Elbphilharmonie

04. November 2011 16:46; Akt: 04.11.2011 17:33 Print

Baustopp für Herzog & de Meuron-Bauwerk

Wegen Sicherheitsbedenken wurde über den Neubau der Hamburger Elbphilharmonie ein Baustopp verhängt. Das Jahrhundertbauwerk wurde von den Basler Architekten Herzog & de Meuron entworfen.

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Kostenexplosion, Bauzeitverlängerung und nun ein Baustopp: Das Drama um die von den Basler Architekten Herzog & de Meuron entworfene Elbphilharmonie setzt sich fort. In vier wichtigen Bereichen ruhen die Arbeiten - teilweise aufgrund grosser Sicherheitsbedenken.

Ginge es nach dem letzten Vertrag, würden in diesen Tagen die Vorbereitungen für die Eröffnung eines Jahrhundertbauwerks in Hamburg beginnen. Doch die Elbphilharmonie in der Hafencity ist nach wie vor eine Baustelle, der Termin für die Fertigstellung längst auf April 2014 verschoben - und er könnte sich erneut verzögern.

Sicherheitsbedenken bei Decke

Denn statt Baufortschritt herrscht in wichtigen Teilen des Konzerthauses Baustopp. Seit einigen Tagen tut sich nun auch an der Decke des Grossen Saals nichts mehr. Hier sorgt die komplizierte Statik der Stahlkonstruktion für Streit. «Wir haben grosse Sicherheitsbedenken», sagte der Sprecher des Baukonzerns Hochtief, Bernd Pütter, der Nachrichtenagentur dpa.

Diese Einschätzung teilt die Stadt nicht. Ihrer Ansicht nach sind die Voraussetzungen für die Fortsetzung der Bauarbeiten gegeben: «Prüfstatiker und Bauaufsichtsbehörde haben die Planungen freigegeben», erklärte Projekt-Sprecher Karl Olaf Petters.

Insgesamt wird in vier massgeblichen Bereichen nicht mehr gearbeitet, beschreibt Projekt-Sprecher Petters die Situation auf der Baustelle. Teilweise ruhen die Arbeiten bereits seit längerer Zeit, wie zum Beispiel an der historischen Fassade, die verschmutzt und bei der Reinigung beschädigt worden ist.

Auch in der «Tube», der 80 Meter langen Rolltreppe, herrscht Stillstand. Das Kunstwerk ist von einem Nachunternehmer mit einem Glaspailletten-Putz versehen worden - doch schon jetzt gibt es darin Hunderte Risse.

So verfahren die Situation ist, immerhin haben sich die Parteien auf einen Gesprächstermin geeinigt: Am 10. November wollen sich Stadt, Architekten und Hochtief an einen Tisch setzen.

Kosten haben sich fast verfünffacht

Die Elbphilharmonie ist seit Jahren Streitobjekt in Hamburg. Ursprünglich war für die Stadt ein Kostenanteil von 77 Millionen Euro veranschlagt worden. Mittlerweile ist die Belastung für den Steuerzahler auf 323,5 Millionen Euro gestiegen. Der Abschlussbericht des früheren Untersuchungsausschusses der Bürgerschaft beziffert die Kosten sogar auf 351,3 Millionen Euro.

Auch der Eröffnungstermin wurde seit der Grundsteinlegung im April 2007 stets verschoben. Zuletzt hatte Hochtief die Übergabe des Konzerthauses für April 2014 angekündigt

(sda/dapd)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Müller am 05.11.2011 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Architekten > Bauingenieur

    Das ist halt wenn der/die Architekten um jeden Preis ein möglichst ausgefallenes und "rundes" Gebäude bauen wollen. Ich frage mich nur wieso man die statische Machbarkeit und andere Punkte nicht im Vorfeld etwas kritischer betrachtet.

  • Balz Pfenniger am 05.11.2011 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    History repeating

    Sydney hat seine Oper. Hamburg wird seine Elbphilharmonie haben. Wie sich die Ereignisse gleichen... Am Ende wird die EPH ein Wahrzeichen sein, welches man aus dem Hamburger Stadtbild nicht mehr wegdenken kann. Ja, gut, der Steuerzahler...

  • Herr Wähler am 05.11.2011 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlende Voksabstimmung!

    Das Desaster ist da weil es keine Volksabstimmung gibt! Mit einem Referendum hätte vorher eine öffentliche Debatte stattgefunden und das Volk hätte Nein gesagt.

