Flüchtiger Mörder

29. Juni 2011 10:13; Akt: 29.06.2011 13:02 Print

«Wir suchen Tag und Nacht nach dem Mann»

von Antonio Fumagalli - Vom Mörder und Vergewaltiger Jean-Louis B. fehlt weiterhin jede Spur. Die Behörden haben heute über die neuesten Erkenntnisse informiert - zentrale Fragen bleiben aber ungeklärt.

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André Duvillard, der Kommandant der Kantonspolizei Neuchâtel (links) und Regierungsrat Jean Studer an der Pressekonferenz zum Fall des flüchtigen Mörders Jean-Louis B. (Bild: Keystone)

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«Die totale Transparenz» versprach der Neuenburger Justizdirektor Jean Studer gleich zu Beginn der Pressekonferenz zum Fall des flüchtigen Mörders und Vergewaltigers Jean-Louis B.. Wie nervös die Behörden angesichts des unrühmlichen Vorfalls sind, zeigte allerdings sein Verhalten vor den Medien: Studer lachte dauernd gequält – und konnte oder wollte entscheidende Punkte zur Flucht des Verwahrten nicht beantworten.

So bleibt beispielsweise offen, wie es möglich war, dass Jean-Louis B. auf dem Ausflug erst eine Aufseherin verletzen und darauf Reissaus nehmen konnte. Für diese Untersuchungen sei der Kanton Waadt zuständig, weil sich die Flucht auf seinem Boden zugetragen habe. Valérie Gianoli, die Vorsteherin des Neuenburger Strafvollzugsbehörde, ergänzte: «Bei Ausflügen sind die Begleiter nie bewaffnet.»

Missverständnisse zwischen den Behörden?

Klar ist hingegen, dass für den Verwahrten – entgegen den ursprünglichen Plänen, die nur zwei «humanitäre Ausflüge» pro Jahr vorsahen – mehrere Spaziergänge ausserhalb der Gefängnismauern organisiert wurden, immer in Begleitung von zwei Aufsehern. So fanden derartige Freigänge im Dezember, Februar und April ohne Zwischenfälle statt. Beim letzten Ausflug am vergangenen Montag kam es dann zur Flucht.

Der Strafvollzug ist in der Schweiz in verschiedene Konkordate aufgeteilt. Der Kanton Neuenburg gehört dabei einem anderen Konkordat als der Kanton Bern an. Offenbar funktionierte dabei die Kommunikation zwischen den verschiedenen Stellen nicht immer reibungslos: «Es ist noch unklar, ob der Kanton Bern wusste, dass der Ausflug ohne den Einsatz von Handschellen und mit unbewaffneten Begleitern stattfinden wird», sagte Studer. Um solche Fragen zu klären, kündigte der Regierungsrat eine administrative Untersuchung zum Fall an.

Kurz: Viele Fragen bleiben offen – und der Flüchtende geniesst noch immer seine Freiheit. Er hat aber ein ganzes Heer von Polizisten auf seinen Fersen. André Duvillard, Kommandant der Kantonspolizei Neuchâtel: «Wir haben ein grosses Dispositiv im Einsatz. Es sucht Tag und Nacht nach dem Flüchtigen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Strolch am 29.06.2011 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Wie naiv kann man sein?

    Er beging bei JEDER Freilassung gleich bei der erst besten Chance eine erneute Straftat. Dies sein lebenlang. Und dennoch ist die Schweizer Justiz so naiv und gewährt ihm einen Ausflug ohne besondere Vorkehrungen. Stark! Dummheit ist hierzu nur der Vorname.

  • Michel am 29.06.2011 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Bedeutung von Verwahrung

    Wow, jetzt weiss ich endlich was es mit der Sicherheits-Verwahrung auf sich hat. Ich Depp dachte immer, die bleiben dann immer iengesperrt aber nein, Urlaub haben die noch zu gute! hoffentlich nicht mehr als 4 Wochen, sonst fühle ich mich ziemlich hintergangen ;)

  • Raffi am 29.06.2011 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Diletanten

    Es ist einfach unglaublich wie Naiv sich die zuständigen Beamten verhalten haben. Ohne Handschellen und und Elektronische Fussfessel einen Psychopaten spazieren zu Führen. Einfach Diletantisch!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Josephine Oetjen am 01.07.2011 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    suche

    schon mal daran gedacht, das er sicherlich nicht so dumm sein wird und in dem kanton bleibt, in dem er am meisten gesucht wird? also bitte

  • martin emmenthal am 30.06.2011 07:29 Report Diesen Beitrag melden

    unvorstellbar und das in der schweiz

    eigentlich gibt es für diese schande gar kein richtiger ausdruck.wäre es nicht so traurig könnte man denken es sei ein witz.das wird solange hin und her geschoben bis es keinen verantwortlichen geben wird und alles läuft wie bisher.schon fast eine schande,dass solche machenschaften mit steuergelder bezahlt werden

  • Kurt Kramer am 29.06.2011 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Es lebe die Kantonshoheit!

    Und dann schieben die Neuenburger die Verantwortung einfach auf die Waadtländer ab! Dieser bis zur Absurdidät gepflegte Kantönligeist mit seinen noch absurderen Konkordaten, welche nicht die ganze Schweiz abdecken, ist schlussendlich schuld an dieser inakzeptablen Panne. Bedenklich! Aber der "Souverän" hängt ja an diesem alten Zopf und verhindert gesamtschweizerische Lösungen. Selber schuld!

  • Paolo am 29.06.2011 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Flucht, keine gute Idee

    Wenn er pech hat, wird er nicht von der Polizei, sondern von der Lynchjustiz gefasst. Wenn ich einer der Väter der Mädels wäre, hätte ich bei der ersten Meldung einen Detektiven engagiert und wäre auf die Jagd.

  • Sandra G. am 29.06.2011 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Menschenrecht

    Es würde mich nicht wundern, wenn der "humanitäre Ausgang" für Mörder, Vergewaltiger und sonstige Kriminelle auch ein Menschenrecht ist!!!