Sturm

29. Oktober 2017 06:57; Akt: 30.10.2017 02:48 Print

Herwart fegt mit fast 150 km/h durch die Schweiz

In Norddeutschland hat Sturm Herwart den Bahnverkehr teils zum Erliegen gebracht. Auch in anderen Teilen Europas sorgen starke Windböen für Chaos.

In Berlin riss Herwart Bäume und Baugerüste um. (Video: Tamedia/Reuters)
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Das Sturmtief Herwart hat in der Schweiz Windböen mit Spitzen von bis fast 150 Kilometer pro Stunde (km/h) ausgelöst. In Tschechien und Deutschland wurden sogar Orkanböen mit Spitzen von 180 km/h registriert. Im Tessin wurde es wegen des Nordföhns aussergewöhnlich warm.

Auf dem Crap Masegn im Kanton Graubünden wurde am Sonntag eine Windspitzengeschwindigkeit von bis zu 146 km/h gemessen. Auf dem Eggishorn im Wallis waren es 131 km/h und auf dem Weissfluhjoch bei Davos 123 km/h, wie die Wetterdienste SRF Meteo und Meteonews mitteilten. Die stärkste Böe wurde um die Mittagszeit auf dem Corvatsch mit 149 km/h registriert.

Sturm fegt über Norddeutschland

Überraschenderweise gab es auch im Engadin extreme Böen. In Sils wurde mit 118 km/h ebenfalls eine Orkanböe verzeichnet, in Samedan gab es 89 km/h. Zu spüren war der Wind auch in der Ostschweiz. In Herisau AR etwa wurde ein Maximalwert von 90 km/h gemessen.

Mehr als 24 Grad im Tessin

Die heftige nordwestliche Höhenströmung sorgte südlich der Alpen für stürmischen Nordföhn. In Poschiavo GR erreichte eine Böe mit 117 km/h Orkanstärke, und auch in Simplon Dorf VS tobte der Nordföhn. Dort wurden Windspitzen von 102 km/h gemessen. Der Nordföhn liess im Süden gleichzeitig die Temperaturen stark ansteigen. In Locarno gab es deshalb 24,2 Grad, in Ascona 24,9 Grad, wie SRF Meteo schreibt.

In Chur verursachte der Sturm leichte Sachschäden. So beschädigten die starken Winde ein Baugerüst, zudem fiel eine Tanne auf ein Hausdach. Die Bewohner befanden sich zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise ausser Haus, wie die Kantonspolizei Graubünden mitteilte. Auch Baustellenabschrankungen und Werbetafeln fielen den heftigen Böen zum Opfer.

Tod und Zerstörung in Europa

Während die Schweiz mit einem blauen Auge davongekommen ist, hat Herwart am Wochenende in anderen Teilen Europas Tote, Verletzte und erhebliche Schäden hinterlassen. Als der Sturm am Sonntag abflaute, begann vielerorts das grosse Aufräumen. In Polen und Tschechien waren mindestens drei Todesopfer zu beklagen. In Deutschland wurden zunächst zwei Tote und sechs Verletzte bekannt.

In allen drei Ländern warf der Wind viele Bäume um, die Strassen blockierten und den Verkehr behinderten. Infolgedessen starb ein Mann in der polnischen Woiwodschaft Westpommern bei einem Autounfall, wie örtliche Behörden angaben.

In Tschechien wurde eine Frau bei einem Waldspaziergang bei Trebic (Trebitsch) von einem Baum erschlagen. Ein Mann starb, als er in der böhmischen Kleinstadt Jicin (Jitschin) von einem Baum getroffen wurde, wie die Agentur CTK berichtete.

Hunderttausende Haushalte ohne Strom

Hunderttausende Haushalte waren in ganz Tschechien ohne Strom, weil Freileitungen beschädigt wurden. In Most (Brüx) warf das Unwetter eine erst vor sieben Jahre eingeweihte orthodoxe Holzkirche um.

In der Slowakei rieten die Behörden vor dem Feiertag Allerheiligen von traditionellen Besuchen an den Gräbern von Angehörigen ab. In Bratislava blieben Friedhöfe aus Sicherheitsgründen geschlossen.

In Deutschland stoppte die Bahn am Sonntag in sieben Bundesländern ihren Fernverkehr. Wegen der schweren Sturmschäden wollte die Deutsche Bahn den Betrieb erst am Montag wieder aufnehmen. Berlin, Hamburg, Hannover, Bremen und Kiel seien zurzeit nicht ans Fernnetz angeschlossen, teilte der Konzern am Sonntag mit.

Viele Strassen wurden wegen umgekippter Bäume gesperrt. Meteorologen warnten vor dem Betreten der Wälder. Besonders vom Sturm betroffen waren der Norden und Osten Deutschlands.

