Flüchtlingsschiff im Mittelmeer

12. Juni 2018 13:18; Akt: 12.06.2018 13:18 Print

«Die Menschen werden immer verzweifelter»

629 Flüchtlinge harren seit mehr als zwei Tagen auf dem Schiff Aquarius aus. Laut Ärzte ohne Grenzen ist der Zustand der Menschen prekär.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Schiff Aquarius ist seit mehr als 48 Stunden auf dem Meer. 629 Menschen, darunter 11 Kinder, 123 unbegleitete Minderjährige und 7 schwangere Frauen, sind an Bord. Am Samstag wurden sie bei verschiedenen Rettungsaktionen von der französischen Hilfsorganisation SOS Méditerranée auf dem Schiff aufgenommen.

Doch weder Italien noch Malta wollen das Schiff anlegen lassen. Mittlerweile haben sich Spanien und Korsika bereit erklärt, die Flüchtlinge aufzunehmen.


«Wir mussten einige Menschen wiederbeleben»

Auf der Aquarius ist auch ein Team von Ärzte ohne Grenzen. Aloys Vimard, Projektleiter bei der Hilfsorganisation, ist an Bord und berichtet: «Das Schiff ist überfüllt, unsere Kapazitätsgrenze ist überschritten. Wir haben sehr verletzliche Menschen an Bord, die meisten von ihnen sind erschöpft.» Der gesundheitliche Zustand sei zwar stabil, aber sie hätten mehrere Menschen in kritischem Zustand behandeln müssen. «Einige, die fast ertrunken wären, und andere mit Verätzungen. Wir mussten einige Menschen wiederbeleben.»

Eine Reise nach Spanien würde Tage dauern. Doch die Lebensmittelvorräte auf dem Schiff seien fast aufgebraucht. Eine Lieferung aus Malta reiche nur für eine Mahlzeit. Zudem sei die Aquarius kein Passagierschiff.


Flüchtlinge auf dem Schiff verzweifeln

Vimard erzählt vom Gemütszustand der über 600 Menschen auf dem Schiff: «Sie werden immer verzweifelter und fragen uns, warum das Schiff nicht weiterfährt.» Ein Mann habe gar damit gedroht, über Bord zu springen. «Er sagte, er habe Angst, dass er nach Libyen zurückgebracht würde, und dass er das Vertrauen in uns verloren habe.»


Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert deshalb, dass die italienischen Behörden dem Schiff schnellstmöglich einen Hafen zuweisen, damit die Menschen an Land gehen können. Vimard: «Das schlechteste Szenario wäre, wenn wir ohne weitere Anweisung auf See bleiben müssten, in einem überfüllten Schiff mit ängstlichen Menschen an Bord, die mit jedem weiteren Tag immer weiter in Gefahr geraten.»


(sil)