20.04.2010 07:23 Print

«Der Drogenkrieg ist Teil der Gesellschaft»

Für Ismael «El Mayo» Zambada, den mächtigsten Drogenboss Mexikos, besteht kein Zweifel: Polizei und Armee haben gegen die Drogenmafia nicht den Hauch einer Chance.

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Mehrere tausend mexikanische Bundespolizisten sind in der Grenzstadt Ciudad Juarez stationiert worden, um den Kampf gegen die Drogenkriminalität verstärken. Zugleich wurde am Donnerstag ein Grossteil der bisher in den Strassen patrouillierenden Soldaten abgezogen. (Bild: REUTERS/Alejandro Bringas)

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Mexikos Präsident Felipe Calderon habe den Krieg gegen die Drogenmafia, den er im Jahr 2006 vom Zaun brach, bereits verloren, behauptet Ismael Zambada. Der Mann, der im Drogenmilieu als «el Mayo» bekannt ist und für dessen Kopf sieben Millionen Dollar Belohnung ausgesetzt sind, gab erstmals aus seinem Versteck heraus ein Interview.

Dem Wochenmagazin «Proceso» erzählt El Mayo, dass er immer noch um seinen ältesten Sohn Vicente «trauere». Zwar sei er nicht tot, aber seit er festgenommen und an die USA ausgeliefert wurde, habe er keine Ahnung, wo er jetzt lebe. Trotz seinem Groll gegen die Amerikaner: «Wenn ich in den USA ein Geschäft abschliessen kann, mache ich das», sagt El Mayo.

Ständig auf der Flucht, lebt Mexikos mächtigster Drogenboss heute in den Bergen. Er lebt mit mehreren Frauen zusammen, hat fünfzehn Enkelkinder und einen Urenkel. «Der Berg ist mein Zuhause, meine Familie, meine Schutz, mein Land, das Wasser, das ich trinke. Das Land ist immer gut, der Himmel nicht. Der verwehrt uns manchmal den Regen.» Neben seinen Drogengeschäften findet El Mayo noch Zeit für die Landwirtschaft.

Calderon hat verloren

El Mayo kritisiert die Regierung von Felipe Calderon. «Sie kamen zu spät zum Drogenkrieg», sagt er. Man könne nicht «jahrealte Probleme in wenigen Tagen lösen». Die Drogenkriminalität habe sich längst auf allen Ebenen der Gesellschaft eingenistet. Ausserdem werde der Präsident ständig von seinen Mitarbeitern hintergangen. So würden etwa korrupte Regierungsbeamte die Drogenbosse informieren, sobald eine Razzia stattfinde, sagt El Mayo.

Die Regierung habe nicht den Hauch einer Chance, den Krieg gegen die Drogenkriminalität zu gewinnen. Trotzdem hat El Mayo für die Aktionen der Polizei Verständnis. «Sie machen ihren Job und das ist richtig so.» Die Brutalität, mit der die Armee vorgeht, stört ihn aber. «Sie machen alles kaputt, Türe, Fenster. Sie streuen Panik. Das Resultat ist nun die rasant wachsende Anzahl Tote.»

Ob er Angst habe, gefasst zu werden, fragt der Journalist als Letztes: «Ja, ich habe panische Angst, eingesperrt zu werden.» Was würde er machen, wenn es passiert. «Ich weiss nicht, ob ich den Mut hätte, mich zu töten. Ich denke schon.»

(kle)