Bizarre Entführung

18. März 2017 19:07; Akt: 18.03.2017 19:07 Print

«Sie haben mich wie ein Tier behandelt»

2015 entführte Matthew Muller eine Frau und vergewaltigte sie zweimal. Nun muss er dafür 40 Jahr ins Gefängnis.

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Am Donnerstag wurde Matthew Muller von einem Gericht in Sacramento im US-Bundesstaat Kalifornien zu 40 Jahren Haft verurteilt. Der 39-Jährige hatte zwei Jahre zuvor ein Paar in seinem eigenen Haus überfallen.

2011 spionierte Muller, ein ehemaliger US-Marine-Soldat, das Haus von Denise Huskins (30) und ihrem Freund Aaron Quinn (31) in der Nähe von San Francisco mit einer Drohne aus.

Er verabreichte ihnen Drogen

Erst 2015 brach der Ex-Elitekämpfer dann in das Haus in Vallejo ein, wie «Bild» berichtet. Er überwältigte Huskins und Quinn kurz vor Sonnenaufgang im Schlafzimmer. Dann fesselte er das Paar.

Um den Eindruck zu erwecken, dass mehrere Entführer im Haus seien, verband er den beiden die Augen und spielte ihnen Aufnahmen mit Stimmen vor. Er zwang sie, Drogen zu trinken. Daraufhin schliefen sie ein.

Wie bei «Gone Girl»

Muller nahm Huskins und legte sie in den Kofferraum seines Autos. Dann fuhr er mit ihr in sein 260 Kilometer entferntes Haus nach South Lake Tahoe. Er vergewaltigte die Frau zweimal. Nach zwei Tagen liess er sie in Huntington Beach frei.

Die junge Frau ging zur Polizei. Doch die Beamten glaubten Huskins' Geschichte von einer Entführung nicht. Die Gewalttat war so ausgeklügelt und bizarr, dass die Polizei davon ausging, dass das Opfer sie erfunden habe – genau wie im Film «Gone Girl», in dem eine Frau verschwindet und nach ihrem Wiederauftauchen fälschlicherweise behauptet, sie sei entführt worden. Die Behörden boten Huskins sogar an, sie und Quinn straffrei gehen zu lassen, wenn sie ihren Partner verraten würde.

«Habe mein Haus in ein Gefängnis verwandelt»

Erst als die Ermittler Muller drei Monate später nach einem Einbruch in ein Haus an der Bucht von San Francisco festnahmen und Quinns Laptop in seiner Wohnung fanden, änderten sie ihre Meinung und entschuldigten sich beim Paar, wie «Daily Mail» damals schrieb.

Seit der Entführung habe er sein eigenes Haus in ein Gefängnis verwandelt, erzählte Aaron Quinn am Donnerstag vor Gericht – aus Angst vor einem erneuten Einbruch. Seine Nichten würden jede Nacht unter ihre Betten schauen.

«Sie suchen da keine Monster», sagte Quinn im Gerichtssaal und wandte sich dem Entführer zu. «Sie schauen, ob Sie da sind.» Sein Leben sei nicht mehr das gleiche.

«Ich habe jede Nacht Albträume»

Auch Huskins ist traumatisiert. «Wir haben eine Hölle überlebt. Ich habe jede Nacht Albträume», meint sie. «Sie haben mich wie ein Gegenstand, ein Spielzeug, ein Tier behandelt», sagte die Frau zu ihrem Peiniger.

Muller hatte nach seiner Marinezeit die Harvard-Universität besucht und wurde Anwalt. 2015 verlor er jedoch seine Zulassung, weil er keine professionelle Arbeit leistete. Der Entführer hatte seit längerem schwere psychische Probleme. Nun muss er 40 Jahre hinter Gitter.

(vbi)