Theaterabend der Extreme

21. Juni 2012 23:34; Akt: 21.06.2012 23:34 Print

«Es wird sicher auch erotisch»

von P. Dahm - Zürich steht ein 25-stündiger Theater-Marathon bevor: «Nico's Love Instant Movie» verwischt alle Grenzen zwischen Schauspiel, Party und Publikum, erklärt Regisseur Julian Grünthal.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Von Freitagabend, 22., auf Samstagabend, 23. Juni, steht in der Roten Fabrik in Zürich ein 25-stündiger Theater-Marathon auf dem Spielplan. «Nico's Love Instant Movie» der Theatergruppe «Grenzgänger Zürich» erzählt die Geschichte des 19-jährigen Privatpflegers Nico, der «in das erotische Mienenfeld zwischen zwei starken Frauen zweier Generationen gerät».

20 Minuten Online: Herr Grünthal, 25 Stunden Theater – was ist in Sie gefahren?
Julian Grünthal:
Die Dauer von 25 Stunden hat viel mit dem Thema zu tun. Es geht um eine Truppe, die sich ein radikales Dogma gesetzt hat: Sie will extrem billig und wahnsinnig authentisch produzieren. In der Geschichte geht es einerseits um die totale Party, anderseits aber auch um totale Selbstausbeutung. Und deswegen macht es völlig Sinn, wenn wir das Ensemble in genau so eine Situation hineinwerfen – und das Publikum dabei am besten noch mitnehmen.

Konkreter, bitte!
Es ist die Geschichte eines Mitglieds unseres Ensembles: die von Nico. Die Truppe im Stück will daraus einen Film machen – wir werden in der Roten Fabrik eine Filmszene live drehen. Es ist ein Albtraum, den diese Person wirklich hatte.

Ein Albtraum von 25 Stunden?
Wir drehen in den ersten zwei Stunden diesen Albtraum. Ab 22 Uhr ist dann Party und man kann mit dem Ensemble die ganze Nacht durchmachen, während parallel weiter gedreht und auch schon geschnitten wird.

Nach dem Filmen beginnt also das Theater, das wiederum gefilmt wird?
Die Geschichte dieses Ensembles, das den Dreh macht, sich dem Publikum und diesem Irrsinn aussetzt, wird weitererzählt. Parallel zur Party läuft das ganze Ding weiter. Als Zuschauer ist man aber immer in der Ungewissheit: Ist das inszeniert, ist das echt? Gleichzeitig hat man Gelegenheit zu sagen: Ich gestalte das mit!

Der Zuschauer wird eingebunden?
Es geht darum, dass eine Entgrenzung stattfindet und das Publikum sich traut mitzumachen. Es soll ganz in das Universum der Geschichte eintauchen.

25 Stunden sind ein langer Tauchgang ...
Man muss auch nicht 25 Stunden bleiben. Es empfiehlt sich, um 20 Uhr pünktlich zu kommen. Nach Party-Beginn um 22 Uhr kann man kommen und gehen. Man kann die ganze Nacht bleiben. Es gibt auch Kuschelecken! Und es wird sicher auch ein bisschen erotisch werden. Wir haben sogar einen geheimen Stargast.

Wen denn?
Einen weiblichen Stargast. Sehr schön!

Haben Sie keine Angst, dass Zuschauer aus dem Rahmen fallen?
Die Angst ist schon da, aber das ist ein Risiko, das wir eingehen müssen. Schlimm wäre, wenn zu viele Leute unserem Aufruf folgen, 1000 Franken zu spenden, um mit mir ins Bett zu gehen – und das live auf der Bühne einfordern.

Noch ein Risiko, das Sie eingehen müssen! Was wäre der Idealfall für diese Nacht?
Das Beste wäre, wenn wir es schaffen, dass die Leute am Schluss sagen: Wow, so was haben wir noch nie gesehen – so was wird es nie wieder geben. Und wenn sie dann in zwei Jahren unseren Kinofilm sehen, den wir mit dem Material machen wollen, können sie sich doch an den Abend zurückerinnern.


Ein Trailer für «Nico's Love Instant Movie». Quelle: YouTube