Attacke auf Manager

06. März 2018 09:40; Akt: 06.03.2018 09:40 Print

«Säure wird als Waffe der ersten Wahl eingesetzt»

In Deutschland wurde ein 51-jähriger Manager mit Schwefelsäure angegriffen. Solche Attacken häufen sich. In Grossbritannien zeigt sich, warum das so ist.

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Schock im Rheinland: Nach dem Säure-Angriff auf den 51-jährigen Manager Bernhard Günther in Haan bei Düsseldorf sind die unbekannten Täter noch immer flüchtig. Wie ein Polizeisprecher gegenüber 20 Minuten erklärte, übergossen die beiden gesuchten Männer den Finanzvorstand des Energieversorgungsunternehmens Innogy mit Säure, «vermutlich mit Schwefelsäure».

Der 51-Jährige war gemäss Bild.de am Sonntagmorgen unterwegs gewesen, um Brötchen zu holen. In einem Park übergossen ihn die beiden Täter mit der Flüssigkeit und flohen. Der Mann konnte noch aus eigener Kraft nach Hause gehen, obwohl er schwer verletzt war. Derzeit befindet sich Günther in einer Spezialklinik.

Sechs Frauen in drei Monaten mit Säure angegriffen

Eine Mordkommission ermittelt wegen versuchter Tötung. Das Motiv der beiden Männer, die zum Zeitpunkt des Angriffes unmaskiert waren, ist noch nicht bekannt. «Wir ermitteln in alle Richtungen», heisst es bei der Polizei. Offenbar mit Erfolg: Gemäss Spiegel.de fanden die Beamten am Tatort einen Handschuh und hoffen nun auf einen DNA-Treffer.

Nach Einschätzung der Frauenrechtsorganisation «Terre des Femmes» ist ein solches Säure-Attentat in Deutschland «eine Seltenheit». Derlei Attentate kämen eher in Bangladesh und Indien vor und würden vor allem von zurückgewiesenen Männern begangen, hiess es noch vor einem Jahr.

Allerdings häufen sich solche perfiden Anschläge auch in Deutschland. Allein in Berlin wurden letztes Jahr in nur drei Monaten sechs Frauen von einem Velofahrer mit Batteriesäure besprüht. Von einem Serientäter mit einem Hass auf Frauen war die Rede.

Alarmierende Zahlen in Grossbritannien

Zahlen zu Säure-Angriffen sind deutschlandweit nicht erfasst, zumal ein «Anschlag mit Säure kein Erfassungskriterium» sei, wie es auf Anfrage beim Bundeskriminalamt hiess. Opfer solcher Attacken werden als «Verbrennungsopfer» geführt. Pro Jahr erleiden in Deutschland nach Angaben des Selbsthilfeverbandes Cicatrix rund 700’000 Menschen eine Verbrennung.

Alarmierend sind die Zahlen in Grossbritannien. 2016 wurden 454 Menschen mit Säure attackiert und verletzt – und das allein in London. Die Tendenz ist in den letzten Jahren auch landesweit deutlich gestiegen.

«Gesichtsschmelzer» im Gang-Jargon

Anders als in den Ländern Südostasiens sind in Grossbritannien vor allem Männer Opfer solcher Übergriffe. Der Grund: Mitglieder von Gangs seien von Messern und von den schwerer zu besorgenden Pistolen auf ätzende Flüssigkeiten umgestiegen, so ein Polizeibeamter aus dem Bezirk Hackney gegenüber «CNN». Kommt dazu: Eine Messerattacke wird als versuchter Mord gewertet. Ein Angriff mit Säure fällt bislang noch unter Körperverletzung. «Säure wird als Waffe erster Wahl eingesetzt, das ist völlig neu», sagt auch Simon Harding, Kriminologe an der Middlesex University in London.

