Chloés erstes Interview

25. November 2012 21:03; Akt: 25.11.2012 21:26 Print

«Er wollte mir nicht direkt Böses antun»

Eine Woche nach ihrer Befreiung hat die 15-jährige Chloé im französischen Fernsehen erstmals öffentlich über ihr Entführung gesprochen. Auf die Frage, ob sie sexuell belästigt wurde, antwortete sie ausweichend.

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An einer gemeinsamen Pressekonferenz gaben die französischen und deutschen Ermittler Jean-Luc Laumont (l.) und Reinhard Rentner bekannt, dass gegen den mutmasslichen Entführer der 15-jährigen Chloé wegen Vergewaltigung ermittelt wird. Eine Woche lang war die 15-jährige Chloé Rodriguez aus Südfrankreich vermisst gewesen. Am 16. 11.12 wurde sie in Deutschland in einem Kofferraum gefunden. Lebend und unverletzt. In diesem Unfallauto wurde Chloé im Kofferraum gefunden. Vorausgegangen ist eine intensive Suche. Die 15-Jährige wurde seit dem vergangenen Freitag von ihrer Familie im südfranzösischen Département Gard vermisst. Sie hatte gegen 17.30 Uhr das Haus einer Freundin in einem Dorf verlassen, das rund zehn Kilometer von ihrem Elternhaus entfernt liegt. Der Motorroller von Chloé wurde gegen 22.00 Uhr vor ihrem Elternhaus mit kaltem Motor gefunden worden, mit all ihren persönlichen Gegenständen unter dem Sitz. Lediglich der Helm und ihr Handy fehlten. Versuche, das Telefon zu orten, waren fehlgeschlagen. Der mutmassliche Entführer wurde verhaftet. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen sollen nun Ermittlungen wegen Entführung und Freiheitsberaubung eröffnet werden. Die Freude in Chloés Heimatdorf Barjac war gross, als man das Mädchen wieder gefunden hatte. Die Eltern von Chloé, Violette und Jesus Rodriguez, erzählen an einer Pressekonferenz, wie ihre Tochter das Martyrium ihrer Entführung überstanden hat. Mutter Violette schirmt ihre Tochter bei der Rückkehr ins Elternhaus im südfranzösischen Barjac vor neugierigen Blicken ab.

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Rund eine Woche nach der Befreiung aus den Händen ihres Entführers hat die 15-jährige Chloé aus Südfrankreich erstmals öffentlich über ihre Gefangenschaft gesprochen. Sie habe unter «Todesangst» gelitten, sagte Chloé am Sonntagabend in der Sendung «66 Minutes» des französischen Fernsehsenders M6. Das Mädchen lag im Kofferraum eines Autos und der vorbestrafte Sexualtäter, ein 32-jähriger Franzose, fuhr mit ihr tagelang bis nach Italien.

Ausweichend antwortete sie auf die Frage, ob ihr Entführer sie sexuell belästigt habe. «Er wollte mir nicht direkt Böses antun», sagte sie. «Das bedeutet nicht, dass mir nicht auch andere Dinge widerfahren sind, aber das ist alles, was ich sagen kann.» Die Staatsanwaltschaft in Nîmes hat Ermittlungen zu den Aspekten Entführung, Geiselnahme und Vergewaltigung eingeleitet.

Ursprünglich war das Interview in ihrem Elternhaus in Barjac mit ihrer Mutter und ihrem Vater geplant, hiess es. Die Tochter kam hinzu und war bereit, Fragen zu beantworten. Ihre Schilderung: Sie habe ihren Motorroller neben der Garage geparkt, und da sei ein Mann in den Hof gekommen. «Ich wollte davonlaufen und bin gefallen, da hat er mich zum Auto gebracht.»

Die meiste Zeit im Kofferraum

Die meiste Zeit ihrer einwöchigen Gefangenschaft war Chloé im dunklen Kofferraum eingeschlossen. «Ich war mutlos. Ich habe mir gedacht, dass ich nie wieder nach Hause kommen werde. 24 Stunden lang war es ganz fürchterlich, ich war vernichtet», erzählte sie über die quälenden Stunden in völliger Dunkelheit, in denen sie nicht wusste, wohin die Fahrt ging.

«Wenn man aus seiner Familie und seinem Leben entführt wird, dann kann man nichts anderes als Angst haben. Ja, ich hatte Angst. Ich hatte Angst zu sterben.»

Zwei Tage nach der Entführung hörte sie danach von dem Aufruf ihrer Mutter im Radio. Sie habe von einer Welle der Mobilisierung in Barjac gesprochen. «Das hat mich echt aufgerichtet, ich habe mir gesagt: Jetzt kann ich nicht aufgeben.»

Hoffnung geschöpft

Hoffnung schöpfte Chloé auch, weil ihr Entführer sagte, sie werde vor Weihnachten wieder bei ihrer Familie sein. «Daran habe ich mich festgehalten.» Fliehen wollte sie nicht. «Ich habe daran gedacht, aber was hätte ich in der Nacht im Wald gemacht? Ich hätte mich verirrt, oder er hätte mich am nächsten Morgen gefunden, das wäre mein Ende gewesen.»

In dem TV-Beitrag war ihr Gesicht unkenntlich gemacht. Sie wolle nicht erkannt werden, weil sie ein normales Leben wiederfinden wolle, sagte sie zur Begründung. Während des Gesprächs zwischen Mutter und Vater auf dem Sofa wirkte sie gefasst und ruhig.

Briefe voller Anteilnahme

Auf den Fernsehbildern waren auch Massen von Blumensträussen überall im Haus zu sehen. Chloé hat Briefe voller Anteilnahme und Geschenke aus allen Teilen Frankreichs erhalten. Der Fall hatte in Deutschland und Frankreich grosses Aufsehen erregt.

Chloé war am 9. November vor ihrem Elternhaus entführt worden. Der Mann fuhr mit ihr in dieser Zeit quer durch Frankreich, nach Italien und mindestens zweimal nach Deutschland. Chloé musste den Ermittlungen zufolge die meiste Zeit im Kofferraum liegen. Übernachtet wurde im Auto, abgestellt in Wäldern und auf Feldwegen.

Nur mit Glück entdeckten deutsche Polizisten das Kind im Auto. In Oppenau bei Offenburg (Baden-Württemberg) wurde der 32-Jährige gefasst. Er sitzt in Untersuchungshaft und soll dem Bericht zufolge in den nächsten Tagen nach Frankreich gebracht werden.

(sda)