Exorzismus boomt

03. Dezember 2012 13:03; Akt: 03.12.2012 14:05 Print

«Der Teufel meint es ernst»

Der Antichrist macht niemals Ferien. Und darum hat die katholische Kirche in Rom ihr Exorzisten-Team ausgebaut. Für dringende Fälle wurde eine Hotline eingerichtet.

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Die Exorzisten-Team ist von 6 auf 12 erweitert worden. (Archivbild: Der Exorzismus der Anneliese Michel in Deutschland im Jahr 1976)

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Die Zeiten sind hart. Das muss jetzt sogar der Teufel einsehen. Machte es ihm die katholische Kirche bislang einfach, ändert sich das nun radikal: Bisher hatte das heilige Kollegium der Exorzisten sechs Mitglieder, doch ab sofort gibt es doppelt so viele Gotteskrieger. Hinter dem Personalausbau steht der Erzbischof von Mailand, Angelo Scola, ein aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von Benedikt XVI. auf den Heiligen Stuhl.

Mit dem Teufel sei nicht zu spassen, heisst es aus der Diözese Mailand. Echte Fälle von teuflischem Eindringen in menschliche Körper gebe es sehr wohl, so Monsignore Angelo Mascheroni, der seit 1995 für das Exorzisten-Team in Rom verantwortlich ist. In einer Pressemitteilung auf der offiziellen Webseite des Erzbistums behauptet Mascheroni, dass es immer mehr Anfragen von Gläubigen zum Thema Exorzismus gebe. Die Menschen würden bei ihm wegen einer Kontaktadresse oder einer Telefonnummer anfragen, weil sie glaubten, sie selbst oder ein Verwandter sei vom Satan besessen.

Der Herr ist stärker als der Teufel, beruhigt der Exorzist

Viele dieser Menschen seien schon einmal auf der Suche nach Hilfe in die Hände von skrupellosen Scharlatanen geraten. Hexer und Heiler hätten vielen Betroffenen nur das Geld aus der Tasche gezogen, ohne ihnen wahren Schutz zu bieten. «Darum», sagt Monsignore Mascheroni, «haben wir in der Kurie eine Hotline eingerichtet. Von Montag bis Freitag von 14.30 Uhr bis 17.00 Uhr können Menschen in Not anrufen. Sie werden dort eine passende Auskunft erhalten, damit sie nicht lange Reisen unternehmen müssen.»

Die Hauptfunktion der Exorzisten wird sein, den verzweifelten Leuten zuzuhören, so der Monsignore weiter. Dabei muss eine klare Botschaft vermittelt werden: «Der Herr ist stärker als der Teufel.» Obwohl es kein typisches Bild von den Besessenen gibt, sehen viele den Satan in Momenten von persönlichen Krisen. Dann hockt das Böse in einem Jugendlichen, der Drogen konsumiert oder sich weigert, in die Schule zu gehen. Oftmals wäre der «besessene Angehörige» auch besser bei einem Psychiater aufgehoben, gibt Mascheroni zu. Und dann gebe es Fälle von erschrockenen Teenies, die nach einem Ouija-Spiel das Gefühl hätten, der Teufel habe ihre Körper befallen. Mascheroni beruhigt: «Wenn ihr nur zum Spass gespielt habt, dann hat euch der Teufel nicht ernst genommen. Der Satan ist eine ernste Person.»

Da die Hotline noch nicht von Anfragen überrannt wurde, müssen die Exorzisten weiterhin ihre alltäglichen Aufgaben – Messen zelebrieren, Beichte abnehmen – erfüllen. Eines muss aber unbedingt noch zur neuen Hotline gesagt werden: Sie enthält keine dreifache Sechs.

(kle)