Britische Jugendbanden bezeichnen die ätzenden Chemikalien lapidar als «Gesichtsschmelzer», mit denen sie Menschen überfallen oder Fahrzeughalter zur Herausgabe ihrer Autos zwingen können. Dafür mixen sie ein Gemisch aus Putzmitteln, Ofenreinigern und Beizmitteln zusammen, alles Produkte, die einfach in Apotheken oder Baumärkten erhältlich sind. So drängend ist das Problem rund um die Säure-Attacken schon, dass das britische Innenministerium den Verkauf ätzender Substanzen an unter 18-Jährige verbieten lassen will.

Die Londoner Polizei muss derweil schnelle Hilfe leisten können, denn meist dauert es nur Sekunden, bis sich die Säure durch Haut und Fleisch frisst. Seit letztem Jahr sind über 1000 Londoner Bobbys mit speziellen Erste-Hilfe-Kästen, inklusive Schutzkleidung und fünf Litern Wasser, ausgestattet.

(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dreamdriver am 06.03.2018 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmer als der Tod

    "Himmeltraurig!!" Mehr kann ich dazu nicht mehr sagen! Es geht nicht um verletzen oder töten, es geht darum, Menschen zu quälen - bis ihnen der Tod lieber ist. Wo sind wir nur hingekommen?!

  • Reto Patrick am 06.03.2018 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig kranke Menschen

    Ein Mensch mit Säure zu verätzen, zu entstellen ist momentan das perfideste und schlimmste was einem passieren kann. Vor allem zeigt es das der oder die Täter immer skrupelloser vorgehen. Wer sich schon mal nur ein klein wenig etwas verätzt hat, Bsp. Batteriesäure oder Reiniger, weiss wie unglaublich solche schmerzen sind und wie der Schmerz immer noch heftiger wird umso mehr er sich in die Tiefe des Gewebe reinfrisst. Bedenklich ist aber auch das schon wieder an ein Verbot an unter 18 Jährige diskutiert werden muss, eine Welt mit ausufernden Verboten wegen ein paar kranken Schwachköpfen.

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  • Mon Dieu am 06.03.2018 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kranke Welt

    Wo soll das noch enden...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bud am 06.03.2018 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unumgänglich

    die Welt wächst mit Hinterhältigkeiten und ich begreife dass man sich in Amerika als Person bewaffnen muss! Bald sind auch wir soweit!

  • Mon Dieu am 06.03.2018 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kranke Welt

    Wo soll das noch enden...

  • dreamdriver am 06.03.2018 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmer als der Tod

    "Himmeltraurig!!" Mehr kann ich dazu nicht mehr sagen! Es geht nicht um verletzen oder töten, es geht darum, Menschen zu quälen - bis ihnen der Tod lieber ist. Wo sind wir nur hingekommen?!

  • Reto Patrick am 06.03.2018 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig kranke Menschen

    Ein Mensch mit Säure zu verätzen, zu entstellen ist momentan das perfideste und schlimmste was einem passieren kann. Vor allem zeigt es das der oder die Täter immer skrupelloser vorgehen. Wer sich schon mal nur ein klein wenig etwas verätzt hat, Bsp. Batteriesäure oder Reiniger, weiss wie unglaublich solche schmerzen sind und wie der Schmerz immer noch heftiger wird umso mehr er sich in die Tiefe des Gewebe reinfrisst. Bedenklich ist aber auch das schon wieder an ein Verbot an unter 18 Jährige diskutiert werden muss, eine Welt mit ausufernden Verboten wegen ein paar kranken Schwachköpfen.

    • Grüne Gurke am 06.03.2018 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reto Patrick

      Das Problem ist, dass die Gesetze weltweit viel zu lasch sind für Täter. Täter sollten ab Verurteilung keine Rechte mehr haben.

    • Hannibal Lecter am 06.03.2018 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reto Patrick

      Säuren ätzen eher oberflächlich, Laugen neigen dazu sich reinzufressen...

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  • Sagifar am 06.03.2018 09:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sonst nichts zu tun?

    Was bringt das, Leute mit einer Säure anzugreifen. Sonst nichts zu tun?

    • Jim Knopp am 06.03.2018 12:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sagifar

      Man zeichnet oder entstellt sie teils massiv und erinnert sie so ein ganzes Leben daran . Vor allem wen die Narben im Gesicht gut sichtbar sind .

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