Von Sturmflut überrascht

An der Nordsee wurde ein 63-jähriger Camper von der Sturmflut überrascht und ertrank. Der Mann habe auf einem Campingplatz am Jadebusen in Niedersachsen in einem VW-Bus übernachten und sich beim Herannahen des Wassers zu Fuss in Sicherheit bringen wollen, erklärte die Polizei.

In Mecklenburg-Vorpommern kenterte ein Motorboot mit drei Urlaubern aus Sachsen - eine Frau starb. Die Suche nach einem Passagier blieb nach Angaben der Polizei Neubrandenburg bis Sonntagabend erfolglos.

In Berlin wurde ein Fussgänger von einem umkippenden Baugerüst schwer verletzt. In Sachsen-Anhalt und Bayern verletzten sich Autofahrerinnen, die mit ihren Wagen gegen umgestürzte Bäume prallten. In Nordfriesland überschlug sich ein Autofahrer beim Ausweichen vor Ästen und verletzte sich.

Auf einer Autobahn in Mecklenburg-Vorpommern rutschten Autos auf einer fünf Zentimeter dicken Hageldecke aus. Dabei verletzten sich zwei Menschen. Der Wind erreichte Geschwindigkeiten von bis zu 176 Kilometern pro Stunde am Fichtelberg in Sachsen.

Ausnahmezustand bei Feuerwehr

Die Hamburger Feuerwehr rückte bis zum Sonntagmorgen 550 Mal aus - meist wegen Bäumen und Ästen auf Strassen, aber auch auf Autos und Häusern. Die Berliner Feuerwehr wurde zwischen 4 Uhr und 10 Uhr zu 300 Einsätzen gerufen und rief deswegen den Ausnahmezustand aus. Der Sturm deckte dort ein komplettes Hausdach ab. Zwei S-Bahnen rammten umgestürzte Bäume.

Wegen «Herwart» standen die Züge in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen still. Züge aus anderen Regionen in diese Gebiete endeten vorzeitig. In Hamburg fuhr die S-Bahn noch eingeschränkt. Ersatzverkehr mit Bussen gab es wegen der Sturmgefahr meist nicht.

Flugzeug und Frachter betroffen

Wegen starker Windböen in Frankfurt musste am Sonntag ein Airbus A380 der Lufthansa ausserplanmässig in Stuttgart landen. Nachdem die aus Houston (USA) kommende Maschine wetterbedingt einige Zeit über dem Flughafen Frankfurt gekreist war, entschied sich der Kapitän zur Sicherheitslandung, auch weil der Treibstoff knapp wurde.

Vor der Nordsee-Insel Langeoog lief wegen des Sturms ein Frachter auf Grund. Die 22 Menschen an Bord des 225 Meter langen Schüttgutfrachters «Glory Amsterdam» seien nach bisherigen Erkenntnissen unverletzt.

Der Frachter hatte keine Ladung an Bord, allerdings 1800 Tonnen Schweröl und 140 Tonnen Marinediesel als Treibstoffe geladen. Im Moment sei das Schiff, das mit einem Doppelboden ausgestattet sei, stabil, sagte eine Sprecherin des Havariekommandos. Das Havariezentrum bereitet nach eigenen Angaben einen Freischleppversuch vor.

(roy/kaf/sep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steffi am 29.10.2017 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bahnverkehr

    Bei uns legen die Fussballfans die Züge lahm, da brauchen wir keinen Sturm.

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  • Maler50 am 29.10.2017 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur pur.

    Herbstzeit ist Sturmzeit!

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  • Libelle am 29.10.2017 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pure Energie

    Warum sind die Grünen jetzt nicht draussen und fangen diese Stürme ein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mikesuisse am 30.10.2017 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Orkan in der Nordsee auf Queen Mary 2 auf dem Weg

    Ein Erlebnis, den Orkan auf der Queen Mary 2 zu erleben - geplant war das nicht. Muss ich nicht nochmal haben

  • E30 am 30.10.2017 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blitzerstadt

    Das Herwart nicht geblitzt wurde in Züri der Blitzer Marathon Stadt.

  • Swissgirl am 30.10.2017 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der war heftig

    Herwart hat mir gestern beim sonntäglichen Laufen einen schönen Widerstand beschert. Da war Wärme und winddichte Sportkleidung nötig.

  • Tim.T am 30.10.2017 07:15 Report Diesen Beitrag melden

    Darf er?

    Bekommt der jetzt eine Geschwindigkeitsbusse? Oder darf er das weil er nicht von hier ist?

  • Dorfpolizist Wäkerli am 30.10.2017 06:36 Report Diesen Beitrag melden

    Nur 120km/h erlaubt!

    Mh wenn Hewart mit 150km/h durch die Schweiz fegt bekommt er aber eine Geschwindigkeitsbusse