    • Paul Dremmel am 05.11.2011 14:52 Report Diesen Beitrag melden

      Nützt auch nicht viel

      Nun ja, das Volk wäre - wie so oft in der Schweiz auch - mit tiefen Kosten über den Tisch gezogen worden. Sind wir doch mal ehrlich: Eine fast verfünffachung der Kosten. Das ist doch kein Rechenfehler oder Planungsunsicherheit. Dies ist doch ganz einfach Betrug. Und die Herren Stararchitekten sind heute so abgehoben wie Investmetnbanker.

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  • Daniel Bühler am 05.11.2011 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Unfähige Bauindustrie

    Offensichtlich find die am Bau beteiligten Unternehmen unfähig das hoch komplexe Bauwerk zu bauen bzw. begreifen nicht, dass ein derartiges Bauwerk nicht einfach nur mit Standardlösungen gebaut werden kann, sondern es hier Köpfchen braucht! Es ligt nicht an den Architekten, die oft genug bewiesen haben, das sie fähig sind auch schwierigste Bauaufgaben zu lösen, sondern an einer total überforderten Bauindustrie. Die haben die Aufträge bei den Ausgeriebenen ja angenommen, sind aber unfähig diese zu lösen. Baufirmen, die jetzt einfach Banalität fordern und die hole Hand machen, sind das Problem.

    • Marco am 05.11.2011 14:45 Report Diesen Beitrag melden

      Unfair nur die Bauindustrie anzugreifen!

      Informieren Sie sich bitte zuerst über die beteiligten Unternehmen, allen voran HOCHTIEF, die haben weltweit über 70000 Angestellte - wenn die das Knowhow nicht haben, wer dann? Wie eine solche Kostenexplosion zustande kam, kann ich nicht nachvollziehen bzw. habe keine Zeit und Lust mich genauer zu informieren, da muss aber einiges schiefgelaufen sein und die Herren Architekten werden ihren Beitrag dazu geleistet haben.

    • Paul Dremmel am 05.11.2011 14:56 Report Diesen Beitrag melden

      Unfähige (künstlerische) Architekten

      Ich weiss nicht wieviel Sie von der Bauindustrie verstehen, aber aus meiner Erfahrung ist es genau umgekehrt. Architekten sind Künstler und kümmern sich oft nicht um wirtschaftliche Lösungen oder Physik. Mit Mühe und Not wird dann von den Praktikern versucht die Schnappsideen umzusetzen - zu horrenden Kosten. Ein Beispiel hierfür ist das Dach des neue Terminals des Flughafens Zürich. Keine zwei Teile sind gleich!!! Sicher machbar, aber zu welchen Kosten. Oder Bern's neues Einkaufszentrum das jetzt schon anfängt auseinander zu fallen weil es unvernünftige Formen hat.

    • Mathias am 06.11.2011 00:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Marco und Paul

      Wenn die Chinesen es schaffen, die statisch anspruchsvolleren Projekte wie das Olympiastadion von H&deM oder das CCTV von Rem Koolhaas (OMA) zu realisieren, dann macht der ach so tolle Hochtief-Konzern (inkl. der Subunternehmer) etwas gehörig falsch. Und was das Westside in Bern anbelangt: Gerade das ist ein eindeutiger Fall von Pfusch durch Baufirmen. Das kommt halt davon, dass der Baunternehmer billiges (z.T. ungebildetes) Personal anheuert. Fehlt nur noch der Projektplaner, der während der Bautätigkeit mit seinen Kostensenkungsmassnahmen dreinpfuscht. Leider auch in CH immer öfters der Fall

    • Marco am 06.11.2011 09:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Mathial

      die chinesen würden in diesem fall unter umständen auch ohne stopps weiterbauen! eine solche vervielfachung der kosten kann unter keinen umständen gesamthaft auf den bauunternehmer abgeschoben werden. ich habe nirgends behauptet, dass der hochtief-konzern unfehlbar war/ist, nur wird das knowhow für einen solchen bau ziemlich sicher vorhanden sein...aber in diesem fall ging etwas gewaltig schief...ich denke bei allen beteiligten!

    einklappen einklappen
  • Hans Brunner am 05.11.2011 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Millionen für wenige

    Es ist schon eigenartig, dass heute immer noch wahnwitzige Beträge für die sogenannt etablierte Kultur ausgegeben werden, welche dann nur von wenigen Leute auch konsumiert wird. Bei Hamburg kommt dazu, dass die Steuerzahler bluten und kaum jemand mal die Chance erhält, in diesem Luxusbau auch je eine Vorstellung zu sehen. Da werden sich dann die Millionarios mit subventionierten Abonnements schon ihre Plätze sichern. Wobei Hamburg da keine Ausnahme. Auch überall in der Schweiz werden Millionen Steuergelder in Opernhäuser und Theater gesteckt, während jeder Musikclub ums Überleben kämpfen muss.