Peinliches Armee-Bild

21. Januar 2011 18:14; Akt: 22.01.2011 09:58 Print

«Ich würde die Waffe wegwerfen und rennen»

BBC America hat die Schweizer Armee unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: «Eine sehr, sehr teure Teambildungsmassnahme.» Kein Wunder.

(Quelle: youtube.com)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Seien wir ehrlich, die Welt ist noch nie in Ehrfurcht erstarrt, wenn es um die Schweizer Armee ging. Nach dem Bericht von BBC America dürfte aber auch der letzte Funke militärischen Respekts wohl verloren gegangen sein. Der Sender hat sich in der Winter-RS umgehört und ging der Frage nach: Wieso braucht die Schweiz eine Armee? Zugegeben die ausländische Journalistin war offenbar schon überrascht, dass ein neutrales Land überhaupt eine Armee hat, dass die Schweiz dann auch noch die allgemeine Wehrpflicht kennt, muss sie letztlich komplett aus der Bahn geworfen haben.

«8000 Schweizer sind diesen Winter wieder in die Rekrutenschule eingerückt», beginnt ihr Beitrag, «ihre erste Aufgabe: das Schiessen.» Doch bereits hier merkt selbst der unaufmerksamste Zuschauer, die Frau hat nicht viel übrig für die Armee. Während im Bild die Soldaten alles aus ihren Sturmgewehren rausholen, stellt sie im Off auch gleich die Gretchen-Frage: «Aber für was? Die Schweiz ist neutral und hatte seit 100 Jahren keinen Krieg mehr.»

Der nette Major versucht zwar noch mit physischem und mentalem Training zu argumentieren. Er erklärt, dass die Soldaten lernten eine Aufgabe präzis und unter Druck zu erfüllen, doch für die Journalistin klingt das mehr nach einer «Teambildungsmassnahme als nach einer Armee. Einer sehr, sehr teuren Teambildungsmassnahme», wie sie weiter kommentiert. Das Problem für die Schweiz sei nämlich, dass die Armee 4,5 Milliarden kostet, aber niemand so richtig weiss, wofür man sie überhaupt braucht.

Abhauen als Verteidigungsstrategie

Und dann kommt der grosse Moment der besten Soldaten der Welt. Während die Rekruten im Video ihre Treffer markieren, leitet die Journalistin mit dem folgenden Satz zu den Interviews über: «Am wenigsten wissen es diese neuen Soldaten». Gleich der erste lässt dabei wohl Verteidigungsminister Ueli Maurer die Haare zu Berge stehen: «Ich sehe keinen Krieg auf die Schweiz zu kommen. Für mich braucht die Schweiz keine Armee.»

Ein verständliches Argument im 21. Jahrhundert in der Schweiz, doch selbst wenn ein Krieg ausbricht, dürfte man sich Sorgen machen, wie der nächste Rekrut in seinem Interview beweist. «Ich mag die Waffe nicht», sagt der junge Mann: «Ich mag es nicht, wenn mir jemand sagt, 'schiess in den Kopf'. Das würde ich nie tun.» Doch der junge Rekrut bringt seine Ablehnung noch klarer auf den Punkt: «Wenn ich angegriffen würde, würde ich meine Waffe wegwerfen und rennen.»

«Ich bin stolz auf diesen jungen Mann»

Ueli Maurer wird bestimmt nicht an diese beiden Rekruten gedacht haben, als er von der besten Armee der Welt sprach. Geht es nach den Kommentaren auf Youtube sind es aber genau sie, die die Schweizer Werte vertreten. «Als ich diesen Beitrag auf BBC World News gesehen habe», schreibt ein User, «war ich richtig stolz auf diesen Mann. Leute wie er sind der Grund, warum die Welt die Schweiz liebt.» Ein anderer Youtube-Besucher ist überrascht vom «vernünftigen und emphatischen» jungen Mann. Das sei etwas ganz Neues in der Armee. «Die britischen, europäischen und amerikanischen Truppen täten gut daran, sich ein Beispiel an den Schweizern zu nehmen.» Wenn auch einige wenige nach dem Beitrag nun eine Invasion fürchten, wie das ein User schreibt.

Bleibt der Schweizer Armee ein letzter Trumpf: Auch wenn die Schweizer Neutralität, das Sackmesser und auch die friedvollen Soldaten nun weltbekannt sein mögen, das Land ist es noch lange nicht. Vielleicht stürmen die gegnerischen Truppen deshalb nun auch Schweden und nicht die Schweiz. «Könnte mir mal jemand helfen», schreibt nämlich ein Zuschauer im Kommentar, «ist das jetzt Schweden oder die Schweiz – ich verwechsle die beiden Länder immer!»

(amc)