Obamas Kindermädchen

16. März 2012 16:42; Akt: 16.03.2012 16:42 Print

«Vor Barry bin ich als Mann aufgetreten»

von Arlina Arshad, afp - Ganz gewöhnlich war Barack Obamas Nanny in Jakarta nicht: Seine Arbeit verrichtete Turdi als Mann. Nachts aber zog sich der Transsexuelle Stöckelschuhe und ein Kleid an.

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Der kleine Barack Obama (r.) in Indonesien mit seiner Mutter Ann, Stiefvater Lolo Soetoro und Halbschwester Maya. (Bild: Keystone/AP)

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Ein stinkender Abwasserkanal läuft an der Hütte vorbei, kein Fenster lässt Licht in die Baracke. Der 66-jährige Turdi lebt in einem Slum in der indonesischen Hauptstadt Jakarta, seinen Lebensunterhalt verdient er, indem er die Wäsche der Nachbarn mit der Hand wäscht.

Dass sich nun US-Fernsehteams vor der armseligen Behausung drängen, hat mit Turdis Vergangenheit zu tun: Vor über 40 Jahren war der Transsexuelle das Kindermädchen des heutigen US-Präsidenten Barack Obama.

Turdi erinnert sich noch lebhaft an den «kleinen Barry». Obama war acht Jahre alt, als seine Mutter Ann Dunham, die ihrem neuen indonesischen Mann Lolo Soetoro in dessen Heimat gefolgt war, Turdi im Jahr 1970 einstellte. Turdi kochte, erledigte die Einkäufe, kümmerte sich um den Sohn und nähte Umstandskleider, als Obamas Mutter wieder schwanger war.

Gegenüber «Barry» trat Turdi als Mann auf

Seine transsexuelle Identität - als Mann geboren, der sich als Frau fühlt - sei in Obamas Familie kein Thema gewesen. «Sie haben mich immer wie ein Familienmitglied behandelt», sagt Turdi.

«Vor Barry allerdings bin ich immer als Mann aufgetreten, denn er war zu jung, um unsere Welt zu kennen.» Dennoch habe der kleine Barack wohl geahnt, dass er anders sei als andere Männer. «Er war neugierig und wollte immer alles wissen; aber dazu hat er mich nie gefragt und mich auch immer normal behandelt.»

Transsexuelle werden diskriminiert

Nach Feierabend verwandelte sich Turdi in «Evie» - er zog sich Kleid und Stöckelschuhe an und fühlte sich gleich wohler in seiner Haut. «Ich fühlte mich wie aus dem Gefängnis befreit, wenn ich mich als Frau kleidete», sagt Turdi.

Heute verzichtet er auf Frauenkleider, nachdem er mehrfach angegriffen wurde - Trans- und Homosexuelle stossen im mehrheitlich moslemischen Indonesien auf wenig Akzeptanz.

Obama wegen seiner Hautfarbe verspottet

Auch als Obamas Kindermädchen wurde Turdi beschimpft. «Wenn ich ihn von der Schule abholte, machten sich seine Freunde über mich lustig», erzählt Turdi. «Komm, lass uns nach Hause gehen», habe Barack dann gesagt und den Spott seiner Freunde ignoriert.

Auch der Junge selbst sei diskriminiert worden. Andere Schüler hätten ihn wegen seiner Hautfarbe und seiner Haare gehänselt. «Hatten sie ein Football-Spiel verloren, hänselten seine Freunde ihn gerne als 'Barry Negro'», erinnert sich sein ehemaliger Babysitter. Barack habe dazu nur gelacht.

Sozialer Abstieg

Zwei Jahre lang kümmerte sich Turdi um den Jungen - bis er zu seinen Grosseltern nach Hawaii zog. Während für seinen Zögling der Aufstieg begann, ging es mit Turdi bergab. Er arbeitete in den Rotlichtvierteln Jakartas, wurde dort nicht selten misshandelt und landete schliesslich im Elendsviertel.

Er sei sehr stolz auf Barack Obama, diesen «gewöhnlichen schwarzen Jungen, der Präsident Amerikas wurde», sagt Turdi. Und er ist sicher, dass Obama dazu beitragen kann, «alle Diskriminierung in der Welt» zu beenden - auch gegen transsexuelle Menschen wie ihn selbst.

Persönlich erwarte er nichts von dem Präsidenten, versichert der 66-Jährige. Aber zu gerne würde er Obama wiedersehen. «Es ist unmöglich, dass er mich hier in meinem Zimmer besucht. Und nach Amerika zu reisen, davon kann ich nur träumen», sagt Turdi.

Aber sie könnten zusammen Barack Obamas alte Grundschule besuchen, sollte der US-Präsident nochmals nach Indonesien kommen. «Und wenn der Barry, den ich kenne, der gleiche Barry ist, der heute Amerikas Nummer eins ist, dann bin ich sicher, dass er mich als den Menschen akzeptiert, der ich bin - egal ob ich transsexuell bin oder nicht.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • eine transsexuelle FRAU am 17.03.2012 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Transphobie im 20-Minuten

    Ja, transsexuelle Menschen werden wirklich diskriminiert, unter Anderem deshalb, weil Boulevardmedien wie 20-Minuten wie hier über transsexuelle Frauen in der männlichen Form schreiben und behaupten, eine Frau sei einmal ein Mann gewesen. Eine transsexuelle Frau ist eine Frau mit weiblicher Hirnanatomie, die mit männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde. Solange Medien aus diesen Frauen "ehemalige Männer" machen, werden auch weiterhin transsexuelle Frauen verspottet und zutode geprügelt.

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  • Chris am 16.03.2012 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Turdi

    Ich wünschte B. Obama würde ihm/ihr helfen für eine Zukunft ohne Diskriminierung. Nicht als Politiker, aber als Mensch mit finanziellen Möglichkeiten.

  • draga am 16.03.2012 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    yes - we can

    Gott beschütze Barry Obama!

Die neusten Leser-Kommentare

  • eine transsexuelle FRAU am 17.03.2012 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Transphobie im 20-Minuten

    Ja, transsexuelle Menschen werden wirklich diskriminiert, unter Anderem deshalb, weil Boulevardmedien wie 20-Minuten wie hier über transsexuelle Frauen in der männlichen Form schreiben und behaupten, eine Frau sei einmal ein Mann gewesen. Eine transsexuelle Frau ist eine Frau mit weiblicher Hirnanatomie, die mit männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde. Solange Medien aus diesen Frauen "ehemalige Männer" machen, werden auch weiterhin transsexuelle Frauen verspottet und zutode geprügelt.

    • Trans* am 19.03.2012 20:59 Report Diesen Beitrag melden

      Danke! :-)

      ...herzlichst für die Richtigstellung! :-) Trans* Frau = Frau = Sie. Trans* Mann = Mann = Er. Alles gaaaaanz einfach!!! :-) Und zwar von Geburt an, nicht erst seit einem Outing oder einer Transition.

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  • Jasra am 16.03.2012 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... Rührend!!

    Ich finde das total süss, auch wenn Turdi transsexuell ist. Es kommt ja schliesslich auf den Charakter drauf an! Hoffentlich lädt Obama ihn mal zu sich ein! Dass wäre sicher das grösste Geschenk für ihn!

  • Chris am 16.03.2012 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Turdi

    Ich wünschte B. Obama würde ihm/ihr helfen für eine Zukunft ohne Diskriminierung. Nicht als Politiker, aber als Mensch mit finanziellen Möglichkeiten.

  • draga am 16.03.2012 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    yes - we can

    Gott beschütze Barry Obama!